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| 14:56 Uhr

Straßenverkehr
Wie fit sind Senioren am Steuer?

Verkehrsunfälle, verursacht von Senioren, haben die Debatte um die Pflicht zum Medizincheck für ältere Autofahrer neu entfacht.
Verkehrsunfälle, verursacht von Senioren, haben die Debatte um die Pflicht zum Medizincheck für ältere Autofahrer neu entfacht. FOTO: Rolf Vennenbernd
Cottbus/Berlin. Tragische Unfälle führen zu einer neuen Debatte um Fahrtauglichkeit für ältere Kraftfahrer. Pflicht zum Medizincheck für ältere Autofahrer umstritten. Von Christian Taubert

Verpflichtende Tests der Fahrtauglichkeit für Senioren stehen nach jüngsten schweren Verkehrsunfällen in der Region wieder einmal in der Diskussion. Doch weder der Bundesgesetzgeber, noch der ADAC halten eine Pflicht für verhältnismäßig. Dagegen sieht ein Praktiker, der Lübbener Fahrlehrer und Vorsitzende der Kreisgruppe Spreewald des Fahrlehrerverbandes Dietmar Zimmermann, eine verpflichtende regelmäßige Gesundheitsüberprüfung älterer Kraftfahrer für „sehr sinnvoll“ an.

Die neuerliche Debatte ist nach zwei schweren Unfällen in der Region neu aufgeflammt: So hat nach  Polizeiangaben Anfang Mai ein 69-jähriger Autofahrer auf der B 168 bei Maust eine rote Ampel missachtet. Den Zusammenprall mit einem Pkw hat eine 56-jährige Autofahrerin nicht überlebt. Und nur weniger Tage später hatte ein 81 Jahre alter Autofahrer vier Radler aus Berlin, die auf der B 179 bei Klein Köris im Spreewald unterwegs waren, mit seinem Wagen in voller Fahrt von hinten erfasst. Sie kamen schwer verletzt ins Krankenhaus, wo eine Radfahrerin gestorben ist.

Für Fahrlehrer Dietmar Zimmermann war klar, dass das schreckliche Ereignis von Groß Köris die älteren Autofahrer wieder in den Fokus rücken würde. Er führt seit acht Jahren als Partner des ADAC Fahrfitnesschecks für Senioren durch. „Die Nachfrage ist recht überschaubar, wir führen pro Jahr etwa 15 solcher Tests durch“, sagt er. Die größte Angst der älteren Kraftfahrer sei es, dass sie den Führerschein abgeben müssen, der ihnen Unabhängigkeit gebe und auf den sie gerade im ländlichen Raum oft angewiesen seien. „Den Führerschein einbehalten dürfen wir gar nicht. Wir geben lediglich Empfehlungen“, sagt Zimmermann.

In den zurückliegenden Jahren habe er erst einmal die Empfehlung gegeben, den Führerschein ruhen zu lassen. Aus Erfahrung hält der Praktiker aber eine verpflichtende regelmäßige Gesundheits-Überprüfung älterer Kraftfahrer für „sehr sinnvoll“. Ein Fahrsicherheitscheck sollte dagegen auch weiterhin freiwillig bleiben. Aus Sicht des ADAC Berlin-Brandenburg werde ein tragischer Unfall wie der von Klein Köris aufgrund seiner dramatischen Auswirkungen medial zwar besonders intensiv betrachtet. „Er ist aber nach wie vor ein Einzelfall“, erklärt Pressesprecherin Sandra Hass. Für eine unfallfreie Teilnahme am Straßenverkehr sei nicht nur das Lebensalter entscheidend, sondern auch die Fahrroutine. So würden sich ältere Fahrer in der Regel durch einen an die Situation angepassten Fahrstil und vorausschauendes Fahren auszeichnen. Hass fügt aber hinzu, dass die gesundheitliche Fahrfitness mit zunehmenden Alter nachlasse – insbesondere Reaktions- und Sehvermögen. „Deshalb raten wir zu regelmäßigen freiwilligen ärztlichen Untersuchungen.“

Eine RUNDSCHAU-Anfrage an den neuen Vorsitzenden des Verkehrsausschusses des Bundestages Cem Özdemir (Grüne) wird von der Expertin seiner Partei in diesem Gremium, Daniela Wagner, beantwortet. Es gehe nicht darum, jemandem ohne irgendeinen Grund und Anlass etwas wegzunehmen, betont die 61-jährige Bundestagsabgeordnete aus Hessen. „Allerdings muss klar sein, dass die Freiheit des Einen bei der körperlichen Unversehrtheit der Anderen aufhört“, fügt sie hinzu. Die Fahrerlaubnis werde durchaus auch freiwillig abgegeben – leider oft aber erst, nachdem ein Unfallpassiert sei.

Für Wagner müsse es das Ziel sein, das Bewusstsein zu stärken und für ältere Kraftfahrer Anreize zu setzen, ihre Leistungsfähigkeit verstärkt kontrollieren zu lassen. „Wir wollen daher die Einführung einer regelmäßigen Gesundheitsprüfungen ab einem bestimmten Alter für Führerscheininhaber“, sagt sie. Sie solle dann als Grundlage zur Unterstützung der Selbsteinschätzung im Hinblick auf die Fahrtauglichkeit dient. Dafür plädieren die Grünen im Verkehrsausschuss ebenso wie für ein größeres Angebot an Fahrsicherheitstrainings.

Verkehrssicherheit spiele in dem Gremium durchaus eine Rolle, „leider aber nicht für die Große Koalition“, spielt Wagner darauf an, dass die Angst der politisch Verantwortlichen vor einem Verlust an Wählerstimmen in dieser Altersgruppe größer zu sein scheint, „als vor den möglichen Folgen durch fahrtuntüchtige Verkehrsteilnehmer“.