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| 17:50 Uhr

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Umtausch-Ärger bei Kaufland

Cottbus. Das Handelsunternehmen will defekte Produkte nur drei Monate nach dem Kauf zurücknehmen. Verbraucherschützer widersprechen. Von Peggy Kompalla

Dagmar Unger hat sich in Cottbus bei Kaufland im Juni für 34,99 Euro ein Internetradio gekauft. Knapp fünf Monate später funktioniert es nicht mehr. Doch das Handelsunternehmen will das defekte Gerät nicht ohne Weiteres zurücknehmen. Stattdessen solle sich die Kundin selbst mit dem Hersteller auseinandersetzen. Das will die Cottbuserin nicht hinnehmen. Die Juristen der Verbraucherzentrale geben ihr recht.

Wolfgang Baumgarten von der Cottbuser Verbraucherzentrale betont: „Grundsätzlich hat jeder Käufer das Recht auf ein mangelfreies Produkt.“ Dafür gibt es eine gesetzlich festgelegte Gewährleistungszeit von zwei Jahren, die sich nochmals aufgliedert. „Geht ein Produkt innerhalb der ersten sechs Monate kaputt, wird davon ausgegangen, dass entweder der Hersteller oder Verkäufer den Mangel zu verschulden hat. Die Beweislast liegt beim Verkäufer“, erklärt Baumgarten. Das wäre bei dem defekten Radio von Dagmar Unger der Fall. In den restlichen 18 Monaten der Gewährleistungszeit liege die Beweislast beim Kunden.

Das weiß auch Dagmar Unger, weshalb sie sich über das Prozedere von Kaufland sehr wundert. Das Handelsunternehmen wollte das defekte Radio nicht zurücknehmen, da bereits drei Monate seit dem Kauf verstrichen sind. Kaufland-Sprecherin Andrea Kübler erklärt: „Die vertragliche Garantie für Elektrogeräte beträgt bei uns drei Jahre. Elektrogeräte nehmen wir gegen Vorlage des Kassenbons innerhalb von drei Monaten zurück. Die gesetzliche Gewährleistung bleibt hiervon unberührt.“ Aber genau Letztere greift und nicht die Garantie, betont Verbraucherschützer Baumgarten und stärkt damit die Auffassung von Dagmar Unger.

Darüber hinaus erklärt Baumgarten: „Der Kunde muss keinesfalls das Gerät an den Hersteller schicken. Das ist die Aufgabe des Verkäufers.“ Denn wenn ein Vertrag eingegangen werde, dann gelte dieser grundsätzlich nur zwischen den Vertragspartnern. „In dem Fall also zwischen Käufer und Verkäufer – und nicht mit dem Hersteller.“ Der Verkäufer könne sich der Hilfe eines Dritten – also etwa in diesem Fall einer Werkstatt – bedienen. Die Reparatur oder der Ersatz des Produktes bleibe aber Aufgabe des Händlers.

Das sieht auch Dagmar Unger so. Sie betont ihr Erstaunen beim Umgang mit ihrem Fall, zumal sie mit dem Unternehmen bislang bessere Erfahrungen gemacht habe.