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Umgebautes Kammerbühnenfoyer vorgestellt

Luftig, lichtdurchflutet und klar strukturiert präsentiert sich das neue Kammerbühnenfoyer ab heute dem Publikum.
Luftig, lichtdurchflutet und klar strukturiert präsentiert sich das neue Kammerbühnenfoyer ab heute dem Publikum. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Das Staatstheater hat am Freitag das umgebaute Kammerbühnenfoyer vorgestellt. In der Spielstätte soll ein ganz neues Theaterpublikum angesprochen werden. Daniel Steiger

Die "verlorene Generation" nennt sie der neue Schauspieldirektor Jo Fabian. Die unter 14-Jährigen, die von Mama, Papa oder der Deutschlehrerin ins Theater geschleift werden, sind nicht gemeint. Und auch nicht die Grauhaarigen, die dem Theater leidenschaftlich verbunden sind. Sondern die dazwischen. Diese Menschen wollen die Theatermacher in der umgebauten Kammerbühne mit neuem Konzept erreichen.

Um die baulichen Voraussetzungen für die Umsetzung der Pläne zu schaffen, hat das Staatstheater in den vergangenen Wochen 600 000 Euro investiert, die Hälfte davon waren Fördermittel. In dem alten Probensaal der Bühne hat ein Ballettstudio mit Tanzschwingboden Platz gefunden, Elektroanlagen und Brandschutz wurden erneuert, die Treppe vor dem Haus saniert und das Foyer hat jetzt Sitzgelegenheiten und eine Cafébar. Ein "Begegnungsort" soll es werden, so hofft Intendant Martin Schüler. Junge Leute sollen in die Kammerbühne gelockt werden, Studenten, Kreative, Flüchtlinge … Sprachkurse der etwas anderen Art sollen im Foyer stattfinden.

Schauspieldirektor Jo Fabian freut sich auf die Arbeit in der Spielstätte: "Sie passt wunderbar zu meinem Konzept. Ich will neue, junge Leute erreichen. Es ist schon lange nicht mehr so, dass irgendwo in der Stadt ein Theater steht und da alle hingehen. Theater muss sich immer wieder neu erfinden."

Und bei dieser Neuerfindung darf ruhig experimentiert werden. Mit "Das brennende Aquarium", einem Schauspiel für zwei Darsteller in drei unterschiedlichen Regiehandschriften, und dem Kafka-Stück "Die Verwandlung" feiern in den kommenden Monaten zwei Stücke in der Kammerbühne ihre Premieren. Das Ballett arbeitet an einer Uraufführung, die im März das erste Mal zu sehen ist. Auch komplett neue Veranstaltungsformen soll es in der Kammerbühne geben. Am Freitag, 13. Oktober, startet die monatliche Late-Night-Reihe des Schauspiels. Sie trägt den Titel "Black Friday" und mit ihr soll sich der Saal der Kammerbühne in einen Ort des interaktiven Events verwandeln. Unter Anleitung von Drummer Lars Neugebauer, N.U. Unruh, dem Perkussionisten der Berliner Kultband Einstürzende Neubauten, und anderen Mitgliedern des Drum-Klubs sollen gemeinsame Drum-Session mit Interessierten aus dem Publikum entwickelt werden. Eingebettet in die Schlagzeugerei werden Lesungen, Hörspiele, Konzerte und anderes mehr. Die zweite neue Veranstaltungsreihe in der Kammerbühne startet bereits am Wahlsonntag. In der "Hermann-Bar" gibt es einmal im Monat, immer sonntags ab 18 Uhr, Gespräche, Musik, Cocktails und kulinarische Leckereien.

Erstmals für das Publikum zu erleben, ist die umgebaute Kammerbühne für die Premieren-Gäste des Stücks "Wilhelm Tell" am heutigen Samstagabend. Der Auftakt der Spielzeit ist gleichzeitig auch die erste Premiere des neuen Schauspieldirektors Jo Fabian.