Markus N. aus Cottbus ist verzweifelt. Seine Ex-Freundin tut aus seiner Sicht alles, um seinen Sohn Lukas dem Vater zu entfremden. Er fühlt sich schikaniert und sieht seine Zeit mit dem Kind immer mehr beschnitten.

Der aufwühlende ARD-Film „Weil Du mir gehörst“, der kürzlich lief und auch noch in der Mediathek zu sehen ist, war für ihn kaum erträglich. Zu viele Parallelen erkannte er zu seiner Geschichte und seinem seit Jahren währenden Kampf um eine Gleichbehandlung bei dem Umgangsrecht für seinen Sohn.

Markus N. kannte seine Lebenspartnerin schon von Kindesbeinen an. Nach dem Studium ist sie bei ihm in sein Haus eingezogen. Schon bald kam Sohn Lukas zur Welt.

„Er war nicht geplant, aber wir haben uns beide sehr gefreut“, sagt Markus. „Ganz besonders glücklich war ich, dass es ein Junge geworden ist“, gesteht der 38-Jährige. Das ganze Haus, das eigentlich schon von außen einem verwunschenen Häuschen aus dem Märchenwald gleicht, hat er kindgerecht umgebaut.

Für das Kind haben die Cottbuser funktioniert

Nach zehn Monaten ist seine Freundin wieder arbeiten gegangen. Der Alltag wurde schwierig, Lukas wollte abends nicht einschlafen. Das hat auch bei den Eltern Stress verursacht. „Wir haben für unser Kind funktioniert, haben uns aber als Paar  aus dem Augen verloren“, sagt Markus rückblickend.

Im Sommer 2015 trennten sie  sich. Nach einer Aussprache zog er vorübergehend aus seinem Haus aus. „Ich wollte nicht, dass das Kind aus seiner gewohnten Umgebung gerissen wird“, sagt Markus.

Als die endgültige Trennung von seiner Freundin feststand, sei für ihn von vornherein klar gewesen, dass er den Jungen nicht aufgibt. Gleich nach der Geburt sei das gemeinsame Sorgerecht festgeschrieben worden. Darum habe er sich umgehend beim Jugendamt gemeldet. Dort wurde ihm lediglich geraten, sich mit der Mutter des Kindes zu einigen. Diese war mittlerweile mit dem Kind ausgezogen in die direkte Nachbarschaft ihrer Eltern.

Dann sei ein Anruf aus dem zuständigen Amt gekommen, bei dem auch die Mutter seiner Ex-Freundin arbeitet, er müsse das Kind zwingend ummelden. Im Nachhinein ärgert er sich, dass er dieser Aufforderung ungeprüft nachgekommen ist, denn nun ist das Kind bei der Mutter gemeldet und nicht mehr bei ihm.

Gütliche Einigung der Cottbuser Eltern scheint nicht möglich

Im Haus steckt mittlerweile in jedem Zimmer ein Stück Lukas. Am riesigen Holztisch in der Küche steht für ihn ein Stuhl, wie ein kleiner Thron, im Wohnzimmer ist eine Autorennbahn aufgebaut, im Kinderzimmer warten Legofiguren darauf, zum Leben erweckt zu werden. An eine große Tafel sind zahlreiche Bilder von Lukas gepinnt.

Noch umfangreicher ist mittlerweile der Ordner zu den Gerichtsprozessen, die Markus N. führt, um seinen Sohn mehr sehen zu können.

Eine gütliche Einigung scheint nicht in Sicht zu sein. Immer wieder habe seine Ex-Freundin unter Vorwänden seine Zeit mit dem Sohn beschnitten und dabei das Kind scheinbar manipuliert. So wollte Lukas plötzlich nicht mehr in dem Hochbett mit Sternenhimmel und Rutsche schlafen, über das er sich kurz vorher noch riesig gefreut hatte, sondern lieber so ein Bett wie bei Mama. Das habe ihm der Teddy eingeflüstert.

Klare Vorgaben für den Kinderschutz Arbeit für das Kindeswohl

Forst

Er erklärte auch, dass ihm auf einmal von dem Essen bei Papa immer schlecht werden würde. Ins Schwimmbad könne er auch nicht mehr mit Papa, weil der nicht gut auf ihn aufpassen kann und er Angst hat, zu ertrinken.

Schon jetzt merkt Markus N. wie auch sein Sohn unter der Situation leidet, einnässt, sich verändert und zwischen die Fronten gerät. Auf der einen Seite erklärte der Vierjährige, dass er jetzt nur noch zum Spielen zu Papa kommt und bei Mama wohnt. Tage später habe er im Kindergarten geweint, weil er Papa so vermisst hat.

