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Und wieder ein Kampf ums Geld

Der Landesrechnungshof hat wieder einige Steuergeldverschwendungen entlarvt.
Der Landesrechnungshof hat wieder einige Steuergeldverschwendungen entlarvt. FOTO: Daniel Reinhardt (dpa)
Cottbus. Die Stadt gibt im kommenden Jahr rund zwei Millionen Euro für Jugendprojekte aus. Doch wer bekommt was? Die Stadtverordneten suchen ein gerechtes Verteilungsmodell. Andrea Hilscher

Es ist die bekannte Geschichte von der Tischdecke: Ist sie zu klein, kann man ziehen, wo man will - den ganzen Tisch wird man nie damit abdecken. Ähnlich aussichtslos ist das aktuelle Ringen der Stadtverordneten um eine möglichst gerechte Verteilung von Geldern im Jugendförderplan 2018: Insgesamt 27 Projekte haben Unterstützung beantragt, 2,172 Millionen Euro stellt die Stadt zur Verfügung. Von diesem Geld sollen möglichst alle fünf festgelegten Planungsräume in der Stadt - die Mitte, der Norden, Süden, Osten und Westen - gleichmäßig und dem Bedarf entsprechend versorgt werden. Beantragt wurden für die 27 Projekte insgesamt knapp 2,7 Millionen Euro. Eine Versorgungslücke von rund 500 000 Euro ist also vorprogrammiert.

Das Jugendamt hat den Mitgliedern des Unterausschusses Jugendhilfeplanung jetzt einen Vorschlag gemacht, wie die zur Verfügung stehenden 2,17 Millionen verteilt werden können. Demnach bekommen rund die Hälfte der Projektträger die Summen, die sie beantragt haben. André Schneider, Leiter des Jugendamtes: "Uns war es wichtig, einen Akzent auf den Bereich Streetwork und mobile Angebote zu setzen." Die aktuelle Situation im Bereich Stadthallenvorplatz und Puschkinpark zeige, wie wichtig derartige Angebote seien. Auch die Finanzierung von drei zusätzlichen Schulsozialarbeitern stehe außer Frage. "Der Bedarf ist da, in diesem Bereich müssen wir handeln", so Schneider.

Einige Projekte müssen sich 2018 laut Plan mit den Geldern begnügen, die sie auch 2017 zur Verfügung haben - was nach Aussage von Gudrun Breitschuh-Wiehe (Bündnis 90/Grüne) gleichbedeutend mit einer Kürzung von Leistungen ist. "Die freien Träger müssen schließlich Tarifsteigerungen einkalkulieren."

Gern hätte das Jugendamt Projekte in Sandow unterstützt. André Schneider: "Durch den hohen Zuzug sehen wir hier einen erhöhten Bedarf." Leider aber seien gerade aus diesem Stadtteil gar keine Anträge gestellt worden.

Der Deutsch-Polnische Verein soll nach aktueller Planung nur noch 42 000 statt bisher knapp 84 000 Euro von der Stadt bekommen. Das Fan-Projekt soll drastisch gekürzt werden, statt bisher 105 000 stehen nur noch 40 000 Euro im Jugendförderplan - hier gebe es laut Jugendamt genügend Drittmittel.

Ganz leer gehen derzeit der Schmelle-Regional Treff der Regionalwerkstatt und der betreute Spielplatz Rabauki vom SOS Kinderdorf in Sachsendorf aus. Für den Spielplatz will Kinderdorf-Chefin Claudia Trojan kämpfen. "Er ist gut besucht, gerade wurden Fördermittel in den Platz investiert." Auch das Projekt der Regionalwerkstatt soll nach dem Willen der Stadtverordneten nicht sang- und klanglos untergehen. Robert Amat Kreft (AUB/SUB) machte den Vorschlag, allen übrigen Projekten 5000 Euro zu streichen und mit dem eingesparten Geld den Schmelle-Treff zu unterstützen. Schnell aber wurde klar, dass dieses Rasenmäherprinzip ungerecht und wenig praktikabel ist - Projekte in Sielow oder Dissenchen bekommen ohnehin nur wenige Tausend Euro. Gudrun Breitschuh-Wiehe: "Gerechter wäre es, wenn alle Projekte, die mehr als 10 000 Euro bekommen, einen prozentualen Anteil abgeben." Das Jugendamt soll nun entsprechende Vorschläge ausarbeiten.

Da aber auch mit dieser Umverteilung nicht alle Bedarfsfälle abgedeckt werden, einigten sich die Mitglieder des Unterausschusses Jugendhilfeplanung darauf, 200 000 Euro zusätzliche Mittel für den Jugendförderplan 2018 zu beantragen.