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Ur-Elbe in die Jetztzeit geholt

Diese Sumpfzypressen sind Teil des für den Tertiärwald typischen Sumpfwaldes.
Diese Sumpfzypressen sind Teil des für den Tertiärwald typischen Sumpfwaldes. FOTO: Ulrike Elsner
Cottbus. Der Naturwissenschaftliche Verein der Niederlausitz feiert in diesem Jahr das 30-jährige Bestehen des Niederlausitzer Tertiärwaldes im Cottbuser Spreeauenpark. Die Entstehung dieses einmaligen Projekts ist mit den Namen zweier Cottbuser untrennbar verbunden. Ulrike Elsner

Im April 1987 haben die Geologen Ursula und Rolf Striegler auf einem rund anderthalb Hektar großen Gelände am Rande des Tierparks mit der wissenschaftlich belegten Nachgestaltung der Flusslandschaft der Ur-Elbe begonnen, die vor zehn Millionen Jahren die Niederlausitz prägte.

Die Grundlage dazu bildeten Fossilien aus der Blättertongrube Wischgrund bei Lauchhammer. Der Tertiärwald ist eine wissenschaftlich belegte Nachgestaltung dieser Flusslandschaft. Gepflanzt wurden Gehölzarten, die mit den damaligen Arten verwandt sind.

Anregung für die Gestaltung des Tertiärwaldes gaben Pflanzenfossilien aus dem Bestand des ehemaligen Museums der Natur und Umwelt Cottbus (jetzt Teil der städtischen Sammlungen), die von Museumsmitarbeitern in den Braunkohletagebauen der Niederlausitz geborgen wurden.

1987 wurden die ersten Gehölze für den zukünftigen Tertiärwald gepflanzt. Unterstützung gab es dabei vom damaligen Jugendklub "Ludwig Leichhardt" am Bezirksmuseum Cottbus.

1990 übernahm der neu gegründete Naturwissenschaftliche Verein der Niederlausitz die Betreuung. Es entstand der Arbeitskreis Tertiärwald, in dem sich fleißige Helfer noch heute an jedem Donnerstagnachmittag treffen, um den künstlichen Urwald ehrenamtlich zu pflegen und zu entwickeln.

1995 wurde der Tertiärwald ein wichtiges Element der Bundesgartenschau. Aktuell wachsen nach Vereinsangaben auf einer Fläche von 1,75 Hektar mehr als 750 exotische und einheimische Einzelgehölze und Gebüschgruppen in 120 Arten als Nachfahren der fossilen Pflanzen. Eine Festveranstaltung am kommenden Samstag und ein Kolloquium am 7. Oktober bilden den abschließenden Höhepunkt des Jubiläumsjahrs.

Den Auftakt bildete eine Aktion zum Tag des Baumes im April, bei der 20 Gehölze im Wert von 1000 Euro gepflanzt wurden, darunter eine Purpur-Erle.

Zum Thema:
Kolloquium an der BTU und "Herbst im Tertiärwald"Die BTU widmet dem Jubiläum am 7. Oktober ein Kolloquium. Ab 9.30 Uhr erhalten Interessenten im Audimax "Einblick in die Lebewelt der Kohlewälder". Am 7. Oktober ab 15 Uhr lädt der Naturwissenschaftliche Verein zur Veranstaltung "Herbst im Tertiärwald" in den Spreeauenpark ein. Neben einer Führung sind ein Grillfeuer sowie ein Lampionumzug für die Jüngsten geplant.

Der Tertiärwald ist mit dem Wirken von Ursula und Rolf Striegler eng verbunden.
Der Tertiärwald ist mit dem Wirken von Ursula und Rolf Striegler eng verbunden. FOTO: NVN
Arbeitseinsatz des Jugendklubs "Ludwig Leichhardt" am Bezirksmuseum Cottbus im Jahr 1988 im Tertiärwald.
Arbeitseinsatz des Jugendklubs "Ludwig Leichhardt" am Bezirksmuseum Cottbus im Jahr 1988 im Tertiärwald. FOTO: U. Striegler