Verletzung beim Jugendamt angezeigt

Nur mit Mühe kann Markus N. die Tränen unterdrücken als er erzählt wie Lukas eines Tages sich nicht bei ihm ausziehen wollte. Schließlich erfuhr er den Grund: ein großes Hämatom am Arm, weil „Mama so zugedrückt hat“. Er sei sofort zum Kinderarzt gefahren und habe die Verletzung dokumentiert und beim Jugendamt angezeigt. Das endete mit einer Ermahnung für die Mutter.

„Was wäre wohl passiert, wenn ich das gewesen wäre?“, fragt sich der Vater. Beim Jugendamt glaubt er zumindest eine Stimmung ausgemacht zu haben, die die Erziehungseignung der Mutter grundsätzlich höher bewerte.

Die Kita versuche, sich aus dem Konflikt herauszuhalten. „Ich habe den Eindruck, die Kita möchte es sich nicht mit dem Jugendamt verscherzen“, sagt  Markus N. Aus dem Gleichgewicht gebracht haben ihm die Worte seines Sohnes: Papa, du kämpfst nicht richtig um mich.

Streit um das Umgangsrecht dauert schon drei Jahre

Demnächst gibt es den dritten Gerichtsprozess in drei Jahren zum Umgangsrecht beider Eltern mit dem Kind. Markus N. möchte am liebsten, dass sein Sohn auch bei ihm wohnt und die Mutter das Kind im Wechsel jede zweite Woche bekommt. „Andere Länder bekommen das mit dem Wechselmodell doch auch hin, warum tut sich Deutschland damit so schwer“, fragt er.

Im Laufe des Gerichtsprozesses hat Markus N. einen anderen Blick bekommen auf die Dinge, die wirklich wichtig sind im Leben. Die kleine Kinderseele will er auf gar keinen Fall aufgeben. „Man muss sehr starke Nerven haben“, weiß er mittlerweile.

Er wünschte sich, dass bei den gemeinsamen Elterngesprächen das Wortprotokoll eingeführt wird, damit das gesagte Wort in Gerichtsverhandlungen nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden kann und somit eine objektive Beurteilung ermöglicht wird. Ihre Sicht der Dinge wollte die Mutter von Lukas gegenüber der Rundschau nicht darlegen.

Bei einer Diskussionsrunde des Vereins Väteraufbruch für Kinder in Berlin hat Markus N. erfahren, dass er nicht allein ist mit seinen Sorgen, sich die Muster der Kindesentfremdung eines Elternteils gleichen. Und dabei auch nicht nur Väter betroffen sind.

Bei solch einem erbitterten Streit leiden auch nicht nur die direkt Betroffenen, sondern auch das Umfeld. So fällt es dem Opa von Lukas schwer, seinen Enkel kaum zu sehen und zu erleben, wie sich sein Sohn verändert, es für ihn nur noch ein Thema gibt, das einen Großteil seiner Kraft bindet. Und so hofft auch er, dass das Zerren an dem Kind endlich ein Ende hat und eine Lösung gefunden wird, mit der alle Leben können.

Streitfälle von Eltern vor Amtsgericht Cottbus nehmen zu

Die Streitigkeiten zwischen Kindeseltern nehmen auch am Amtsgericht Cottbus stetig zu  und machen einen großen Teil der Arbeit der Familienrichter aus. Das erklärte Peter Merz, Richter am Amtsgericht Cottbus und stellvertretender Pressesprecher auf Nachfrage.

„Die Beeinflussung der Kinder oder die Versuche einer Beeinflussung scheinen dabei in den letzten Jahren zugenommen zu haben“, so Peter Merz. Nach Angaben der Familienrichterinnen seien es eher Mütter als Väter, die ihre Kinder instrumentalisieren. Um das zu erkennen, nehmen die Familienrichter regelmäßig an Schulungen teil und bilden sich selbständig fort. Bei Verfahren arbeiten sie eng mit den Jugendämtern und bedienen sich der Hilfe von Sachverständigen.

Doch auch die Richter stehen vor dem Problem: Wirksame Maßnahmen, die  Eltern von einer Instrumentalisierung ihrer Kinder abhalten könnten, gibt es nicht.

Väterinitiative


Der Verein Väteraufbruch für Kinder  betreut ehrenamtlich Väter und Mütter, wenn es nach der Trennung zu Problemen kommt. Ziel ist es, dass den Kindern beide Elternteile erhalten bleiben und die Eltern bei einem Streit wieder den Fokus auf die Bedürfnisse der Kinder richten.

Der Landesverband Berlin/Brandenburg bietet regelmäßige Informationsabende, Diskussionen und Beratungsgespräche an. Eine Fortbildungsreihe richtet sich auch an Mitarbeiter von Jugendämtern, Beratungsstellen, Familiengerichte und Anwälte.