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| 14:39 Uhr

Verunreinigtes Valsartan
Medikamenten-Rückruf stellt für Apotheker Herausforderung dar

Cottbus/Bonn. Nach dem Rückruf von bestimmten Blutdrucksenkern mit dem Wirkstoff Valsartan empfehlen die Behörden eine Umstellung auf unbedenkliche Arzneimittel. Cottbuser Apotheker warnen vor Liefer-Engpässen der „sauberen“ Generika. Von Frank Hilbert und Josephine Japke

Betroffene sollten mit ihrem Arzt oder Apotheker Rücksprache halten, welche Mittel von dem Rückruf betroffen sind, empfiehlt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn. Gegebenenfalls könnten sie dann auf ein anderes valsartanhaltiges Medikament umgestellt werden.

„Bei uns können die betroffenen Packungen zur Vernichtung abgegeben werden, aber es gibt noch keinen offiziellen Rückruf des Medikaments auf Patientenebene“, sagt David Kölling auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Er leitet im Lausitzpark eine der drei Cottbuser Filialen der „Apotheke am Theater“.

Das heißt, Patienten können ihre Medikamente nicht so einfach umtauschen. Per Rezept können sie jedoch auf unbelastete Valsartan-Präparate ausweichen. Es gebe noch einige wenige Hersteller von unbelasteten Generika, sodass nicht gleich auf das teurere Original zugegriffen werden muss, sagt der Filialleiter.

„Wir sind derzeit noch gut damit bevorratet, aber in der Zukunft dürften Lieferengpässe sehr wahrscheinlich sein.“ Das bestätigt auch eine Mitarbeiterin in der Sandower Apotheke: „Von den verunreinigten Medikamenten sind etwa zehn Firmen betroffen. Nur noch fünf Firmen können „sauberes“ Valsartan anbieten“, erklärt sie. Schon jetzt melden einige Firmen Lieferfähigkeiten von nur noch 20 bis 30 Prozent.

Sollten die unbelasteten Generika ausgehen, müssten Patienten auf das Original von Novartis (Diovan) zurück greifen - das kostet aber mehr als 90 Euro. Vor wenigen Tagen teilten nun Barmer, AOK und Pronova BKK mit, in Ausnahmefällen die anfallenden Mehrkosten für das Original zu übernehmen. Die Absprache mit der eigenen Krankenkasse könnte sich also lohnen.

Eine Sprecherin des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte sagte am Freitag, auf keinen Fall sollten die Arzneimittel einfach so ohne Rücksprache mit dem Arzt abgesetzt werden. Das Gesundheitsrisiko eines solchen Absetzens sei um ein Vielfaches höher als das mögliche Risiko durch eine Verunreinigung. Ein akutes Patientenrisiko bestehe nicht.

Das Medikament sollte nicht einfach abgesetzt werden, weil dann das Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt steige. Es sei wichtig, dass Patienten zum Arzt gehen, um ihre Therapie oder den Wirkstoff umstellen zu lassen.

Dass die Katastrophe bisher aber nicht so groß ist, wie vermutet wurde, sagt Rania Ahmed, Angestellte in der Sonnen-Apotheke in Ströbitz: „Viele Leute geben das Medikament nicht zurück, weil sie nicht wissen, ob ihre Charge betroffen ist.“ Ob dem so ist, können Patienten auf der Internetseite der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände unter www.abda.de nachsehen. „Wir kriegen jeden Tag eine Info von der Apotheker-Kammer, wie der aktuelle Stand ist und beraten unsere Kunden demnach bestmöglich“, erklärt Rania Ahmed.

Anfang diesen Monats hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte mitgeteilt, bestimmte Arzneimittel könnten mit einer potenziell krebserregenden Substanz verunreinigt sein. Es ging demnach um Medikamentenchargen, deren Wirkstoff vom chinesischen Unternehmen Zhejiang Huahai Pharmaceutical hergestellt worden sind. Mittlerweile ist der Rückruf laut BfArM weitgehend abgeschlossen.

Nach Angaben des Apothekerverbands Rheinland-Pfalz geht es bei den Rückrufen um Arzneimittel in unterschiedlichen Dosierungen und Packungsgrößen von etwa 20 Herstellern.

Laut Hochdruckliga sind in Deutschland 20 bis 30 Millionen Menschen von Bluthochdruck betroffen. Die Folgen können lebensgefährlich sein, dazu zählen auch Herzinfarkt und Schlaganfall. (mit dpa)

Liste der betroffenen Chargen.