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Und ab durch den Kamin

Christoph Malcherowitz vom Historischen Verein zu Peitz ließ sich Dank der Unterstützung durch zwei Kameraden von der Leag-Werksfeuerwehr in den Schornstein zur Küche im Peitzer Festungsturm abseilen.
Christoph Malcherowitz vom Historischen Verein zu Peitz ließ sich Dank der Unterstützung durch zwei Kameraden von der Leag-Werksfeuerwehr in den Schornstein zur Küche im Peitzer Festungsturm abseilen. FOTO: Hirche/jul1
Peitz. Mitglieder des Historischen Vereins zu Peitz untersuchen in einer spektakulären Aktion die Geschichte des Festungsschornsteins. Marion Hirche / jul1

In Amerika bringt Santa Claus die Weihnachtsgeschenke in der Weihnachtsnacht durch den Schornstein. Ein bisschen wie Santa Claus werden sich diese Woche auch Christoph Malcherowitz und Uwe Ackermann gefühlt haben. Der Vorsitzende und der Schatzmeister des Historischen Vereins zu Peitz sind durch den Schornstein geklettert, genauer durch den Schornstein zur Küche des Peitzer Festungsturmes. "Wir haben schon vor mehr als zehn Jahren am Grund des Turmes Entdeckungen gemacht. Der Turm ist der älteste Teil der Peitzer Burganlage, die schon vor 1301 hier gestanden haben muss. Hier haben wir eine mittelalterliche Abfallgrube in der alten Küche gefunden. Zu den Fundstücken gehörten Aquamanile, Gefäße in Igelform, die man im Mittelalter als Trinkgefäße an Tafeln genutzt hat. Deshalb haben wir bereits vor mehr als zwei Jahren beschlossen, das Schornsteininnere zu untersuchen, um vielleicht noch weitere Erkenntnisse über den Festungsbau und die Festungsturmgeschichte zu gewinnen", erklärte Christoph Malcherowitz die Abseilaktion am Wochenanfang.

Dank der Unterstützung durch zwei Kameraden der Leag-Werksfeuerwehr wurde das lang geplante Vorhaben nun Wirklichkeit. Dieter Zech und Tobias Gohlke sind ausgebildete Höhenretter. Sie haben nach der Ausbildung zum Feuerwehrmann durch intensive Lehrgänge und Schulungen die Berechtigung zu dieser Spezialaufgabe im Rahmen der Feuerwehrtätigkeit bekommen. Während ihres dreischichtigen Arbeitseinsatzes im Kraftwerk erfüllen sie öfter Tätigkeiten in großer Höhe, beispielsweise an der Rauchgasentschwefelungsanlage. Die Sponsoraktion für die Peitzer Historiker war für die beiden Männer aber auch etwas Besonderes. Mit den entsprechenden Sicherungen versehen ließen sie zuerst Christoph Malcherowitz in den etwa 20 Meter langen Schornstein hinab. "Ich habe ihnen hier einen Helm mitgebracht, der zusätzliches Licht hat. Hier können sie also auch im Schacht alles gut sehen", erklärte Dieter Zech und setzte damit auch den wichtigen gelben Schutzhelm auf den Kopf des Peitzers. Dann ging's abwärts in den oben etwa 80 mal 60 Zentimeter großen Schacht. Auf einem Brett sitzend schaute sich Christoph Malcherowitz die geschichtsträchtigen Wände an und fotografierte, entdeckte ein altes zugemauertes gotisches Fenster und Stellen, wo Balken gewesen sind. "Deutlich sichtbar sind die Bauabschnitte, im oberen Teil ist viel Ruß, der stromlinienförmig verläuft. Im unteren Teil ist der Schacht verputzt. Hier ist ein großer Riss zu sehen. Interessant ist auch, dass der parallel zum Schornstein befindliche Lichtschacht oben zugemauert ist", resümierte der mutige Historiker. Sein Vereinskollege Uwe Ackermann untersuchte bei seiner Abseilung den hinter dem Fenster vermuteten Hohlraum.

Die Aktion wurde von weiteren Vereinsmitgliedern verfolgt. Der stellvertretende Vorsitzende An-dreas Pfennig verwies während der Seiltour, dass der Turm unterschiedliche Nutzungen hatte: "Die Turmspitze ist erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufgesetzt worden, denn der Schornsteinschacht beginnt jetzt ja im dritten Stock im Innern. Der Keller war mit Schutt gefüllt. Darüber stand anfangs des 19. Jahrhunderts die Peitzer Ratswaage und später der Peitzer Leichenwagen."

Jetzt ist der gesamte Schutt aus dem Keller raus und zum Weihnachtsmarkt wird dieser als Weihnachtsgaststube genutzt. "Hier unten gibt es aber noch mehr zu entdecken, wir werden dem Geheimnis dieses ältesten Teils der Festung noch weiter auf der Spur sein", versprach Dieter Domann. Jetzt werden erst einmal die Fotos vom Schornsteininneren ausgewertet.