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Verfahren gegen Theaternative Cottbus eingestellt

Gerhard Printschitsch kann wieder lachen. Das jahrelange Verfahren gegen seine Theaternative wurde nun eingestellt.
Gerhard Printschitsch kann wieder lachen. Das jahrelange Verfahren gegen seine Theaternative wurde nun eingestellt. FOTO: TheaterNative C (LR-COS-RED-101)
Cottbus. Die jahrelangen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Cottbus zur Theaternative C wegen Nichtbezahlung von Gehältern sind nun abgeschlossen. Das Verfahren wurde gegen Geldauflage endgültig eingestellt. Rüdiger Hofmann

Seit 2013 hatte sich das Ermittlungsverfahren der Cottbuser Staatsanwaltschaft gegen die Theaternative C erstreckt, wonach Künstler 18 Monate lang ohne Gage beschäftigt gewesen sein sollen. Nun kann die Theaternative aufatmen. Das Verfahren wurde nach Bezahlung einer Geldauflage endgültig eingestellt, wie die Staatsanwaltschaft auf Anfrage der RUNDSCHAU mitteilt.

Die Hauptanklage lautete zu Paragraf 266 a des Strafgesetzbuches "Vorenthalten von Arbeitsentgelt sowie Veruntreuung". Nicht alle Arbeitnehmer sollen außerdem zur Sozialversicherung angemeldet und zudem Fördermittel der Stadt Cottbus zweckwidrig für eigene Interessen eingesetzt worden sein. "Der Tatvorwurf der Untreue hat sich nicht bestätigt", sagt Oberstaatsanwältin Elvira Klein. Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitnehmer seien nicht vorenthalten, sondern lediglich verspätet gezahlt worden.

Auch der Vorwurf des Subventionsbetruges konnte entkräftet werden. "Subventionen wurden nicht gewährt, und Betrug zum Nachteil der Stadt Cottbus ist nicht entstanden", so die Staatsanwaltschaft.

Theaterchef Gerhard Printschitsch nimmt die Aufhebung der Anklage erleichtert auf. "Ich war von Anfang an überzeugt, dass die Staatsanwaltschaft nichts finden wird, da wir uns nichts vorzuwerfen hatten und immer mit offenen Karten gespielt haben. Wir haben unsere Schauspieler nie ohne Gage beschäftigt", so Printschitsch.

Den Anfang nahm die Geschichte 2013. In diesem Jahr war der Cottbuser Schauspieler Sebastian Thiele, der zuvor angeblich 18 Monate ohne Gehalt gespielt hatte, an die Öffentlichkeit gegangen. Thiele wandte sich damals an den ehemaligen Landtagsabgeordneten Jürgen Maresch, der daraufhin Strafanzeige gegen die Theaternative C und seinen Leiter Gerhard Printschitsch stellte. "Thiele hatte sich bereits 2012 als mein Nachfolger beworben", sagt Gerhard Printschitsch. "Als er dann zur Einarbeitung täglich an meiner Seite mitlaufen sollte, war er immer häufiger unzuverlässig und sagte reihenweise Proben und Aufführungen ab", so der Theaterchef. Die Entscheidung über einen potenziellen Nachfolger fiel dann schließlich gegen Thiele, was dieser nicht akzeptieren wollte, so Printschitsch. "Ich vermute, seine Strafanzeige war dann ein reiner Racheakt und zugleich das Streben nach Aufmerksamkeit." Wie unlängst bekannt wurde, übernimmt Hauke Tesch, Spielleiter am Staatstheater Cottbus, zum 1. Januar 2018 die Leitung der Theaternative C und wird Nachfolger von Printschitsch.

Nervlich mitgenommen hatten die jahrelangen Ermittlungen gegen das Haus vor allem den Vorstandsvorsitzenden der Theatergesellschaft C, Michael Stein. "So ein langwieriges Verfahren zerrt schon an einem. Wir sind während dieser Zeit aber immer transparent mit unseren Mitgliedern, Künstlern und Sponsoren umgegangen", sagt Stein. Die gegen die Theaternative C vorgebrachten Vorwürfe seien auch laut seiner Aussage völlig unzutreffend gewesen. Im Oktober 2013 habe man bei einer Durchsuchung der Theaternative viele Unterlagen freiwillig herausgegeben.

Von Sebastian Thiele zeigen sich beide enttäuscht. "Dass er nie an mich als Vorstand zur Aufklärung des Sachverhalts herangetreten ist, sondern über Herrn Maresch dann die Strafanzeige laufen lassen hat, ist schon etwas merkwürdig", sagt Stein. "Und das auch nicht sofort, sondern erst nach angeblich anderthalb Jahren ohne Erhalt seiner Gage", fügt Printschitsch hinzu.

Und wie denkt inzwischen derjenige über das Verfahren, der die Lawine losgetreten hat? "Ich hatte nie die Absicht, das Haus plattzumachen", sagt Sebastian Thiele. Die Theaternative C habe ihre Daseinsberechtigung, so der Musiker. An seinem Standpunkt, dass er keine Gage erhalten habe, hält er auch heute noch fest. "Ich habe mich zwar damit abgefunden und weiß, dass ich inzwischen Hausverbot vor Ort habe und auch keine Gelder mehr sehen werde, doch vergessen kann ich diese hochemotionale Sache nicht", sagt Thiele. "Ich hätte mir einen sauberen Schlussstrich zwischen allen Beteiligten gewünscht."

Dass von der Anzeige und dem Verfahren etwas an der Theaternative hängen bleibt, glaubt Gerhard Printschitsch nicht. "Das Theater ist in seiner Existenz nicht gefährdet." Die Stadt Cottbus fördert die Spielstätte in der Petersilienstraße und den Cottbuser Theatersommer jährlich mit 50 000 Euro.