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| 20:03 Uhr

Verblüffender Gartentrick
Schafwolle ist ein Geheimtipp für den Boden

     Da lacht das Gärtnerherz: Die selbst gezogenen Tomaten aus selbst gewonnenen Samen einmal entdeckter, wohl schmeckender Sorten in den Farben gelb, rot, grün,lila und schwarz gedeihen prächtig. Sie schmecken  nach Sonnenreife und Natur. „Da kommt mir keine Chemie dran, nur Schafwolle und Pflanzenjauche aus Beinwell und  Ringelblumen  oder Brennnesseln", verrät Sieglinde Hanusch. Nicht zu viel Wasser und gutes Zureden tun ihr Übriges zur Pflanzenpracht.
Da lacht das Gärtnerherz: Die selbst gezogenen Tomaten aus selbst gewonnenen Samen einmal entdeckter, wohl schmeckender Sorten in den Farben gelb, rot, grün,lila und schwarz gedeihen prächtig. Sie schmecken nach Sonnenreife und Natur. „Da kommt mir keine Chemie dran, nur Schafwolle und Pflanzenjauche aus Beinwell und Ringelblumen oder Brennnesseln", verrät Sieglinde Hanusch. Nicht zu viel Wasser und gutes Zureden tun ihr Übriges zur Pflanzenpracht. FOTO: LR / LR Beate Möschl
Klein Döbbern . Die grüne Oase der Familie Hanusch in Klein Döbbern (Spree-Neiße) zieht viel Aufmerksamkeit auf sich. Selbst Mitarbeiter des Landesamtes für Umweltschutz biegen spontan zu ihnen ab. Von Beate Möschl

„Ihr seid ja verrückt“, hieß es vor 33 Jahren als der Mediziner Peter Hanusch statt nach Berlin zu gehen in Cottbus blieb und seiner Frau Sieglinde ihren sehnlichsten Wunsch erfüllte: einen Platz im Grünen, einen eigenen Garten. Gefunden haben sie ihr Paradies ausgerechnet zu Silvester, am 31. Dezember 1987. Zehntausend Quadratmeter groß, brach liegend, mit einem alten Bauernhaus und Nebengelass, und doch war sofort klar: Das ist es, egal was der Frühling aufdeckt, wenn er die Schneedecke schmelzen lässt.

 Garten mit viel Herz, Blüh-  und Grünkraft - keine Spur von Hitzestress, denn Sieglinde und Peter Hanusch sind ein eingespieltes Gärtnerteam und immer für Neues offen.
Garten mit viel Herz, Blüh- und Grünkraft - keine Spur von Hitzestress, denn Sieglinde und Peter Hanusch sind ein eingespieltes Gärtnerteam und immer für Neues offen. FOTO: LR / LR Beate Möschl

Gut zureden hilft auch den Pflanzen

„Überraschungen gab es viele. Mehr als uns lieb war. Als das Haus abgerissen werden musste, sind Tränen geflossen“, erzählt Peter Hanusch (76). Ein Luftbild erinnert daran, wie es hier einmal aussah – kein Vergleich mit dem Bild, das den Besucher heute empfängt. Es scheint, als würde hier jeder, der durch die kleine Pforte eintritt in das grüne Reich der Hanuschs umfangen von Liebe und Herzlichkeit. Das liegt nicht nur an den Herzen, die als Deko und kleine Anspielung an den unterschiedlichsten Plätzen zwischen Rosen, Hirschgeweih oder Verbenen im Wind schaukeln, oder das urige Herzhäuschen zieren am Übergang zur Streuobst- und Wildblumenwiese zwischen Gartenreich und dem nicht mehr zu ihrem Grundstück gehörenden Feld. Sondern daran, dass hier jeder Halm, jeder Stein und jede Krume Erde mit eigener Hand bewegt, gehegt und gepflegt wurde und wird. Und daran, dass das Ergebnis aller Müh‘ und Last immer auch Freude bringt. Weil es Anerkennung findet, Lob, das ansteckt oder wie Sieglinde Hanusch (71) sagt: „Gut zureden hilft Mensch, Tier und Pflanzen.“

