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Unternehmer aus SPN in Verkauf der Branitzer Gärtnerei verwickelt?

Die alte Gärtnerei in Branitz
Die alte Gärtnerei in Branitz FOTO: Jenny Theiler
Cottbus. Beim überraschenden Verkauf eines verfallenen, nicht bebaubaren Gärtnerei-Geländes am Rande der Branitzer Siedlung hat vermutlich ein Immobilienunternehmer aus dem Spree-Neiße-Kreis mitgewirkt. Das legen Unterlagen nahe, die der RUNDSCHAU vorliegen. Simone Wendler

Das gut zwölf Hektar große Gelände liegt im Außenbereich des denkmalgeschützten Branitzer Parks. Deshalb, so beteuerte die Stadt vor zwei Wochen erneut, sei eine Bebauung dort auch in Zukunft nicht möglich. Trotzdem wurde das Areal kürzlich für fast eine halbe Million Euro an die Branitz Garden GmbH mit Sitz in Berlin verkauft.

Der RUNDSCHAU liegen Hinweise darauf vor, dass von den Erwerbern auf eine Umwandlung der Fläche in Bauland spekuliert werden könnte. Würde das gelingen, lägen die Gewinne für die Käufer im Millionenbereich. Und nicht alle Beteiligten daran wollen offenbar in der Öffentlichkeit bekannt werden.

Gegründet wurde die Branitz Garden GmbH Anfang Juni. Die 25 000 Euro Stammkapital teilten sich die 28-jährige Geschäftsführerin mit Berliner Wohnanschrift und ein bayerischer Investor zu gleichen Teilen. Was dadurch auf den ersten Blick wie ein reines Geschäft auswärtiger Investoren aussieht, hat jedoch eine unübersehbare Verbindung in die Cottbuser Umgebung.

Die Gründungsurkunde der Branitz Garden GmbH wurde bei einem Cottbuser Notar unterzeichnet. Dort wurde am selben Tag auch der Kauf der Branitzer Gärtnereigeländes beurkundet. Und nicht nur das. Zusammen mit der Gründung der Firma wurden Vereinbarungen zur Übertragung von Gesellschafteranteilen an Dritte getroffen. In diesem Zusammenhang tauchen in den Vertragsunterlagen die Namen eines Unternehmers und seines Sohnes auf.

Der Vater wohnt kurz hinter der Stadtgrenze im Spree-Neiße-Kreis und betreibt einen Haus- und Immobilien-Service. Der Sohn hat dieselbe Wohnanschrift in Berlin wie die junge Geschäftsführerin der Branitz Garden GmbH. Deren Name taucht wiederum an einem Briefkasten an der Wohnanschrift des Handwerkers im Spree-Neiße-Kreis auf.

Fragen der RUNDSCHAU nach den aktuellen Eigentumsverhältnissen, nach geplanten oder vollzogenen Übertragungen von Gesellschafteranteilen lassen die Geschäftsführerin der Branitz Garden GmbH wie auch der Immobilienunternehmer aus dem Spree-Neiße-Kreis unbeantwortet.

Auch zur Frage nach Kenntnis einer Kalkulation über Kosten und Gewinnerwartung bei Umwandlung der Gärtnereifläche in Bauland geben beide keine Auskunft. Unbeantwortet blieb bisher ebenso eine Mail mit Fragen der RUNDSCHAU an den Investor aus Bayern, der die Branitz Garden GmbH mitgegründet hat.

Bisher ist der beurkundete Kauf des heruntergekommenen Branitzer Gärtnereiareals noch nicht vollzogen. Ein Hindernis dabei ist das Vorkaufsrecht der Stadt Cottbus. Nach Auskunft von Stadtsprecher Jan Gloßmann gibt es noch keine Entscheidung darüber, ob die Stadt von diesem Recht Gebrauch macht und die Fläche im Außenbereich des denkmalgeschützten Pücklerparks in die eigene Hand nimmt. Als von dem Verkauf des Geländes noch nichts bekannt war, stand der Gedanke im Raum, dass das alte Betriebsareal von der Branitz-Stiftung gekauft werden könnte, um es für das Gesamtensemble des Parks wieder zur Verfügung zu stellen.

Dann müsste die Kommune jedoch dem Verkäufer des Gärt nerei areals die etwa 400 000 Euro auf den Tisch legen, die als Kaufpreis mit der Branitz Garden GmbH vereinbart wurde. Verzichtet die Stadt darauf und überweist die Branitz Garden GmbH dann den vereinbarten Preis an den Verkäufer, ist der Eigentümerwechsel perfekt.