Von René Wappler

Der Sinn mancher Liedtexte bleibt dem Hörer verborgen. Doch damit will sich ein Cottbuser Stadtverordneter nicht abfinden. Das CDU-Mitglied Dr. Helmut Schmidt interessiert sich für den Inhalt der sorbischen Hymne. Bei einer Tagung im Stadthaus  sprachen Politiker miteinander darüber, wie die Stadt die sorbisch/wendische Kultur fördern will. Dabei ging es auch um die Symbolik der Hymne.

Helmut Schmidt wandte sich an die Beauftragte für sorbisch/wendische Angelegenheiten. „Wo kriege ich denn die Hymne her, damit ich weiß, was dort gesungen wird?“

Anna Kossatz-Kosel antwortete: „In vielen Liederbüchern, auf CD und im Internet.“ Sie zitierte aus der Hymne, deren Übersetzung beginnt: „Lausitz, schönes Land. . .“

Sofort folgte ein Zwischenruf: „Nein, bitte mal singen!“

Auch die Verkehrszeichen im sorbischen Siedlungsgebiet sollen künftig beide Sprachen gleichermaßen würdigen und das gegenseitige Verständnis fördern. Doch Kritiker fürchten, dass das Gegenteil eintreten könnte. So stehen auf neuen Schildern die Namen der Orte in identischer Größe auf Deutsch und Sorbisch. Ein Erlass des brandenburgischen Infrastrukturministeriums besagt, die Regel sei „zwingend“ zu übernehmen.

Nun befasst sich die Bundesregierung mit dem Erlass. In einer Antwort an die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen geben die Fachleute zu bedenken: Sobald die Zeichen an den Autobahnen zweisprachige Zielangaben enthalten, verdoppelt sich die Zahl der Informationen, die der Fahrer aufnehmen muss. Damit bestehe die Gefahr, dass er sich ablenken lässt.

Die Bundesregierung zitiert aus einem Feldversuch. Demnach kann ein Autofahrer ein Verkehrszeichen vier bis fünf Sekunden lang lesen, ohne dass seine Konzentration auf den Verkehr leidet. Alles, was darüber hinausgeht, gilt bereits als Risiko. So lautet das Ergebnis einer Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen.

Ein weiterer Aspekt stützt die Skepsis von Kritikern in den zuständigen Behörden der Lausitz, die sich allerdings nicht öffentlich gegen den zwingenden Erlass des brandenburgischen Ministeriums aussprechen wollen. Mit jeder zusätzlichen Information wächst die benötigte Größe der Schildfläche, wie die Bundesregierung anmerkt. Das bedeutet: Die Wegweiser brauchen eine stabilere Statik, falls Wind oder gar Sturm an ihnen zerren. Damit steigen jedoch auch die Kosten.

Eine Arbeitsgruppe mit Fachleuten aus den Bundesländern untersucht derzeit die Richtlinien für Schilder auf Autobahnen. So könnte der Erlass des Infrastrukturministeriums dazu beitragen, dass diese Richtlinien mit dem offiziellen Namen RWBA geändert werden.  Sie legen fest, welche Schriftgröße für Verkehrszeichen gilt. Bei einem zulässigen Tempo von mehr als 120 Kilometern pro Stunde weisen die Schilder eine Schriftgröße von 280 Millimetern auf. Zum Vergleich: Liegt die Höchstgeschwindigkeit für Autofahrer bei 60 bis 70 Kilometern pro Stunde, ist die Schrift auf den Verkehrszeichen nur halb so groß.

Schon die Bundesregierung aus Sozialdemokraten und Grünen im Jahr 2004 vertrat einen klaren Standpunkt. „Eine zweisprachige Ausschilderung“ sei  „grundsätzlich problematisch“, teilte sie damals auf eine Anfrage von Abgeordneten der CDU/CSU mit. So bestehe die Gefahr, „dass der Fahrer durch die Fülle der Informationen überfordert wird“. Zudem sei von zusätzlichen Kosten um die zwei Millionen Euro für neue zweisprachige Schilder an den Autobahnen in der Lausitz auszugehen, teilte die Bundesregierung damals mit.

Während der brandenburgische Erlass für die Verkehrsschilder auf Skepsis trifft,  findet eine neue Satzung der Stadt Cottbus den Beifall der Kommunalpolitik. Sie setzt sich das Ziel, beide Sprachen öffentlich gleichberechtigt zu behandeln. Die Beauftragte für sorbisch/wendische Angelegenheiten, Anna Kossatz-Kosel spricht von einer „bemerkenswerten Phase der Minderheitenpolitik“. Cottbus wäre nach ihren Worten „im Land Brandenburg die erste Kommune mit einer solchen Fachsatzung“. So kann auch die Hymne „Redna Ludzyca“ laut der Satzung neben der deutschen Hymne gesungen werden.

Cottbus/Potsdam