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| 17:01 Uhr

Ungewöhnlicher Besuch in Cottbus
So lernt Japan von der Lausitz

 In der Kneipp-Kita müssen die Besucher mit den Kleinen Wassertreten
In der Kneipp-Kita müssen die Besucher mit den Kleinen Wassertreten FOTO: LR / Hilscher Andrea
In der Ströbitzer Fröbel-Kita lernen die Gäste den Therapiehund Hugo kennen und informieren sich über die Integrationsarbeit in der Einrichtung. Auch Wassertreten lernen sie in der Kneipp-Kita kennen. Von Andrea Hilscher

Die Vorbereitungen sind aufwendig: Über Handy lässt sich Kita-Leiterin Birgit Fabiunke einen japanischen Begrüßungssatz vorspielen, auch die Kinder der Einrichtung üben fleißig ihr „Konichiwa“. Gäste aus Japan haben sich angesagt, 15 Erzieherinnen und Erzieher wollen in der Fröbel-Integrationskita Kneipp-Piraten einen Einblick in den Stand der frühkindlichen Bildung in Cottbus gewinnen.

„Wir in Deutschland sind da schon auf einem ganz guten Stand“, sagt Fröbel-Sprecherin Beatrice Strübing. Allein im letzten Jahr haben mehrere 100 Fachkräfte aus China, Thailand, Polen, Australien, Brasilien die Austauschprogramme von Fröbel genutzt. Hauptsächlich wurden dabei Einrichtungen in Potsdam, Berlin oder Leipzig besucht. In diesen Städten betreibt der Träger Forschungskindergärten. In die Lausitz kommen die ausländischen Erzieher zum ersten Mal.

 Die japanischen Erzieher werden in der Ströbitzer Kita mit Kräutersträußen begrüßt
Die japanischen Erzieher werden in der Ströbitzer Kita mit Kräutersträußen begrüßt FOTO: LR / Hilscher Andrea

Als die Kinder sie formvollendet auf Japanisch begrüßen, sind sie entzückt. Auch Birgit Fabiunke kommt offenbar fehlerfrei durch ihre kleine japanische Ansprache, dann bekommen die Gäste von den Kindern selbst gebundene Kräutersträuße überreicht. Nicht nur der Duft von Salbei und Rosmarin macht den Japanern Freude, auch Therapiehund Hugo hat es ihnen angetan. Der Labrador ist seit zwei Jahren täglich in der Kita und hat inzwischen seine Ausbildung zum Therapiehund abgeschlossen. Jetzt wird er nach und nach in die Arbeit mit den Kindern eingebunden.

„Hugo ist dabei, wenn die Kinder Memory spielen. Sie sind plötzlich deutlich konzentrierter“, sagt Birgit Fabiunke, die mit dem Hund arbeitet. Im Umgang mit ihm lernen die Kinder, auf ihre Körperhaltung zu achten und ruhig zu sprechen. Denn nur so werden sie von Hugo beachtet. Er selbst muss sich in der Kita daran gewöhnen, auch von Kindern mit schwersten Behinderungen bekuschelt zu werden und ihre manchmal unkontrollierten Bewegungen als Streicheleinheit zu akzeptieren.

Bei den Kneipp-Piraten wird neben Sauna und Wassertreten auch auf intensive Integrationsarbeit gesetzt. Neben Regelgruppen mit je 24 Kindern werden in den vier Integrationsgruppen jeweils elf gesunde Kinder und fünf Kinder mit Einschränkungen betreut. Für diesen Aspekt interessieren sich die Japaner ebenso wie für die duale Ausbildung – in Japan ist Erzieher vorrangig ein akademischer Beruf, der Männeranteil ist höher als in Deutschland.

Auch von Fachkräftemangel und Personalproblemen erzählen ihnen die deutschen Kollegen. Gerade in der Integrationsarbeit gebe es in Cottbus große Probleme, sagt Cornelia Klett, die Fröbel-Chefin der 16 Lausitzer Einrichtungen. Durch die Kopplung aus einem suboptimalen Betreuungsschlüssel in Brandenburg und überdurchschnittlich langen Betreuungszeiten in Cottbus ergebe sich in der Stadt eine Kinderzahl pro Erzieher, die nirgendwo so ungünstig sei wie in Cottbus. Der Streit um die Ausfinanzierung der sogenannten dritten Betreuungsstufe beschäftigt inzwischen die Gerichte, die Kommunen und die Landesregierung.

In Japan, so erzählten die Gäste, gebe es gerade für die Integrationsarbeit spezielle Therapeuten und Psychologen, die über den üblichen Betreuungsschlüssel hinaus eingesetzt werden. In Japan ist der Besuch der Kita ab dem dritten Lebensjahr beitragsfrei.