ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:31 Uhr

Aktion zum zweiten Bauabschnitt am Blechen Carré
Unterschriftenliste gegen City-Brachfläche in Cottbus wächst rasant

 Das Baugrundstück in der Cottbuser Stadtpromenade liegt seit Jahren brach.
Das Baugrundstück in der Cottbuser Stadtpromenade liegt seit Jahren brach. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Eine Cottbuser Initiative findet weitere Unterstützer im Einsatz gegen Brachfläche an der Stadtpromenade. „Damit muss jetzt Schluss sein“, fordern sie. Von Peggy Kompalla und René Wappler

Eine Unterschriftenliste wirft Fragen bei Mitgliedern des Cottbuser Rechtsausschusses auf. Im Januar hatten Bewohner der Innenstadt ihr „Dokument der Schande“ an den SPD-Politiker Reinhard Drogla überreicht, der auch die Konferenzen der Stadtverordneten leitet. Mehr als 500 Unterschriften steckten in dem Ordner, gesammelt innerhalb eines Monats. Deren Zahl hat sich inzwischen mehr als verdoppelt.

Der Protest der Einwohner richtet sich gegen die Brachfläche neben dem Blechen Carré. „Damit muss jetzt Schluss sein“, fordern sie. Der verwaiste zweite Abschnitt des Einkaufszentrums, umgeben von einem Bauzaun, stehe „im groben Gegensatz zum Branitzer Pücklerpark oder zum Altmarkt“.

Im Rechtsausschuss arbeitet der CDU-Politiker Dietmar Schulz mit. Er bekennt, er sei „etwas stutzig geworden“, als er die Liste sah. „Da sind Unterschriften drin, bei denen mir nicht klar wird, zu wem sie gehören.“ So fehle auf mehreren Blättern ein Kopf, der auf das Anliegen hinweise. „So richtig normengerecht ist das nicht“, gibt Dietmar Schulz zu bedenken.

Ihm widerspricht Gottfried Lindner vom Verein Stadtmitte, SPD-Mitglied und sachkundiger Einwohner im Rechtsausschuss. Die Initiatoren der Liste hätten ihn besucht, berichtet er. „Ich bin ein bisschen sauer, dass sie jetzt irgendwelche Formvorschriften einhalten sollen.“ Das ärgere ihn auch, „weil es sich um Menschen handelt, die über ihr Umfeld nachdenken“.

Der CDU-Stadtverordnete Joachim Käks hält einen Aspekt für entscheidend: „Uns stört, dass der Platz so aussieht, wie er aussieht.“ Die Frage, wie rechtssicher eine Unterschriftenliste sei, werde diesen Eindruck nicht verändern.

Harald Müller von der Bürgerinitiative „Schönes Cottbus“ reagiert auf die Bedenken im Rechtsausschuss. „Den Hinweis werden wir bei weiteren Listen beachten“, sagt er. „Aber die Mappe weist ja grundsätzlich darauf hin, dass wir hier ein Problem sehen.“ Gemeinsam mit anderen Mitgliedern hat er die Aktion erweitert. Bisher kamen nach seinen Worten ungefähr 1100 Unterschriften zusammen. Die Listen liegen in Geschäften der Innenstadt aus, unter anderem bei Rossmann an der Stadtpromenade.

Karl-Heinz Penk (89) ist das älteste Mitglied der Initiative. Er hat weitere 500 Unterschriften zum „Dokument der Schande“ vor der Sitzung des Hauptausschusses am Mittwoch an den Stadtparlamentschef Reinhard Drogla (SPD) übergeben.

Karl-Heinz Penk versprach, bei der nächsten Verdopplung wieder in den Hauptausschuss zu kommen. Die 2000er-Marke könne die Initiative nach eigener Schätzung bis Ende April liefern. Penk ist Sandower und ärgert sich über den Zustand der Stadtpromenade. „Wenn man durch die Lindenpforte kommt, ist das ein furchtbarer Anblick“, sagt er. „Es muss endlich wieder schön werden.“ Er betont, dass die Initiative nicht gegen die Stadt arbeite, sondern sich endlich eine Lösung wünscht. Der neuen Sammlung beigefügt sind Äußerungen von Cottbusern über den Zustand der Stadtpromenade – aufgeschrieben aus einem Gedächtnisprotokoll.

 Die Initiative will allen Abgeordneten des Stadtparlaments ein Geschenk machen. Zur nächsten Sitzung am Mittwoch, 27. Februar, erhalten sie eine Postkarte mit der Aufschrift „Willkommen in Cottbus!“. Darauf befindet sich ein Bild des Altmarktes und der Brache in der Stadtpromenade. Harald Müller von der Initiative sagt: „Das soll ein kleiner Denkanstoß sein. Und vielleicht schicken die Abgeordneten ja sogar die Karte an den Investor, obwohl man den kaum so nennen kann, nachdem acht Jahre lang in der Stadtpromenade nichts passiert ist.“