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| 17:31 Uhr

Sorgen der Mieter nach Eigentümerwechsel
Wohnprojekt erhält Kündigung

 Ein Transparent hängt an einem gegenüberliegenden Gebäude: „K 29 bleibt!“ Auch an anderen Gebäuden finden sich solche Zeichen der Unterstützung.
Ein Transparent hängt an einem gegenüberliegenden Gebäude: „K 29 bleibt!“ Auch an anderen Gebäuden finden sich solche Zeichen der Unterstützung. FOTO: LR / René Wappler
Cottbus. Traditionsreicher Verein in der Karlstraße fürchtet mehr denn je um seine Zukunft.

Die Organisatoren des Cottbuser Karlstraßenfestes haben von ihrem Vermieter eine fristlose Kündigung erhalten. Das teilt der Verein „Karlstraße 29“ mit, der sich im Jahr 1992 nach eigenen Angaben als „einzigartiges Wohnprojekt“ gründete. 13 Mieter fürchten damit, auf einen Schlag ihr gemeinsames Zuhause zu verlieren.

Zunächst dachten die Bewohner, der Besuch diene der freundlichen Verständigung. Die neuen Eigentümer des Gebäudes in der Karlstraße 29 schauten an ihrer Adresse vorbei, ebenso Kerstin Kircheis vom Mieterbund und Mitarbeiter des Rathauses. Wie die Mitglieder des Vereins berichten, verlief das Gespräch zunächst in entspannter Atmosphäre. So sei es vor allem um die Frage gegangen, inwiefern eine Sanierung und Modernisierung möglich wäre. Erst am Schluss des einstündigen Termins, als fast alle Besucher wieder gegangen waren, habe ihnen der Rechtsanwalt des bisherigen Vermieters die fristlose Kündigung übergeben. Als Begründung diene die Tatsache, dass sie sich mit ihren Bedenken zum Eigentümerwechsel an die Öffentlichkeit gewandt hatten. Ein paar Tage später habe wiederum eine fristgerechte Kündigung in ihrem Briefkasten gelegen.

In einem Brief an den bisherigen Besitzer, die Grund Union Immobilien GmbH, schilderten die Mieter im Mai ihre Sorgen. „Wie Sie wissen, fördern wir seit nunmehr fast 30 Jahren studentisches Wohnen und Leben, aber auch den Austausch im außeruniversitären Kontext in Cottbus“, schrieben sie. Durch einen Verkauf und die „jetzt schon mündlich angekündigte“ Verdopplung des Mietpreises werde dieses Projekt sterben, fürchten die Bewohner. „Seit Jahren sprachen wir Sie regelmäßig an und signalisierten den Wunsch zum Hauskauf“, teilten sie weiter in ihrem Brief mit. „Dass nun jemand anderes den Zuschlag erhält, entsetzt uns erneut.“ Auf eine Anfrage der RUNDSCHAU zum Eigentümerwechsel reagierte die Grund Immobilien GmbH nicht. Nach den Informationen der Wohngemeinschaft übernimmt die Lifestyle Immobilien GmbH aus Berlin das Haus.

Ausstellung geplant

Die Mitglieder des Vereins „Karlstraße 29“ wollen sich trotzdem weiter dafür einsetzen, an dieser Adresse zu bleiben. So hoffen sie, dass sich noch eine Lösung findet, mit der alle Beteiligten leben können. Unabhängig von diesem Konflikt planen sie eine Ausstellung über die Geschichte der Karlstraße 29, in der sie zeigen wollen, warum es sich in ihren Augen um ein Projekt handelt, das es so kein zweites Mal in Cottbus gibt.

Kerstin Kircheis vom Mieterbund räumt den Bewohnern noch Chancen ein, dass sie das Haus nicht verlassen müssen. Nach ihren Worten wird die Frage eine Rolle spielen, ob in diesem Fall wegen des Vereins das Gewerberecht greift oder doch das klassische Mietrecht. „Nach diesem Mietrecht gelten die vorgebrachten Kündigungsgründe nicht“, erläutert Kerstin Kircheis, die auch für die SPD im Potsdamer Landtag mitarbeitet. „Wir werden den Fall weiter begleiten.“ Gerade in diesen Zeiten sei es wichtig, „dass sich junge Leute für die Kultur und damit für die ganze Stadt engagieren“.

Mit Ausnahme der AfD hatten sich die politischen Fraktionen des neuen Cottbuser Stadtparlaments ebenfalls dafür eingesetzt, das Wohnprojekt in der Karlstraße zu erhalten. So stimmten sie im Juni für einen Antrag, der besagt, dass die Mitarbeiter des Rathauses zwischen dem Verein und dem Eigentümer des Hauses vermitteln sollen. Die AfD-Stadtverordneten plädierten aus zwei Gründen dagegen. Zum einen führten sie ins Feld, Besucher des Karlstraßenfestes hätten am 8. Juni ihr Mitglied Ingo Scharmacher bedroht. Zum anderen sei es kein akzeptables Signal, wenn „jeder Verkauf nach fünf oder sechs Jahren noch einmal in die Prüfung“ gehe, wie der AfD-Abgeordnete Georg Simonek anmerkte.