ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 21:55 Uhr

Neue und alte Betrugsmaschen
Verbraucherzentrale Brandenburg: So wird abgezockt

Daniela Hofmann (v.l.), Hannah Kneißl und Wolfgang Baumgarten sind immer wieder erstaunt über die Dreistigkeit von Betrügern.
Daniela Hofmann (v.l.), Hannah Kneißl und Wolfgang Baumgarten sind immer wieder erstaunt über die Dreistigkeit von Betrügern. FOTO: LR / Hilscher Andrea
Cottbus. Cottbuser Berater warnen vor alten und neuen Betrugs-Maschen. Von Andrea Hilscher

Ein Alptraum: Ein Ehepaar gönnt sich zusammen mit der Enkelin ein paar schöne Tage auf einem Kreuzfahrtschiff und muss am Ende mit Entsetzen feststellen, dass die Handyrechnung des Teenagers explodiert ist. Über 1500 Euro verlangt der Mobilfunkanbieter. „Für die Familie natürlich ein echter Schock“, erinnert sich Verbraucherberaterin Daniela Hofmann. Weder den Großeltern noch dem Mädchen war bewusst, dass auf einem Schiff weder die aktuellen EU-Roamingregelungen gelten noch weltweite Kostenbegrenzungsfunktionen.

Auf dem Schiff nutzt das Handy eine teure Satellitenverbindung. „Dafür muss nicht einmal telefoniert werden“, klärt Daniela Hofmann auf. „Solange die mobilen Daten aktiviert sind, laufen sämtliche Apps, Updates und E-Mailprogramme und verursachen Kosten.“ Ihre Kollegin Hannah Kneißl musste kürzlich einen Lausitzer beraten, der sogar in einem Fährhafen in die Kostenfalle der Kreuzfahrer getappt war. „Das Handy hatte eben die stärkste Verbindung genutzt. Und die stand nicht auf dem Festland sondern auf dem Schiff.“ Ihr Tipp: Mobile Daten ausstellen oder in den Flugmodus gehen. „Aufpassen müssen übrigens auch Urlauber auf den griechischen Inseln“, warnen die Beraterinnen. Gern wählen sich die Handys dort ins türkische Netz ein. „Und da gelten die EU-Gebührenregeln nicht.“

Auch schlimm: das immer dreistere Vorgehen von Inkasso-Unternehmen und Rechtsanwälten. Wolfgang Baumgarten, Jurist bei der Cottbuser Verbraucherzentrale, musste erst kürzlich einem Mann helfen, der mit peinlichen Forderungen konfrontiert wurde: Angeblich habe er Erotikdienste am Telefon genutzt. Dafür sollte er 90 Euro an ein tschechisches Inkasso-Unternehmen zahlen. „Der Mann hat insgesamt zehn solcher Rechnungen bezahlt, weil ihm die Geschichte unangenehm war“, sagt Baumgarten. Erst dann habe er Hilfe gesucht. Dabei hatte er mit den Erotiknummern gar nichts am Hut.

Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass auf einem Schiff weder die aktuellen EU-Roamingregelungen noch weltweite Kostenbegrenzungsfunktionen gelten.
Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass auf einem Schiff weder die aktuellen EU-Roamingregelungen noch weltweite Kostenbegrenzungsfunktionen gelten. FOTO: NAN728/Shutterstock.com

„Die Betrüger erschleichen über fingierte Inserate Telefonnummern von einsamen Männern. Haben sie die Nummer, rufen sie unter einem Vorwand an und fragen nach Namen und Adresse.“ Mit diesen Daten können sie eine Vertragsbeziehung vortäuschen und abkassieren. „Die Namen der Firmen ändern sich ebenso schnell wie die Kontonummern, auf die das Geld überwiesen werden soll“, sagt der Jurist. Er rät seinen Klienten, in keinem Fall zu zahlen. „Inkasso-Firmen brauchen eine amtlicher Zulassung. Diese haben tschechische Firmen nicht.“

Hartnäckig: Ein Mann aus Südbrandenburg kam völlig verzweifelt nach Cottbus. Zwölf verschiedene Inkasso-Firmen und Anwälte bombardierten ihn mit Forderungen in Höhe von mehreren Tausend Euro. „Angeblich lägen gegen ihn sogar schon mehrere rechtskräftige Vollstreckungsbefehle vor“, erinnert sich Baumgarten. Als er sich diese Schreiben zuschicken ließ, stutzte er: Der Name des Schuldners stimmte zwar, es handelte sich aber um einen Mann aus Westdeutschland.

„Der war irgendwie abgetaucht und seine Gläubiger hatten gedacht, sie wären nun hier bei uns fündig geworden.“ Derartige Namensgleichheiten werden nach Erfahrung der Berater häufig zum Problem. „Wer unberechtigt Forderungen erhält, sollte darauf niemals per Telefon antworten“, so der Jurist. Immer den sicheren Weg gehen und schriftlich per Einschreiben widersprechen. Oder sich beraten lassen.

Dieselfahrer tun momentan genau das. Immer wieder melden sich Menschen aus Cottbus und Spree-Neiße, weil sie nicht wissen, wie sie sich gegen den Wertverfall ihrer Autos wehren können. Tipp der Experten: Noch bis zum 31. Dezember können sich Besitzer, deren Autos mit VW-Motoren ausgestattet sind, einer bundesweiten Musterfeststellungsklage anschließen. Aber oft wissen die Autobesitzer nicht, wie genau sie das anstellen können und ob ihr Fahrzeug überhaupt betroffen ist, so der Berater.

Der Klage anschließen können sich Autobesitzer der Marken VW, Audi, Skoda und Seat mit einem Motor vom Typ EA 189. „Die Ansprüche müssen vor dem 31. Dezember 2018 geltend gemacht werden“, so Baumgarten. „Sonst können sie verjähren.“ Sein Tipp: „Nicht erst bis auf den letzten Drücker warten.“ Es könne immer zu technischen Problemen oder Verzögerungen bei der Übermittlung kommen. „Also besser rechtzeitig informieren und handeln.“

Auf der Internetseite der Verbraucherzentrale unter www.verbraucherzentrale.de finden sich Links zum Kraftfahrtbundesamt und zum Bundesamt für Justiz, bei dem man sich in das entsprechende Klageregister eintragen kann. „Sehr viele Menschen aus der Region haben sich bereits angeschlossen“, sagt Wolfgang Baumgarten. Er ist zuversichtlich, dass sie über den Weg der Musterfeststellungsklage später die Möglichkeit haben, ihre individuellen Schadenersatzansprüche mit Erfolg einzuklagen. „Beim Abgas-Skandal handelt es sich nicht darum, dass eine harmlose ,Schummel-Software´ eingesetzt wurde. Es geht hier ganz klar um vorsätzliche sittenwidrige Täuschung“, ist der Jurist überzeugt. „Das ist ein Straftatbestand.“