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| 17:33 Uhr

Debatte über Marketing für regionale Wirtschaft
Unternehmer fordern positive Medien

 Das Gespräch mit den Gästen von BVMW fand im Cottbuser Medienhaus der RUNDSCHAU statt. Sie wünschen sich ein positiveres Bild der Lausitz.
Das Gespräch mit den Gästen von BVMW fand im Cottbuser Medienhaus der RUNDSCHAU statt. Sie wünschen sich ein positiveres Bild der Lausitz. FOTO: LR / Angelika Brinkop
Cottbus. Gäste von Wirtschaftsverband aus der Lausitz stritten sich in Cottbus mit Gesprächspartnern der RUNDSCHAU. Von Rene Wappler

Eine Unternehmergruppe wünscht sich von der RUNDSCHAU mehr regionales Marketing und eine positive Sicht auf die Lausitz. Das haben die Besucher vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) am Dienstagabend im Cottbuser Medienhaus bekräftigt. Sie kritisierten die Redaktion für ihre Arbeit. Der Leiter der Wirtschaftsregion, Ralf Henkler, nach eigenem Bekunden jahrelanger Abonnent der Zeitung, berichtete: „Eines unserer Mitglieder hat schon angeregt, wir sollten eine Initiative zur Abschaffung der Lausitzer Rundschau gründen.“

Zu den Gästen der Gesprächsrunde zählte auch der Geschäftsführer vom MVZ Gemeinschaftslabor Cottbus, Dr. Peter Thorausch. Er glaubt an eine „selbstauferlegte Zensur“ der Zeitung. Da habe sich „gegenüber früher nichts geändert“.

Mercedes Grafinger betreibt eine Firma, die Software für die Touristik entwickelt. Sie war aus Luckau nach Cottbus gefahren, um am Gespräch im Medienhaus teilzunehmen. „Ich frage mich, warum es nicht besser gelingt, wirklich positiv über positive Dinge zu berichten“, sagte sie. „Viele Leute geilen sich wohl am Negativen auf, ergötzen sich an ihrem eigenen Phlegmatismus.“

Zitat aus dem Grundgesetz

RUNDSCHAU-Chefredakteur Oliver Haustein-Teßmer erwiderte den Kritikern: „Ich wohne gern in Cottbus und finde es deshalb auch wichtig, dass man sich mit der Region auseinandersetzt, in der man lebt.“ Die RUNDSCHAU habe keinesfalls den Auftrag, positives Marketing zu betreiben. So zitierte der Chefredakteur den Artikel Fünf des Grundgesetzes, der Pressefreiheit gewährleistet und Zensur verbietet. Demnach erfüllt die Presse eine öffentliche Aufgabe „dadurch, dass sie Nachrichten beschafft und verbreitet, Stellung nimmt, Kritik übt“. Nach der Maßgabe des Grundgesetzes sei es also nicht die Aufgabe von Journalisten, „eine Geschichte zu schreiben, in der steht, wie supertoll alles hier läuft“, gab Oliver Haustein-Teßmer zu bedenken.

Ihm entgegnete die Bautec-Marketingleiterin Nicole Rauer: „Sie können das aber schon ein bisschen steuern.“

Die Mitarbeiter des Medienhauses gewichten ihre Beiträge, und sie messen den Erfolg ihrer Arbeit: Das bestätigte der Chefredakteur. „Die Leute wollen exklusive Stories, und die können auch mal negativ sein“, sagte er. Drei Fragen stünden dabei im Mittelpunkt: Was wünscht das Publikum? Welches Thema betrifft möglichst viele Menschen? Was ist das Neue? Die Marktforschung der RUNDSCHAU habe klar gezeigt, dass die Leser vor allem Lokaljournalismus in ordentlicher Qualität erwarten.

Getrennte Aufgaben

Der Geschäftsführer des LR Medienverlages, Clemens Braun, betonte: „Wir haben eine klare Trennung zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung.“ Deshalb sei der Wunsch nach positivem regionalen Marketing im redaktionellen Teil der Zeitung nicht zu erfüllen. Dafür hätten die Leser auch „ein starkes Gespür“. So sei es nicht zuletzt wirtschaftlich „total unsinnig“, diese Grenzen aufzuweichen, merkte Clemens Braun an.