ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:38 Uhr

Verein feiert Erfolgsgeschichte
Cottbuser Kindermusical wird 50

 Gar nicht so einfach: Auch akrobatisches Geschick ist bei den Tanzdarbietungen des Kindermusicals gefragt.
Gar nicht so einfach: Auch akrobatisches Geschick ist bei den Tanzdarbietungen des Kindermusicals gefragt. FOTO: LR / Silke Halpick
Cottbus. Das Ensemble gehört zu den erfolgreichsten in Deutschland und räumt regelmäßig internationale Preise ab. Von Silke Halpick

„Jetzt gibt es uns schon länger nach als vor der Wende“, sagt Torsten Karow, künstlerischer Leiter des Cottbuser Kindermusicals. Er hat dem Ensemble unzählige Musicals auf den Leib geschrieben – über Katzen, Planeten, Bäume, Mäuse oder die Zeit. Regelmäßig räumen die Cottbuser mit seinen Werken Preise bei internationalen Wettkämpfen ab. Nun wird das Kindermusical 50. Mit einer großen Gala soll die Erfolgsgeschichte im September gefeiert werden.

1989 gerade mal sechs Jahre alt

Ein solches Happyend war nicht selbstverständlich. Im Gegenteil: In der Nachwendezeit sollte das Kindermusical, das 1969 gegründet wurde und schon zu DDR-Zeiten durch Fernsehaufzeichnungen bekannt wurde, eigentlich abgewickelt werden. „Keine Stadt kann sich so ein Ensemble leisten“, sagt Manager Ronny Schröter. Er selbst war 1989 gerade einmal sechs Jahre alt und ganz neu im Chor des Kindermusicals. Geworben hatte ihn der damalige Leiter, der in alle Schulen der Stadt ging. Das ist nun auch schon 30 Jahre her. Doch Schröters Begeisterung hat seitdem nicht mehr nachgelassen.

Um dem Ensemble nach der Wende eine Zukunft zu ermöglichen, wurde ein Förderverein gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte Gerd Thiele, der vielen als Leiter des Cottbuser Planetariums bekannt ist. Der Förderverein des Kindermusicals zählt heute 60 ordentliche Mitglieder sowie alle 160 aktiven Kinder und Jugendlichen. „Der Vorstand besteht meist aus Eltern von Ensemblemitgliedern“, so Schröter. Der Verein schließt Verträge mit Dritten ab und ist für die Finanzen verantwortlich. Das Eintrittsgeld allein deckt die Kosten für die aufwendigen Produktionen nicht, wie Schröter einräumt.

Alle zwei Jahre kommt ein neues Musical auf die Bühne. „Paradoxa und die zerbrochene Zeit“ erlebte im Vorjahr seine Uraufführung, wurde beim Europäischen Jugend-Musical-Festival in Herxheim (Rheinland-Pfalz) mit Gold ausgezeichnet und steht aktuell wieder auf dem Spielplan. Für Torsten Karow ist das Musical-Schreiben zu einem „Endlos-Ding“ geworden, wie er erzählt. Ideen habe er noch so viele, dass er das Kindermusical damit selbst noch „nach seiner Zeit“ versorgen könne.

Das Team entscheidet über die Besetzung

„Das Publikum hat mittlerweile schon eine Erwartungshaltung“, sagt Karow. Doch davon lässt er sich nicht unter Druck setzen. Bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen könnten immer Fehler passieren, doch das mache die Sache ja auch „sympathisch“. Über die Besetzung wird im Team entschieden. Für Karow ist es gar nicht wichtig, wer die Hauptrolle spielt. „Jede Figur hat ihre Funktion“, sagt er. Oft geht es bei den Stücken um philosophische Fragen, ein Steckenpferd des Musik- und LER-Lehrers.

In „Paradoxa“ steht auch Ria Wallstein auf der Bühne – als Muse Saphira, eine der Hauptrollen. Die 16-Jährige tanzt schon seit elf Jahren im Ensemble mit und kann sich vorstellen, aus dem Hobby später auch einen Beruf zu machen. Eine eigene Tanzschule zu gründen, das sei ihr großer Traum, wie sie erzählt. Ob er in Erfüllung geht, weiß sie nicht. Doch schon heute ist ein Leben ohne Tanz für sie kaum vorstellbar. „Wenn ich mal nicht so gut drauf bin, tanze ich einfach los, dann geht es mir gleich wieder besser“, sagt sie.

Alle Mitglieder des Kindermusicals werden in den drei Sparten Tanz, Gesang und Schauspiel ausgebildet. Mitmachen können Interessierte, die zwischen sechs und 18 Jahren alt sind. Zwei Proben mit insgesamt sechs Unterrichtsstunden pro Woche stehen auf dem Programm. Seit dem Jahr 2003 ist das Kindermusical im Cottbuser Konservatorium ansässig.

 Ria Wallstein (M.) tanzt die Muse Saphira im Musical „Paradoxa“. Seit elf Jahren ist sie beim Ensemble und hofft, das Hobby einmal zum Beruf machen zu können.
Ria Wallstein (M.) tanzt die Muse Saphira im Musical „Paradoxa“. Seit elf Jahren ist sie beim Ensemble und hofft, das Hobby einmal zum Beruf machen zu können. FOTO: LR / Silke Halpick

Auf der Straße trifft man häufiger aktuelle und ehemalige Mitglieder

Wie viele Kinder bisher durch diese Schule gegangen sind, ist unklar. Gezählt hat sie niemand „Doch alle zwei bis drei Jahre wechselt die Generation komplett“, sagt Schröter. Das sind im Verlaufe der letzten 50 Jahre bis zu 2500 Menschen. „Auf der Straße trifft man tatsächlich immer wieder auf jemanden, der mit dem Kindermusical zu tun hatte oder hat“, betont er. Ehemalige Mitglieder haben es beispielsweise auf die renommierte Stage-School in Hamburg geschafft. Andere wurden Moderatoren, Musiker, Schauspieler und Tänzer.

Während auf der Bühne aktuell „Paradoxa“ zu sehen ist, laufen im Hintergrund schon die Vorbereitungen für die große Jubiläumsshow am 30. September. Darin soll es um einen Komponisten gehen, der in ein bereits existierendes Ensemble kommt und eigene Stücke schreibt. „Parallelen zu Torsten Karow sind nicht nur rein zufällig, sondern gewollt“, sagt Schröter grinsend. Einen Abend vor der Premiere soll es ein Ehemaligen-Treffen geben. Interessenten können sich bei ihm melden.

„Paradoxa und die zerbrochene Zeit“ läuft am 30./31. März und 6./7. April, jeweils um 15 Uhr im Konservatorium. Karten kosten neun Euro pro Person, ermäßigt sieben Euro, zuzüglich Vorverkaufsgebühr. Erhältlich sind sie unter Tel. 0355/25730 oder im Internet unter www.tickets.cottbuser-kindermusical.de.

 Gar nicht so einfach: Auch akrobatisches Geschick ist bei den Tanzdarbietungen des Kindermusicals gefragt.
Gar nicht so einfach: Auch akrobatisches Geschick ist bei den Tanzdarbietungen des Kindermusicals gefragt. FOTO: LR / Silke Halpick