(pk/abr) Der Cottbuser Biomarkt „Ährenkranz“ nimmt die Produkte der Lausitzer Hirsemühle aus seinem Sortiment und schließt sich damit einem Boykott der Marke an. Die Biokette Biomare hat die Getreide der Mühle bundesweit ausgelistet mit der Begründung: „Der Inhaber der Spreewälder Hirsemühle ist AfD-Funktionär, diese Partei leugnet den menschengemachten Klimawandel. Damit stellt sich der maßgebliche Entscheider der Spreewälder Hirsemülhle gegen die Werte von Biomare und der gesamten Biobranche.“

Der Cottbuser Biomarkt-Chef Alexander Schömmel erklärt: „Nachhaltigkeit muss man leben. Sie darf kein Werbe-Gag sein, um Verkaufszahlen zu erhöhen.“ Aus diesem Grund schließt sich der Cottbuser Geschäftsmann dem Boykott an.

Der Müller Jan Plessow ist Beisitzer im Vorstand der AfD in Spree-Neiße. Gegenüber rbb24 erklärte er: „Die Begründung ist für mich nicht nachvollziehbar.“ Er könne nicht verstehen, dass ein Produkt aus politischen Gründen aus dem Verkehr gezogen wird.

Alexander Schömmel betont, seine Entscheidung sei unabhängig vom Ansehen der Person gefallen. „Ährenkranz“ habe auch die Produkte des Naturkosmetikherstellers Logocos, der zum Nestlé-Konzern gehört, aus den Regalen genommen, „weil sein Wirtschaftskonzept nicht unseren Vorstellungen eines fairen Handels zum gegenseitigen Vorteil entspricht“.

Folgen auch für 15 Biobauern

Betroffen von dem Boykott sind auch etwa 15 Bio-Bauern in der Region, die bisher die Mühle mit Hirse beliefert haben. Landwirt Heiner-Lütke-Schwienhorst aus Ogrosen erklärt, dass genau das eingetreten ist, was er befürchtet hat. Die Reaktion der Händler könne er verstehen. Er habe im Vorfeld Jan Plessow eindringlich gewarnt, dass seine politischen Aktivitäten auf Kosten des Betriebes gehen. „Ich glaube nicht, dass irgendeiner von seinen AfD-Freunden Hirse isst. Und von den Hirse-Konsumenten wird vermutlich niemand AfD wählen“, gibt Heiner-Lütke-Schwienhorst zu bedenken.

Auf die Ankündigung des Leipziger Supermarktes Biomare habe Jan Plessow sehr emotional und mit vielen Unterstellungen und Anfeindungen reagiert. Lütke-Schwienhorst lobt gleichzeitig die unternehmerische Leistung des Hirse-Müllers, mit dem er 15 Jahre lang sehr gut zusammengearbeitet hat. Er bedauert, dass Plessow seine wirtschaftliche Existenz für seine nicht nachvollziehbaren politischen Forderungen opfert.

Sinneswandel beim Hirse-Müller

Dabei habe sich Jan Plessow vor zehn Jahren noch ganz anders politisch engagiert. Damals habe er die Grüne Liga unterstützt, den Stopp des Braunkohleabbaus gefordert. Den Sinneswandel kann Heiner-Lütke-Schwienhorst nicht nachvollziehen. Gleichzeitig ärgert ihn, dass er in keiner Weise an seine Geschäftspartner gedacht hat. „Wir werden nach einer neuen Lösung suchen und eine andere Mühle finden, die unsere Hirse schält“, ist sich der Bio-Landwirt sicher. In diesem Jahr sei die Ernte der Hirse ohnehin eine Katastrophe gewesen, die schlechteste Ernte seit 15 Jahren.