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| 19:33 Uhr

Stadtentwicklung
Ungewisse Zukunft für das Tip-Gelände

Das Tip-Gelände schläft seit Jahren einen Dornröschenschlaf.
Das Tip-Gelände schläft seit Jahren einen Dornröschenschlaf. FOTO: LR / Hilscher Andrea
Cottbus. Eine der größten Gewerbeflächen des Landes liegt seit Jahren nahezu brach. Seine Entwicklung kostet Millionen.

Hinter vorgehaltener Hand wird im Rathaus beim Thema Tip-Gelände nicht mit Häme gespart: Die gigantische Gewerbefläche im Cottbuser Norden sei von vornherein eine Totgeburt gewesen, das Interesse von Unternehmern gering, die Folgekosten für die Stadt dagegen enorm. Zehn Millionen Euro wurden bereits in die Erschließung investiert. Würde die komplette Fläche des Tip entwickelt, würden allein für die gesetzlich vorgeschriebenen naturschutzfachlichen Maßnahmen rund vier Millionen Euro an Kosten auflaufen.

Aktuell muss die Stadt 320 000 Euro investieren, um überhaupt Ansiedlungsbegehren bedienen zu können. Tina Reiche, Geschäftsführerin der Entwicklungsgesellschaft Cottbus, erklärt: „Dabei handelt es sich um sogenannte vorgezogene Naturschutzmaßnahmen.“ Das Tip-Gelände hat eine Gesamtfläche von 352 Hektar (Geltungsbereich des Bebauungsplans), eine der größten Gewerbeflächen des Landes Brandenburg. Enthalten sind die Flächen des vorhandenen Solarparks sowie Flächen für Grünordnungsmaßnahmen und bereits angesiedelte Unternehmen. Nach Auskunft der EGC stehen derzeit rund 150 Hektar Fläche für eine gewerbliche und industrielle Entwicklung zur Verfügung.

Wer genau sich auf diesen Flächen ansiedeln könnte, ist auch acht Jahre nach der Tip-Eröffnung ein ungelöstes Rätsel. Nach Auskunft von Tina Reiche hat sich die Zahl der Anfragen in den vergangenen Monaten erhöht, auch von Seiten der Wirtschaftsförderung des Landes werden immer wieder Interessenten nach Cottbus verwiesen. „Diese Anfragen sind allerdings meist anonym, und wenn aus angedachten Projekten nichts wird, erfahren wir leider oft genug den Grund dafür nicht.“

Tina Reiche hat die EGC vor einem guten halben Jahr übernommen, braucht nach eigenen Worten noch einige Zeit, um die Firma so aufzustellen, dass sie ihre Arbeit optimal erledigen kann. „Eine große Herausforderung, aber wir sind auf einem guten Weg.“

Ihr Team ist mit einer Vielzahl von Projekten beschäftigt. „Eine Erfolgsquote von zehn Prozent ist in der Projektentwicklung schon sehr gut“, so Tina Reiche. Für das Tip-Gelände und die anderen Gewerbeflächen der Stadt werde derzeit  analysiert, für welche Interessenten und Branchen sich die Areale eignen, wo eine Entwicklung lohnt und welche Flächen eventuell aufgegeben und für Wohnbebauung freigegeben werden. „An welcher Stelle es im Stadtgebiet zu Veränderungen kommen könnte oder nicht, lässt sich jetzt noch nicht sagen und wird Ergebnis des jetzt begonnenen Analyseverfahrens sein.“

Für die Stadtverordneten nichts Neues: Schon 2015 hatten sie gemeinsam mit Bürgermeisterin Marietta Tzschoppe (SPD) von Reiches Vorgänger eine derartige Analyse verlangt. Jörg Schnapke (CDU) hatte schon vor drei Jahren gesagt: „Wir müssen prüfen, ob es Sinn macht, eventuell Wohnbebauung statt Gewerbe zuzulassen.“ Mit dem Geld, was sich aus Grundstücksverkäufen verdienen lasse, könne man dann andere Gewerbeflächen gezielter entwickeln und vermarkten.

In einigen Monaten soll  das Gewerbeflächenentwicklungskonzept angepasst werden. „Das Tip-Gelände kann  nicht isoliert“, sondern muss im städtischen Entwicklungskontext betrachtet werden  so Reiche. In Cottbus sei es, im Gegensatz zum Berliner Speckgürtel schwierig, aber nicht unmöglich, Flächen zu vermarkten. Branchen, die bisher in der Region aufgrund fehlender Wertschöpfungsketten nicht Fuß gefasst haben, könne man schwer überzeugen. Sinnvoller sei es, auf gewachsene Strukturen aufzubauen und diese zu erweitern. „Energie- und Kreislaufwirtschaft, IKT und Gesundheitswirtschaft mit Cottbus als Dienstleistungs- und Bildungs- und Forschungsstandort sind Potenziale, die wir auch unter Einbindung des Landkreises, insbesondere bei industrieaffinen Ansiedlungen nutzen werden.“

(hil)