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Unfall mit Agyptischer Studentin war nicht zu verhindern

An der Haltestelle auf der Berliner Straße vor der Stadthalle ereignete sich das Unglück.
An der Haltestelle auf der Berliner Straße vor der Stadthalle ereignete sich das Unglück. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Das Gutachten zum Unglück, in dessen Folge eine ägyptischen Studentin starb, liegt vor. Demnach war das Auto zwar zu schnell, der Fahrer konnte das Unglück aber nicht abwenden. Peggy Kompalla

Nach dem tragischen Unfalltod einer ägyptischen Studentin am Karsamstag vor der Stadthalle in Cottbus ist nun klar, dass der Autofahrer das Unglück selbst dann nicht hätte verhindern können, wenn er sich an die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h gehalten hätte. Das erklärt der Cottbuser Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon. Zu dem Schluss kommt das Dekra-Gutachten, das nun vorliegt.

Die Staatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben. "Das soll klären, ob die Verletzungen auch dann so gravierend ausgefallen wären, wenn sich der Unfallverursacher an die Höchstgeschwindigkeit gehalten hätte", so Bantleon. Das Auto war zu schnell unterwegs. Mit welcher Geschwindigkeit der junge Fahrer seinen Wagen tatsächlich die Berliner Straße entlang steuerte, konnte der Staatsanwalt jedoch nicht sagen.

Die weiterführende Untersuchung werde noch einmal zwei bis drei Monate in Anspruch nehmen, kündigt Bantleon an. Erst dann entscheidet die Staatsanwaltschaft darüber, ob Anklage gegen den Autofahrer erhoben wird.

Das Unglück hat sich am frühen Morgen des 15. April gegen 0.30 Uhr an der Straßenbahnhaltestelle vor der Stadthalle ereignet. Dort hatte sich die 22 Jahre alte Studentin der Polizei zufolge mit zwei Freunden unter eine Gruppe von Wartenden gemischt und trat plötzlich auf die Straße. Genau in dem Moment kam das Auto und erfasste sie. Die junge Frau erlag wenige Tage später ihren schweren Verletzungen.

Der 20 Jahre alte Autofahrer war laut Polizei zum Zeitpunkt des Unfalls nüchtern. Die Überprüfung des Blutalkohols ergab 0,0 Promille. Es sollen auch keine anderen Drogen im Spiel gewesen sein.

Der Unfall hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Ausgelöst wurden sie durch einen Bericht in der RUNDSCHAU. In dem schildert eine Zeugin, dass das schwer verletzte Unfallopfer von Umstehenden angeblich rassistisch verhöhnt wurde. Aus diesem Grund ermittelt die Staatsanwaltschaft auch wegen Volksverhetzung und Beleidigung gegen Unbekannt. Diese Untersuchungen sind nach Auskunft der Ermittlungsbehörde noch nicht abgeschlossen. Es seien noch nicht alle Zeugen gehört worden.

In der Wiedergabe der Ereignisse in Cottbus wurde im Zusammenhang mit den mutmaßlich rassistischen Äußerungen in einigen Medien aus dem tragischen Unfall plötzlich ein Hassverbrechen, unter anderem auch in einer englischsprachigen ägyptischen Internetzeitung. Aufgrund dieser falschen Berichte sah sich die Heimatuniversität der verunglückten Studentin veranlasst, zu reagieren. Elf Kommilitonen der German University of Cairo (GUC) mussten daraufhin ihren Wohnort von Cottbus nach Berlin verlegen. BTU-Präsident Professor Jörg Steinbach war unglücklich über diese Entscheidung, erklärte aber: "Die Studenten werden nach wie vor bei uns unterrichtet." An der BTU Cottbus-Senftenberg lernen derzeit 44 Studenten aus Ägypten, insgesamt zählt die Universität nach eigenen Angaben rund 1800 ausländische Studierende.

Zum Thema:
Die Haltestelle auf der Berliner Straße ist aus Sicht der Stadt Cottbus kein Unfallschwerpunkt. Nach Auskunft der Straßenverkehrsbehörde ist der tödliche Unfall ein tragischer Einzelfall. Demnach wurden auf der Berliner Straße zwischen Bahnhofstraße und Berliner Platz in den vergangenen fünf Jahren 27 Unfälle gezählt. Das macht im Schnitt fünf im Jahr. Kein einziger davon ereignete sich demnach an der 72 Meter langen Haltestelle, sondern an den Parkplätzen vor der Sparkasse und in Fahrtrichtung Altmarkt an der Kreuzung mit der Straßenbahntrasse. Rund um die Haltestelle gelten 30 km/h.