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| 17:17 Uhr

Umwelt
Der Cottbuser Müllberg wächst

Cottbus. Obwohl die Einwohner pro Kopf weniger Abfall produzieren, steigt die Gesamtmüllmenge leicht an. Die Stadt setzt künftig auf wiederverwendbares Geschirr bei Großveranstaltungen. Von Andrea Hilscher

Sybille Schneider, Leiterin des Amtes für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung, stellt den Cottbusern für 2017 ein solides Zeugnis in Sachen Müllverhalten aus. Die Gesamtmenge an Müll, die jeder Einwohner im vergangenen Jahr fabriziert hat, liegt bei 429 Kilogramm. 2016 lag dieser Wert bei 430 Kilo, im Jahr davor bei 425 Kilo. Die Cottbuser haben also pro Kopf weniger Müll produziert.

„Die Schwankungen liegen aber durchaus im üblichen Bereich“, sagt Sybille Schneider, die vor allem mit dem Trennungsverhalten der Cottbuser ausgesprochen zufrieden ist. So landeten in Cottbus wenige Schadstoffe wie etwa Farben, Lacke oder Batterien im Hausmüll. „Besonders sorgfältig werden Papier und Glas getrennt, bei der Gelben Tonne gibt es noch Luft nach oben“, sagt Sybille Schneider. Die einfache Regel: „Alles, was Verpackung ist und nicht aus Glas oder Papier hergestellt wird, kommt in die Gelbe Tonne, der Rest ist Hausmüll.“

In die graue Tonne hat jeder Einwohner im vergangenen Jahr 207 Kilogramm Abfall geworfen, knapp fünf Kilo weniger als noch im Vorjahr. Gestiegen sind dafür andere Positionen wie etwa der Sperrmüll von 3750 auf 4127 Tonnen (plus 3,4 Kilo pro Einwohner). Sybille Schneider: „Woher dieser Anstieg kommt, wissen wir nicht genau. Vielleicht hat er mit Lebenszyklen zu tun, vielleicht auch nur mit Technikwechseln oder neuen Trends.“ Teerpappe und asbesthaltige Baustoffe sind ebenfalls gestiegen (plus 0,3 Kilo pro Einwohner).

Schwankungen hat es auch im Bereich des Grünschnitts gegeben, hier ist die Gesamtmenge von 7530 auf 7564 Tonnen gestiegen. „Es war ein nasses Jahr, da ist viel gewachsen“, so die Fachbereichsleiterin. Die nächste Abfallbilanz wird hier voraussichtlich ein Minus aufweisen – im trockenen Sommer 2018 ist kaum etwas gewachsen, das weggeschnitten werden müsste.

Völlig auf Null gesunken ist übrigens die Zahl der über die Umladestation Cottbus entsorgten Buchsbäume. Die Schäden, die der gefürchtete Buchsbaumzünsler angerichtet hat, sorgten im zurückliegenden Jahr für über fünf Tonnen entsorgte Buchsbäume.

Spannend, so die Einschätzung der Müllexperten, wird die Neuregelung des Bereiches Elektroschrott. Denn seit dem 1. August gehören auch Fernsehsessel (Motor!), Schrankwände mit LED-Leiste (Elektro!) und selbst blinkende Kinderschuhe in den Elektroschrott. „Wenig praxisnah“ findet das Sybille Schneider. Denn wie solle eine Seniorin ihren Fernsehsessel auseinander bauen, um Elektro- von Sperrmüll zu trennen? Andererseits müssen die Entsorger beim Abholen des Mülls auf strikte Einhaltung der Gesetze achten. Also lassen die den „elektrischen“ Sperrmüll am Straßenrand als E-Schott abholen und melden diesen zuvor separat unter Telefon 0355/7508-700 an.

Die Gesamtmenge des Mülls der an die Abfallentsorgung angeschlossenen Grundstücke ist von 42 835 Tonnen auf 43 143 Tonnen gestiegen – wegen der ebenfalls gestiegenen Einwohnerzahlen von 99 687 auf 100 637.

Die Gesamtmenge könnte sich, wenn es nach dem Willen der Stadtverordneten geht, im kommenden Jahr zumindest leicht verringern: Die Großveranstaltungen in der City sollen Schritt für Schritt von Wegwerf-Plaste auf wiederverwendbares Geschirr umgestellt werden. „Wir suchen noch nach den besten Lösungen für die Reinigung des anfallenden Geschirrs“, sagt Sybille Schneider. Zudem müsse noch fleißig gerechnet werden, denn letztlich sollen die Verbraucherpreise durch die geplanten Veränderungen nicht zu stark ansteigen. Ebenfalls noch nicht ganz geklärt ist das weitere Vorgehen bei der Nutzung von „Coffe-to-go“-Bechern. Die Stadt will – auf Anregung der BUND-Jugend – Cafés dazu bringen, auf Pfand- oder Mehrwegbecher zu setzen. Das alles, so Sybille Schneider, werde sich gewichtsmäßig nicht allzu sehr auswirken – Becher und Pappteller sind leicht. Für die Umwelt sei damit aber allemal ein wichtiger Beitrag zu leisten.