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Unterirdische Zeitreise im Kolkwitzer Wald

Erhard Rensch, Vereinsvorsitzender der Bunkerfreunde, zeigt auf dem Geländemodell der Anlage, die Baracke, unter der sich der Bunker versteckt.
Erhard Rensch, Vereinsvorsitzender der Bunkerfreunde, zeigt auf dem Geländemodell der Anlage, die Baracke, unter der sich der Bunker versteckt. FOTO: Daniel Steiger
Kolkwitz. Vor 50 Jahren ging der Bunker-Gefechtsstand der 1. Luftverteidigungsdivision in Dienst. Das jetzige Museum feiert ein Jubiläumsfest. Daniel Steiger

Im Kolkwitzer Wald, am Rande eines verschlafenen Gewerbegebietes, versteckt unter einer eingeschossigen Baracke liegt tief im Erdboden vergraben ein Relikt des Kalten Krieges - der Gefechtsstand der 1. Luftverteidigungsdivision der Luftstreitkräfte der Nationalen Volksarmee. In der dreigeschossigen Bunkeranlage wurde hier einst der südliche Luftraum der DDR und befreundeter Nachbarländer beobachtet und gesichert. Im Ernstfall hoffte die etwa 60 Mann starke Besatzung, in dem unterirdischen Stahlbetonbauwerk sogar einen Angriff mit Atomwaffen zu überleben. Am 7. Juli 1967 - also vor 50 Jahren - nahmen die ersten NVA-Soldaten hier ihren Dienst auf. Mittlerweile ist der Bunker im jetzigen Technologiepark Kolkwitz ein militärhistorisches Museum und der betreuende Verein will das Jubiläum mit einem Bunkerfest feiern.

Wer die zehn Betonstufen zum Bunkereingang läuft, die stählernen Türen der Eingangsschleuse passiert, glaubt sich um Jahrzehnte in der Zeit zurückversetzt. Die Zeitreise beginnt in einem Raum, in dem die Eintretenden früher auf atomare Strahlung untersucht wurden und notfalls von dieser befreit werden sollten. Geigerzähler liegen griffbereit, NVA-Uniformen zeigen ihr traditionelles Steingrau, Hinweisschilder geben knappe Kommandos zur korrekten Verhaltensweise ... Wer tiefer in die Bunkeranlage eindringt, hat teilweise den Eindruck, dass der diensthabende Soldat kurz nur zum Rauchen in die Kolkwitzer Waldluft getreten ist. Computeranlagen aus DDR-Zeiten sind funktionstüchtig, die Telefonanlage ebenso, besonders stolz sind die Vereinsmitglieder des Bunkermuseums auf die überdimensionale gläserne Luftlagekarte, die sich über zwei Geschosse des unterirdischen Bauwerkes erstreckt. Hier wurden einst per Hand alle Bewegungen im zu überwachenden Luftraum eingezeichnet.

Der authentische Zustand der Anlage ist aber keinesfalls Ergebnis guter Konservierungsarbeit, sondern akribisches Werkeln der 17 Vereinsmitglieder. Berndt Belger, der Schatzmeister der Bunkerfreunde, erinnert sich: "Unser Verein wurde erst im Jahr 2004 gegründet. Der Bunker wurde nach der Wende von der Bundeswehr übernommen und war bis 1991 im Dienst. Danach ist hier viel Mist passiert.” Von der Bundeswehr ging er in den Besitz des Bundesvermögensamtes über. Es fehlte jedoch eine Nutzungsidee für das unterirdische Betonbauwerk. Zeitweise wurden Asylbewerber in den oberirdischen Gebäuden untergebracht. Im Bunker selbst lagerte die BTU zeitweise Sprengstoffe.

Im neuen Jahrtausend taten sich vor allem ehemalige NVA-Soldaten, die einst im Bunker Dienst geschoben hatten, zusammen und gründeten den Verein der Bunkerfreunde. Mit dem Ziel, die militärhistorische Anlage für die Nachwelt zu erhalten. Doch erstmal ereilte die Freiwilligen ein Schock. Der Vereinsvorsitzende Erhard Rensch: "Wir waren entsetzt, wie schlimm es hier aussah. Es gab jede Menge Dreck und Unrat. Auf dem Boden stand das Wasser. Von den technischen Anlagen war nicht viel mehr übrig, als das, was fest mit den Wänden verbunden war.” Vieles war ausgeschlachtet, verschrottet und verkauft worden.

Eine Mammutaufgabe begann. Bereits wenige Monate nach der Vereinsgründung wurde der Bunker erstmals für Besucher geöffnet. Schon am frühen Morgen standen Hunderte Interessierte im Schneeregen eines frühen Märztages, um einen Blick in die unterirdischen Räumlichkeiten werfen zu können. Am Ende des Tages zählten die Bunkerfreunde 2100 Besucher. Ermuntert durch so viel Interesse begannen sie, viele technische Geräte und Anlagen wieder aufzutreiben, funktionstüchtig zu machen und in die Bunkerausstellung zu integrieren. Erst im vergangenen Jahr wurde beispielsweise betagte und ausgemusterte Nachrichtentechnik aus dem Kraftwerk Jänschwalde gesichert. Einmal im Monat, immer am dritten Samstag, werden vormittags Führungen durch die Bunkeranlage angeboten.

Am Samstag, 8. Juli, soll nun anlässlich des 50-jährigen Jubiläums das Bunkerfest gefeiert werden. Von 9 bis 17 Uhr gibt es Führungen, Technikpräsentationen, Gelegenheit für Fachgespräche mit Ehemaligen, für Familien mit Kindern wird eine Mal- und Bastelstraße angeboten, Sondermünzen zum Bunkerjubiläum können geprägt werden und auch das erst kürzlich von den Bunkerfreunden übernommene militärhistorische Objekt einer Richtfunkanlage in Leuthen kann besichtigt werden. Dafür gibt es am Samstag regelmäßige Shuttletransfers - wie es sich gehört natürlich auch das in historischer Fahrzeugtechnik.

www.kolkwitzerbunker.de