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| 02:33 Uhr

"Unsere Vorfahren waren wild auf Glasperlenketten"

Großes Interesse gab es beim Früh-Mittelalterfest am Wochenende in Dissen für die Herstellung von Glasperlen. Vorgeführt wurde dies von Dan und Anna Hansen aus Dänemark.
Großes Interesse gab es beim Früh-Mittelalterfest am Wochenende in Dissen für die Herstellung von Glasperlen. Vorgeführt wurde dies von Dan und Anna Hansen aus Dänemark. FOTO: Marion Hirche/jul1
Dissen. Alljährlich ist das Freilichtmuseum "Stary lud" in Dissen der Ort für ein ganz besonderes Mittelalterfest. Auch dieses Jahr trafen sich hier wieder Vertreter aus ganz Deutschland, Dänemark, Polen und Weißrussland, die sich mit der Lebensweise im frühen Mittelalter beschäftigen. Sie zeigten den zahlreichen Besuchern, wie gearbeitet, gegessen, geschlafen, getanzt, gesungen und gekämpft wurden. Marion Hirche / jul1

Anna und Dan Hansen aus Dänemark betrieben den gerade wieder aufgebauten Glasperlenofen in dem Gelände mit fünf Erdgrubenhäusern. Dan erklärte, wie der Glasperlenbrand funktioniert und Anna hatte ihre liebe Mühe mit dem Blasbalg. Hans-Jörg Otto aus Cottbus wollte wissen, wie oft bei dem Prozess Perlen zerbrochen sind. Das erklärte der dänische Gast in akzentfreiem Deutsch: "Kaputt sind schon viele Perlen gegangen, es gab oft Luftblasen, aber auch so manche zerbrochene Perle wurde als besonderes Exemplar zur Schmuckanfertigung verwendet".

Die Begleiterin des interessierten Cottbusers Simone Lehmann aus Lübbenau lobte: "Das ist eine ganz tolle Veranstaltung hier, sie ist sehr authentisch und so vielgestaltig." Stolz schwenkte sie ihre gerade für den eigenen Garten erworbenen Kräuter.

In der Nachbarschaft des Glasperlenmachers wurde Schmuck verkauft. "Unsere slawischen Vorfahren waren ganz wild auf Glasperlenketten", war von Maxie Heiner zu erfahren. Die junge Frau betreibt jetzt in den Öffnungsmonaten an ganz normalen Tagen der slawischen Mittelaltersiedlung den Glasperlenofen.

Die Freundin der "Stary lud" (Alte Leute) von Dissen schaute aber genauso interessiert auf die Ketten mit Holz- und Hornanhängern, die die Männer aus dem polnischen Gdansk mitgebracht haben. Michael Sadowski aus Gdansk führte die Herstellung von Tongefäßen mit Drehscheibe vor und Lisa Behrens ließ die Handspindel drehen. "Das Spinnrad wurde erst vor vier Jahrhunderten erfunden. Um die Jahrtausendwende hat man die Fäden so gesponnen."

Die siebenjährigen Jule, Lunas und Nico aus Cottbus staunten mit ihren Müttern nicht schlecht über diese einfache Fadengewinnung. Juliane Schwartz gehört zu den Freunden der "Alten Leute" von Dissen. Sie kommt aus Bayern, war an diesem Wochenende zum dritten Mal beim Fest dabei und zeigte allen Neugierigen die Funktionsweise des Webstuhls "Sprang".

Auch aus Deutschlands Süden kam Florian Peteranderl, der vorstellte, was man vor 1000 Jahren aus Stein gemacht hat: Fettlampen, Schleifsteine und Kochtöpfe. Wie das Leben einer Familie in einem Erdgrubenhaus aussah, das demonstrierten die drei Kolotzeis mit ihrem zehn Monate alten Sohn Jannes. Der kleine Mann freundete sich gleich mit Gustav an. Der gehörte mit seinen Eltern Ines Wolf und Florian Goroncy und seiner Schwester Matilda zu den zahlreichen Besuchern. Oma Evelin Kahle zeigte ihrer Enkelin Phoebe, wie früher gekocht wurde: über dem offenen Feuer.

Zu Essen gab es auch eine Menge. Männer und Frauen aus Dissen und Striesow sorgten für das vielseitige Angebot - von Mutsbraten bis zum leckeren Kirsch-Streuselkuchen aus dem Dorfbackofen. Mit einem Gläschen Holundersaft in der Hand genossen die Gäste die Darbietungen der Spielleute "Eygenart", vom Kiepenkasper oder verfolgten aufmerksam die frühmittelalterliche Modenschau und waren begeistert von den Demonstrationskämpfen.

"Dieses Fest ist ein echter Magnet", freute sich der CDU-Landtagsabgeordnete Michael Schierack, der in Dissen beheimatet ist. Auch die Organisatoren um Cornelius und Petra Kusch sowie Babette Zenker zeigte sich mit der Resonanz zufrieden.

Zum Fest "Rückkehr der Slawen" am Wochenende auf der Freilichtanlage "Stary lud" in Dissen kamen auch Akteure aus Polen. Sie brachten Schmuck, Haushaltsgeräte und Musikinstrumente mit, die sie aus Horn, Holz, Leder, Glasperlen und Stricken hergestellt haben.
Zum Fest "Rückkehr der Slawen" am Wochenende auf der Freilichtanlage "Stary lud" in Dissen kamen auch Akteure aus Polen. Sie brachten Schmuck, Haushaltsgeräte und Musikinstrumente mit, die sie aus Horn, Holz, Leder, Glasperlen und Stricken hergestellt haben. FOTO: jul
Gespannt lauschten die kleinen und großen Besucherdes Festes den Geschichten vom "Kiepenkasper". Mit Bildern erzählte er Episoden von mutigen Rittern und erntete dafür viel Applaus – vor allem von den jungen Zuhörern.
Gespannt lauschten die kleinen und großen Besucherdes Festes den Geschichten vom "Kiepenkasper". Mit Bildern erzählte er Episoden von mutigen Rittern und erntete dafür viel Applaus – vor allem von den jungen Zuhörern. FOTO: Marion Hirche/jul1