 Sieglinde Hanusch demonstriert eines ihrer  Gärtner-Geheimnisse:  Ob unterm Gemüsebeet, im Hochbeet, im Pflanzkübel oder den Blumenkästen am Wohnhaus - überall gräbt sie Schafwolle mit ein. „Das hilft den Boden feucht zu halten. In unseren Blumenkästen in sonniger Südlage wäre sonst wohl schon längst alles verwelkt“, sagt sie. Das Zweitwichtigste sei, mit Augenmaß zu gießen. „Zuviel ist ungesund - auch beim Wässern“.
Sieglinde Hanusch demonstriert eines ihrer Gärtner-Geheimnisse: Ob unterm Gemüsebeet, im Hochbeet, im Pflanzkübel oder den Blumenkästen am Wohnhaus - überall gräbt sie Schafwolle mit ein. „Das hilft den Boden feucht zu halten. In unseren Blumenkästen in sonniger Südlage wäre sonst wohl schon längst alles verwelkt“, sagt sie. Das Zweitwichtigste sei, mit Augenmaß zu gießen. „Zuviel ist ungesund - auch beim Wässern“. FOTO: LR / LR Beate Möschl

Wenn ihre Pflanzen trotzdem mal schwächeln, die Kübelpflanzen zum Beispiel in heißen Sommertagen wie diesen, dann kommen sie in die Sommerfrische, „zur Kur“, wie sie sagt. Angekündigt natürlich. Denn ohne ihnen zu erklären, was gleich passiert, versetzt die leidenschaftliche Gärtnerin ihre Pflanzen nicht an einen kühleren Schattenplatz oder im kühlen Frühjahr an einen wärmeren, sonnigen Terrassenplatz. Und auch nicht ohne ihren Mann Peter, der „viel macht im Garten“, ihr bei den schweren Arbeiten hilft, Rank-Gerüste baut und sich mit ihr das Wässern teilt - jetzt im Sommer in den frühen Morgenstunden ab um Fünf.

Gärtnerische Qualifikation erworben

„Ich bin inzwischen sogar zum Hilfsgärtner aufgestiegen“, bemerkt Peter Hanusch augenzwinkernd an; stolz auf die Qualifikation, die er in den Jahren seit seinem Ruhestand Ende 2011 erworben hat. Oder sollte er lieber „errungen“ sagen? Keine Frage, die zwei verstehen es, sich und Probleme, die unter jedem Dach das Zusammenleben bestimmen, mit Humor zu nehmen und wie das Wetter auf ein Donnergrummeln wieder Sonnenschein und wohltuende neue Frische folgen zu lassen. Harmonie, Freiheit, Respekt. Machen lassen und unterstützen, wofür sich der andere begeistert. Die beiden sind ein eingespieltes Team. Das spiegelt sich auch in ihrem Garten. Der ist in Anlehnung an das Wissen und den Rat zur Natürlichkeit eines bekannten Cottbuser Garten- und Parkgestalters und Freundes der Familie entstanden, dem Gartenbauingenieur und einstigen Cottbuser Stadtgrün-Chef Joachim Scherzer.

   Willkommensgruß bei Gartenfreunden. Eigene Ernte aus dem Tomaten- und dem Kräuterbeet mit essbaren Blumen.
Willkommensgruß bei Gartenfreunden. Eigene Ernte aus dem Tomaten- und dem Kräuterbeet mit essbaren Blumen. FOTO: LR / LR Beate Möschl

Textilwissen verwoben mit Gartenlust

 Spieglein, Spieglein an der Wand.
Spieglein, Spieglein an der Wand. FOTO: LR / LR Beate Möschl

„Von Joachim Scherzer habe ich mein Wissen über die Gartengestaltung. Er hat immer gesagt, egal, was du machst, ob du einen Baum schneidest oder Pflanzen neu setzt, es muss immer natürlich aussehen“, erzählt Sieglinde Hanusch, die als Textilingenieurin auch einen Sinn für Farbharmonien und das Komponieren unterschiedlicher Blattformen hat. Und wie ihr Mann Peter schwört, sogar gleich zwei grüne Daumen. Die Ergebnisse dessen locken schon mal Neugierige an.

