Von Daniel Schauff

„Wir bieten ... ein Zimmer im Stadtzentrum für unter 200 Euro“. ... „eine familiäre und internationale Atmosphäre“. ... „Studiengänge ohne Zulassungsbeschränkung“. Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) wirbt auf ihrer Internetseite fleißig um neue Studenten. Die Bewerbungsfrist für Bachelor-Studiengänge läuft Ende des Monats aus.

Für die Masterstudiengänge sollte eigentlich das nächste Semester bereits in trockenen Tüchern sein. In aller Regel endet die Bewerbungsfrist bereits zu Beginn des Septembers. Die BTU aber hat sich entschieden, weiterhin nach neuen Master-Studenten zu suchen. „Uns ist aufgefallen, dass es in vielen Studiengängen noch freie Studienplätze gibt“, sagt Matthias Koziol, Vizepräsident für Lehre und Studium. Und er schiebt hinterher: „Es ist nicht so, dass wir jetzt in Panik ausbrechen.“

Seiner Einschätzung nach liegt es nicht daran, dass Studenten nicht mehr nach Cottbus wollen. Ex-BTU-Präsident Jörg Steinbach hatte mehrfach davor gewarnt, dass nach Gewalttaten zwischen Flüchtlingen und Deutschen und anhaltenden fremdenfeindlichen Protesten des Vereins „Zukunft Heimat“ auch die Uni unter einem schlechten Image der Stadt leiden könne. Steinbach hatte aber auch immer betont, dass die Auswirkungen an der Hochschule noch nicht spürbar seien. Auch Koziol will die verlängerte Suche nach Master-Studenten und das Image von Cottbus nicht unter einen Hut stecken. Freie Studienplätze, so der Vizepräsident, seien nichts Ungewöhnliches für die BTU, auch in den vergangenen Jahren habe es immer wieder unbesetzte Studienplätze gegeben.

„Wir haben einige Prozesse jetzt verschlankt“, sagt Koziol. Master-Studiengänge kann nur belegen, wer einen Bachelor-Studiengang bereits absolviert hat. Zusätzlich müssen Bachelor-Fachbereich und Master-Fachbereich verwandt sein. Wer also einen Bachelor-Abschluss in Maschinenbau hat, kann nicht einfach einen Master-Studiengang in Architektur belegen. Geprüft wird die Eignung an der BTU – ein bislang zeitintensiver Prozess, der nun schneller über die Bühne geht, sagt Koziol. „Deshalb haben wir uns entschieden, einige Master-Studiengänge wieder zu öffnen“, so der Vizepräsident.

Konkret geht es um 30 Studiengänge, für die sich Master-Interessenten noch bewerben können. Ausgenommen sind die Studiengänge Environmental and Ressource Management, Euro Hydroinformatics and Water Management, Heritage Conservation and Site Management, Urban Design – Revitalization of Historic City Districts und World Heritage. Ebenfalls ausgenommen ist der zulassungsbeschränkte Master-Studiengang Soziale Arbeit. Koziol erklärt: Nicht für alle Zulassungen zum Master-Studium sei allein die BTU verantwortlich. So arbeite etwa auch der Dienstleister Uni-Assist für die Cottbuser und Senftenberger Hochschule und prüfe Zulassungsvoraussetzungen von Studienbewerbern.

Offen für weitere Bewerber sind derweil Master-Studiengänge aus den Fachbereichen Bauen, Gesundheit, Ingenieurwissenschaften, Kulturwissenschaften, den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), Umweltwissenschaften sowie Wirtschaftswissenschaften und damit alle Studiengänge ohne gesonderte Zugangsvoraussetzungen. Wie viele Studienplätze insgesamt noch verfügbar sind, kann Koziol aus dem Stand nicht sagen. Sicher aber ist: Wer sich für einen Studienplatz in einem Master-Studiengang interessiert und noch keine Zusage für das Wintersemester 2018/19 in der Tasche hat, hat in Cottbus und Senftenberg noch gute Karten.