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| 01:05 Uhr

„Unbedingt die Abrechnung des Vermieters prüfen“

Die Modernisierung von Wohnungen – immer wieder gerät sie zum Streitfall zwischen Mieter und Vermieter. Jüngstes Beispiel: eine Familie aus der Ottilienstraße, die sich gegen Mängel beim Umbau ihrer Wohnung wehrt (die RUNDSCHAU berichtete). Im RUNDSCHAU-Interview spricht der Jurist des Cottbuser Mieterbundes über den Ärger, den eine Modernisierung mit sich bringen kann – und wie man sich dagegen wappnet. Foto: Jürgen Kaffka


Zuerst zu den Grundlagen: Was ist eine Modernisierung„
Typischer Fall: der Einbau einer massiven Wohnungstür an Stelle der in der DDR üblichen Papptüren, auch Wabentüren genannt. Der Anbau eines Balkons. Oder die Umstellung von Ofenheizung auf Fernheizung. Alles das stellt eine erhebliche Wohnwertverbesserung dar.

Und die Fälle, in denen sich die vermeintliche Modernisierung als Mogelpackung entpuppt“
Gern zählen Vermieter Dinge auf wie den Einbau von Kunststofffenstern an Stelle von Holzfenstern, den Austausch von Gasherden gegen Elektroherde oder den Einbau neuer Toilettenbecken. Hier handelt es sich nicht um eine Modernisierung, sondern um eine Instandsetzung.

Die Konsequenz für den Mieter„
Er muss unbedingt seine Modernisierungsabrechnung gewissenhaft prüfen. Ich kenne mehrere Fälle, in denen der Mieter aus solchen Gründen die Abrechnung abgelehnt hat.

Bestimmt behalten sich die Vermieter nach solchen Reaktionen rechtliche Schritte vor.
Bis jetzt kam es meines Wissens nach in Cottbus noch nicht zum Rechtsstreit in solchen Fällen. Zwar wünsche ich mir nicht, dass er auf den Schultern der Mieter ausgetragen wird, doch wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen: Ich würde einem Rechtsstreit mit Interesse entgegenblicken. Schon allein, weil es im Ergebnis für beide Seiten mehr Rechtssicherheit gibt.

Kritik äußert der Mieterbund ja auch am Vorgehen des Vermieters bei der Modernisierung von Wohnungen in der Ottilienstraße. Was werfen Sie der „Wohnungsbaugenossenschaft Demianiplatz“ im Detail vor“
Dieses Thema ist tatsächlich noch nicht bis zum Ende ausgefochten. Der Vermieter verschleppt die Modernisierung, beim Umbau treten Mängel auf - und mittlerweile sind mir weitere Ungereimtheiten aus der Ottilienstraße und der Theodor-Brugsch-Straße bekannt: So hat der Eigentümer keine ausdrückliche Modernisierungsankündigung erlassen. Dabei hätte er das laut Gesetz mindestens drei Monate vor dem Beginn tun müssen. Und zwar so, dass die Mieter schriftlich über Umfang, Beginn und Ende sowie künftige Höhe der Miete informiert werden. So kann es nicht sein, dass der Vermieter später erklärt, er habe nie mitgeteilt, wie lange die Modernisierung dauert.

Ihre Vorwürfe gehen weiter.
Stimmt. Zwischen einer ordnungsgemäßen Modernisierungsabrechnung und der Fälligkeit der neuen Miete muss wiederum eine Frist von drei Monaten liegen. Auch diese Frist hielt der Vermieter nicht ein. Oft hat er die Miete schon einen Monat später erhöht.

Die Reaktion der „Wohnungsbaugenossenschaft Demianiplatz“ auf Ihre Einwände?
Bisher habe ich ein paar Mal mit den zuständigen Mitarbeitern gesprochen, aber nichts hat sich getan. In diesem Zusammenhang will ich ausnahmsweise einen Cottbuser Vermieter positiv erwähnen: Immerhin beobachten wir seitens der Gebäudewirtschaft Cottbus ein kooperatives Verhalten. Dieses Unternehmen trifft mittlerweile in vielen Fällen individuelle, auf den jeweiligen Mieter abgestimmte Vereinbarungen, auf die er sich dann auch einlassen kann.

Mit Hans-Joachim Kersten sprach René Wappler

Service Cottbuser Mieterbund
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Telefon: 0355 70 22 04.
Fax 0355 70 30 33.
Mitgliedsbeitrag: 60 Euro jährlich, bei Bedarf gibt es einen zusätzlichen Rechtsschutz für 18 Euro im Jahr.
Öffnungszeiten: Montag von 13 bis 16 Uhr, Dienstag und Mittwoch 9 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr, Donnerstag 9 bis 12 Uhr und 13 bis 18 Uhr.