Vom Landesamt für Umweltschutz zum Beispiel waren im vergangenen Sommer zwei Mitarbeiter spontan zu ihnen abgebogen. „Ihr Garten ist ja eine grüne Oase, wie haben sie denn das gemacht, wollten sie wissen“, erzählt Sieglinde Hanusch schmunzelnd. Da habe sie ihnen von der Schafwolle erzählt, die sie immer untergraben. Grobe ungewaschene Schafwolle, die sie vom Schäfer bekommen. „Das gibt warme Füße für die Kartoffeln, Gurken und Tomaten, ist ein guter natürlicher Dünger, ähnlich wie Hornspäne, und hilft generell hervorragend Wasser und Feuchtigkeit im Boden zu halten. Das ist auch für Kübel- und Balkonpflanzen gut.“

 Hier wird das Auge des Betrachters   durch einen Stahlreifen gelenkt - das „magische Auge“ gibt  fernen Baumgruppen einen augenfälligen Rahmen. Der Blick von der grünen Oase der Familie Hanusch  nach draußen aufs Feld,  zeigt aber auch, was Trockenheit und Hitze in der freien Natur an  Spuren hinterlassen.
Hier wird das Auge des Betrachters durch einen Stahlreifen gelenkt - das „magische Auge“ gibt fernen Baumgruppen einen augenfälligen Rahmen. Der Blick von der grünen Oase der Familie Hanusch nach draußen aufs Feld, zeigt aber auch, was Trockenheit und Hitze in der freien Natur an Spuren hinterlassen. FOTO: LR / LR Beate Möschl

Der Zufall heißt Aufmerksamkeit

Den Trick mit der Schafwolle habe sie durch Zufall entdeckt, vor vier Jahren etwa, schildert sie. Zufall heißt immer die Ohren aufhalten, neugierig bleiben und nachfragen. Auf Wochenendausflügen zum Beispiel. Oder im Urlaub nach der Gartensaison, wenn sie durchaus mal drei Tage in einer Südtiroler Küche arbeitet, um wieder etwas dazu zu lernen, oder Gourmetköchen in die Töpfe schaut. „Ich koche leidenschaftlich gerne und probiere Neues aus.“ So habe sie zum Beispiel von Sternekoch Alexander Dressel in Potsdam gelernt, dass man Oxalis, eine großblättrige Klee-Art mit lilafarbenen Blättern, essen kann. Die wächst natürlich nun auch in ihrem Garten, ebenso wie aromatischer Bronze-Fenchel, der in der Sterneküche begehrt ist.

Geselligkeit und lebendiger Austausch

Bei Freunden begehrt sind ihre Garten-Küche, der Salbei-Likör, den ihr Mann Peter ansetzt, die Geselligkeit und der lebendige Austausch. Denn bei Hanusch’s dürfen Freunde und Besucher gern ihren Senf dazugeben. Das wird nicht einmal krumm genommen. „Im Gegenteil“, sagt Sieglinde Hanusch. „Jeder bringt doch einen andere Blick mit und sieht Dinge, die uns gar nicht oder nicht mehr auffallen. Das ist doch interessant.“

Manch einer darf sich dann sogar bei ihnen „verewigen“. Mit dem „magischen Auge“ zum Beispiel, das ein Freund als Skulptur gestaltet hat. Sie soll den Blick, den der Gartengast von der Terrasse über das freie Feld schweifen lässt, durch einen runden Stahlrahmen lenken. Je nach Sitzhöhe und Sichtachse erscheint ein einzelnes Prachtexemplar von Baum oder eine Baumgruppe wie ein Gemälde in einem Rahmen – ein Spiel, das jeder Gast ausprobieren darf und muss. Denn die Hanusch‘s teilen ihre Freude und ihren Spaß am (Garten-)Leben gern. So ist ihr Grundstück in Klein Döbbern zwar abgelegen, aber nie einsam und immer mit Leben erfüllt. Auch das zählt zu den Geheimnissen eines erfüllenden Gartens.