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| 19:32 Uhr

Cottbus
Fastenzeit — Mehr als nur Verzicht

Jugendpfarrer Marko Dutzschke wirft ein Blick auf sein Smartphone. In einer WhatsApp-Gruppe gibt es zur Fastenzeit Impulse für die Gemeinde.
Jugendpfarrer Marko Dutzschke wirft ein Blick auf sein Smartphone. In einer WhatsApp-Gruppe gibt es zur Fastenzeit Impulse für die Gemeinde. FOTO: Stephan Meyer / LR
Cottbus. Laut einer Studie ist Fasten auch bei jungen Erwachsenen beliebt. Jugendpfarrer Marko Dutzschke sieht das jedoch skeptisch. Von Stephan Meyer

Mit Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Die enthaltsamen Tage vor Ostern mögen auf manche wie ein Relikt vergangener Tage wirken. Doch das Fasten wird, laut einer repräsentativen Studie, bei jungen Erwachsenen immer beliebter. 36 Prozent der 18- bis 29-Jährigen haben schon öfters mehrere Wochen auf ein bestimmtes Genussmittel oder Konsumgut verzichtet. Das geht aus einer Forsa-Umfrage hervor, die im Auftrag der DAK Gesundheit erstellt wurde.

„Ich bin mir nicht sicher, ob das stimmt“, sagt hingegen Jugendpfarrer Marko Dutzschke. Der Geistliche gehört der Katholischen Kirche in Cottbus an und hat Zweifel an dem Trend. Er habe den Eindruck, die Fastenzeit sei für einige lediglich ein Ausdruck ihres Lebensstils oder erfülle für sie nur einen medizinischen Zweck. Losgelöst von Gott machen die Fastenwochen für ihn wenig Sinn. Die Befragten der Studie erhoffen sich davon weniger Stress und mehr Zeit für sich und ihre Freunde. Dass ist für Dutzschke ein Indiz, dass viele das Bedürfnis hätten, ihr Leben aufzuräumen, was ebenfalls im Sinne des christlichen Fastens ist.

Bei einer Umfrage auf dem BTU-Campus konnte die RUNDSCHAU junge Erwachsene ausfindig machen, denen das Thema Fasten nicht ganz fremd ist. Für den 31-jährigen Marcus Heide stehen dabei eher gesundheitliche Aspekte im Vordergrund. Selber hat er jedoch noch nicht gefastet. „Wenn, dann müsste ich wohl auf  Softdrinks verzichten“, so der Cottbuser. „Die sind mein Laster.“ Katharina Knaack spielte schon öfter mit dem Gedanken zu fasten. „Ich konnte mein inneren Schweinehund aber noch nicht überwinden“, sagt die 30-Jährige. Statt nur für 40 Tage auf Schokolade oder Kaffee zu verzichten, fände sie es besser, das ganze Jahr über bewusster zu genießen.

Viele Studenten auf dem Campus berichten, dass es schwer sei, die Fastenzeit einzuhalten, da sie in die Prüfungszeit falle. Dazu sagt Jugendpfarrer Dutzschke: „Wir Menschen sind Meister im Erfinden vom Ausreden.“ Wer nicht fasten wolle, der muss auch nicht. „Das ist überhaupt nicht schlimm.“ Um sich während der Fastenzeit zu motivieren, würden viele Gemeindemitglieder die Fasten-Gottesdienste besuchen. Doch nicht jeder könne diese wahrnehmen. Um auch jene erreichen zu können, hat sich Michael Noack, Pfarrer in Weißwasser, etwas Besonderes einfallen lassen. In einer offenen WhatsApp-Gruppe gibt er während der Fastenzeit täglich Impulse in Form von Bildern, Sprüchen oder Liedern. Letztes Jahr hätten sich knapp 100 Personen angemeldet. Einen Tag vor Aschermittwoch sind in der diesjährigen Gruppe „Singend auf Ostern zu“ 47 Teilnehmer. Interessierte schreiben eine Nachricht an Pfarrer Noack unter 0176 21646529 und erhalten im Anschluss einen Einladungslink. Er weist daraufhin, dass es sich nicht um eine Diskussionsgruppe handelt. Nachfragen sind direkt an ihn zu stellen.

Marcus Heide (31) aus Cottbus: „Wenn dann müsste ich wohl auf Softdrinks verzichten. Die sind mein Laster.“
Marcus Heide (31) aus Cottbus: „Wenn dann müsste ich wohl auf Softdrinks verzichten. Die sind mein Laster.“ FOTO: Stephan Meyer / LR
Katharina Knaack (30) aus Cottbus bevorzugt bewussten Genuss das ganze Jahr an Stelle von 40 Tage fasten.
Katharina Knaack (30) aus Cottbus bevorzugt bewussten Genuss das ganze Jahr an Stelle von 40 Tage fasten. FOTO: Stephan Meyer / LR