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Verdacht auf Misshandlungen: Kita „Die kleinen Giraffen“ wurde Betriebserlaubnis entzogen

Im Internet wirbt die Kita „Die kleinen Giraffen“ noch mit vollen Töpfen um Kinder.
Im Internet wirbt die Kita „Die kleinen Giraffen“ noch mit vollen Töpfen um Kinder. FOTO: Screenshot
Cottbus. Einer kleinen Kita in Cottbus Schmellwitz ist die Betriebserlaubnis entzogen worden. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen wegen des Verdachts der mehrfachen Misshandlung von betreuten Kindern abgeschlossen. Gegen die Kitaleiterin wird im März im Amtsgericht verhandelt. Annett Igel-Alltzeit

Dass ein Kind seine Suppe nicht essen will, kommt nicht nur im "Struwwelpeter" vor. Gutes Zureden wie "Wenn du aufisst, scheint morgen die Sonne" kennt jeder. Aber Kinder am Stuhl festbinden, ihnen das Essen unsanft in den Mund löffeln? Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen die Leiterin der Kita "Die kleinen Giraffen" wegen des Verdachts der mehrfachen Misshandlung Schutzbefohlener abgeschlossen. Im März soll die Verhandlung beginnen. Das Amtsgericht hat die Anklage zugelassen.

Bereits am 27. Oktober wurde der Kita die Betriebserlaubnis entzogen. Eine Mitarbeiterin des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport war an diesem Tag mit einem Kollegen des Cottbuser Jugendamtes unangemeldet in der Schmellwitzer Kita aufgetaucht. "Das war der Endpunkt einer schon länger währenden Auseinandersetzung mit der ehemaligen Vorsitzenden des Trägervereins, die zugleich Leiterin der Kita, über den Verein die Eigentümerin und zugleich die Bewohnerin des Gebäudes war, in der die Kita untergebracht war", erklärt Ralph Kotsch, Sprecher des Ministeriums.

Zwei jungen Praktikanten sei es zu verdanken, so der Leitende Oberstaatsanwalt, dass "Die kleinen Giraffen" ins Visier des Jugendamtes kamen. Sie wunderten sich über die Praktiken in der Kita, erzählten davon in ihrer Schule. "Und die Schule tat dann genau das Richtige: Sie informierte das Jugendamt."

Nötigung, Körperverletzung - 22 Vorfälle sollen in der Anklage der Staatsanwaltschaft stehen. Die Kita lief über mehrere Jahre. Sie warb mit Gedichtzeilen wie "In unserem Kindergarten schmeckt das Essen ganz toll, denn unsere Erzieher kochen selbst die Töpfe voll. Auch Abhärtung und Fitness müssen sein …" Mit einer Kapazität für 27 Kinder von null Jahren bis zum Schuleintrittsalter war sie zugelassen. "Neun Kinder", sagt Cottbuser Jugendamtsleiter André Schneider, "waren es zum Schluss noch." Dass er den Jugendhilfeausschuss in seiner öffentlichen erst am 3. Januar über die Schließung der Kita informierte, lag an der Widerspruchsfrist zum Entzug der Betriebserlaubnis. Die habe er erst verstreichen lassen müssen. Dass es Probleme in der Einrichtung "Die kleinen Giraffen" gab, soll schon in einem nichtöffentlichen Teil des Jugendhilfeausschusses mitgeteilt worden sein.

Eine Chance gab die Behörden der Kita: Als bekannt wurde, dass gegen die Leiterin staatsanwaltschaftliche Ermittlungen laufen, sollte der Trägerverein einen neuen Vorstand bilden und die Bedingungen ändern. "Dazu gehörte die Trennung der Einrichtung vom Wohnbereich der ehemaligen Leiterin und ein vorläufiges Beschäftigungsverbot für sie", so Ralph Kotsch, Sprecher des Ministeriums. Aber zum unangemeldeten Vor-Ort-Termin am 27. Oktober seien wichtige Teile der Vereinbarung nicht erfüllt gewesen. "Zudem wurden die Kinder nicht durch das uns gemeldete Personal betreut, sondern durch eine einzelne Kraft, über die uns keinerlei Informationen vorlagen."

Gegen Mitarbeiter der Kita soll bereits verhandelt worden sein - in zwei Fällen sei das Verfahren eingestellt, im dritten Fall eine Geldstrafe ausgesprochen worden. Zumindest beruflich dürfte es für die angeklagte Kitaleiterin künftig schwierig sein. Erzieher in Kindestagesstätten müssen generell ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Christina Giesecke, Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses: "Ich bin froh, dass die Einrichtung geschlossen ist." André Schneider versicherte: "Für Cottbuser Kinder besteht keine Gefahr mehr."