Der Vorwurf: Die Stadt ist orientierungslos und verhagelt Unternehmern die Arbeit.

Zu Beginn scheint sich das Wahlforum im Radisson Blu, in eine allzu gemütliche Runde zu verwandeln. Alle Parteien aus dem Cottbuser Stadtparlament haben einen Vertreter aufs Podium geschickt. Man kennt sich. Angriffe bleiben aus. Die Freundlichkeit verschwindet erst, als klare Ansagen aus dem Publikum kommen. Es entwickelt sich echte Wahlkampfstimmung vor den etwa 50 Geschäftsleuten, die der Einladung der Cottbuser Unternehmerverbände BVMW, BWA und UV Brandenburg-Berlin gefolgt sind.

Peter Thorausch vom Gemeinschaftslabor Cottbus redet sich in Rage, schimpft über Selbstgefälligkeit und ausufernde Bürokratie im Rathaus. "Ich erwarte, dass ich als Unternehmer als Partner behandelt werde und nicht eine Nummer ziehen muss", sagt er. Damit reißt der Unternehmer einen Hauptkritikpunkt dieses Abends an. Das Problem haben auch die Politiker identifiziert. So erklärt Matthias Schulze (FDP), selbst Autohaus-Besitzer: "Unternehmer blitzen ab, weil sie nicht an die richtige Stelle gekommen sind. Das muss sich ändern. Warum gibt es keinen Wegweiser im Rathaus?", fragt er und schiebt hinterher: "Die Stadt wird bislang nicht unter wirtschaftlichen Gedanken geführt, versteht sich zu wenig als Dienstleister." Ähnlich ist der Ansatz von Heiko Selka (AUB): "Cottbus hat ein Imageproblem. Es ist uncool. Dabei müssen wir den Menschen das Gefühl geben, dass sie hier alles verwirklichen können."

Dagegen erkennt Ulrich Schur (Linke) bereits gute Arbeit: "Die Stadtpolitik ist wirtschaftsfreundlich. Schauen sie nur auf die Investitionen in die Infrastruktur. Das TIP-Gelände wird jetzt für weitere 1,6 Millionen Euro weiterentwickelt. Und eine IHK-Umfrage hat gezeigt, dass 26 Prozent der Cottbuser Unternehmen sich erweitern wollen."

Werner Schaaf (SPD) weist darauf hin, dass die Entwicklungsgesellschaft EGC Unternehmensbetreuung aus einer Hand anbietet. "Wir wollen die Wirtschaftsförderung neu aufstellen. Dafür gibt es bereits einen Beschluss." Für Ralf Henkler vom BVMW zeigt die Stadt zu wenig Engagement: "Es reicht nicht, die EGC zu haben", betont er und fragt: "Warum gibt es nicht eine Verpflichtung etwa einen Bauantrag innerhalb von sechs Wochen zu beantworten, wie es andere Kommunen vormachen?" Für Autohaus-Besitzer Reinhard Schulze fehlt es der Stadt an etwas ganz anderem: "Cottbus hat keine Vision. Wir übernehmen die Führungsrolle nicht, dabei gucken alle Landkreise auf uns."

Marianne Spring, früher Frauenliste und später FDP, tritt nun als Kandidatin für die AfD zur Kommunalwahl an. Sie bestätigt: "Die Stimmung bei den Unternehmern ist katastrophal." Sie hat einen Grund dafür ausgemacht: "Mit Rot-Grün-Rot hat es keine politische Kultur gegeben." Die Blockade-Haltung der beiden großen Fraktionen von Linke und SPD/Grüne monieren auch AUB, FDP, CDU und Frauenliste. Vorstöße aus der Opposition seien oft genug daran gescheitert.

Richtig Fahrt nimmt die Diskussion beim Thema Altanschließer auf. Dabei stehen sich Opposition und die rot-grün-rote Mehrheit unerbittlich gegenüber. Hagen Strese (CDU) wirft Cottbus Maximalforderungen vor. "Warum muss der Beitragssatz für die Altanschließer bei 3,40 Euro pro Quadratmeter liegen?", fragt er und schiebt hinterher: "Es gibt andere Städte um uns herum, die das ganz anders handhaben. Cottbus hätte die Option von maximal 1,60 Euro übernehmen sollen. So wird für sozialen Unfrieden in der Stadt gesorgt." Birgit Wanta (Frauenliste) ergänzt: "Es ist doch längst erwiesen, dass die Kosten in Form von Verwaltungsgebühren auf alle umgelegt werden."

Für Hans-Joachim Weißflog (Grüne) beweist der Abend vor allem eines: "Städtische Netzwerke müssen sich wieder etablieren. Eine Aktuelle Stunde für Unternehmer vor der Stadtverordnetenversammlung wäre eine Grundlage für einen Austausch."