ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:33 Uhr

Vattenfall beendet planmäßig Tagebau Cottbus-Nord

Malte Helm fuhr am 23. Dezember 2015 den letzten Kohlezug aus dem Tagebau Cottbus-Nord.
Malte Helm fuhr am 23. Dezember 2015 den letzten Kohlezug aus dem Tagebau Cottbus-Nord. FOTO: dpa
Cottbus. Mit einer emotionalen Feier ist am Mittwochabend der letzte Kohlezug aus dem Tagebau Cottbus-Nord auf seine Fahrt zum Kraftwerk Jänschwalde verabschiedet worden. Für den Betreiber Vattenfall markiert das einen Schichtwechsel. Die Bergleute werden Landschaftsgestalter. Peggy Kompalla

Malte Helm befördert am Mittwochabend die letzte Tonne Kohle aus dem Tagebau Cottbus-Nord. Der Vollmond steht am Himmel. Die Sonne ist hinter der Kippe verschwunden. Die roten Lichter an den Windrädern blinken. Der Lokführer sitzt im Führerstand, hinter sich 16 Waggons voll beladen mit Rohbraunkohle. Über sich ein Lichtermeer. Der Energiekonzern Vattenfall schickt den letzten Kohlezug mit einer emotionalen Lichter- und Musikshow auf seine letzte Fahrt. Hunderte Bergleute verfolgen das Spektakel. Als letzten Gruß schickt Malte Helm ein kräftiges Tuten gen Himmel. Bei vielen Zuschauern sitzt ein Kloß im Hals, Tränen kullern über Wangen. Diese Fahrt ist das Ende einer Ära.

Ganz planmäßig beendet Vattenfall den Tagebau am 23. Dezember 2015. Das ist auch der Geburtstag von Tagebauchef Dietmar Junker. Insgesamt 220 Millionen Tonnen Braunkohle hat der Tagebau zu seinen Füßen geliefert, zutage gefördert von starken Bergbauhänden und schwerem Gerät - teils unter den widrigsten Umständen. Diesen Männern und Frauen gilt sein Dank. Zuletzt hatten 160 Menschen im Tagebau Cottbus-Nord eine Arbeit. Nach Renten- und Altersteilzeitregelungen bleiben noch 70 Bergleute über. Sie wechseln in die Tagebaue Nochten und Reichwalde. Junker betont: "Die Braunkohle hat im Jahr 2014 im Energiemix 28 Prozent ausgemacht. Das zeigt den hohen Stellenwert, der nicht leicht zu ersetzen ist." Mit Blick gen Osten sagt er: "Andere Länder denken nicht einmal daran, auf diesen heimischen Energieträger zu verzichten." Die Bergleute geben sich an diesem Abend kämpferisch, wünschen sich eine weitere Zukunft mit und in der Kohle.

Da klingen die Worte von Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) wie Musik in den Ohren. "Eine zuverlässige Stromversorgung ist nach wie vor nur mit der Braunkohle möglich", sagt er und betont an die Bergleute gerichtet: "Deshalb ist dieser Tag kein Abschied von Ihnen und der Lausitzer Braunkohle."

Vattenfall-Vorstandsvorsitzender Hartmuth Zeiß betont dann auch: "Vattenfall ist immer ein zuverlässiger Partner im Energiemix gewesen und das wollen wir auch bleiben." Der Vorstandschef erinnert in seiner Rede auch an die Dörfer, die dem Tagebau weichen mussten. "Menschen haben ihre Heimat verloren." Tranitz, Groß Lieskow, Klein Lieskow, Lakoma und Teile von Schlichow mussten dem Tagebau weichen, genauso wie die Lakomaer Teiche. "Aber wir haben den Menschen auch Arbeit gegeben." Mit der Renaturierung der Spreeaue haben sich die Bergleute bereits als Landschaftsgestalter erwiesen. Das werden sie erneut. Denn aus dem Tagebau Cottbus-Nord entsteht bis zum Jahr 2025 Deutschlands größter künstlicher See.

Dem Projekt steht die Umweltschutzgruppe Robin Wood skeptisch gegenüber, befürchtet sie doch Auswirkungen auf den Wasserhaushalt der Region und einen höheren Eintrag von Eisenocker und Sulfat in die Spree. Ganz anders ist die Sicht des Cottbuser Oberbürgermeisters Holger Kelch (CDU): "Der Ostsee eröffnet uns ein Stück Zukunft." Unabhängig vom Betreiber sei für ihn wichtig, "dass die Kollegen die gleichen vor Ort bleiben". Da sei längst eine Vertrauensbasis gewachsen und auch Wirtschaftsminister Gerber gibt ein Versprechen ab: "Die Region kann gewiss sein, dass wir sie dabei nach Kräften unterstützen werden."