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| 01:35 Uhr

Über die Wunden der Lausitz im Hornower Schloss

Hornow.. Ein beklemmendes Gefühl hat Peter Rocha (65) mit seinem Dokumentarfilm „Schmerzen der Lausitz“ am Mittwoch in Hornow hinterlassen. Annett Igel

Der mit der sorbischen Kultur vertraute Regisseur hatte diesen letzten Teil seiner Lausitz-Trilogie in den Jahren 1989/90 gedreht und zeigte ihn nun vor einer Diskussion um die neuen Tagebaue. Mit Luftaufnahmen von den Lausitzer Braunkohlerevieren, mit den demonstrierenden Dorfbewohnern von Klitten, mit Baggerfahrer und Liedermacher Gerhard Gundermann, Dichter Jurij Koch, Erwin-Strittmatter-Bruder Heinjak und dem Landschaftsarchitekten Otto Rindt. „Es kommt alles, wie es kommen soll“ , sagt die Rentnerin aus dem verschwindenden Dorf. Ihre Altersgefährten sitzen Filmschnitte später stumm anklagend am Tisch. „Onkel Gundi“ fliegt. „Wo soll ich landen, wenn der Tank leer ist, wo is'n Rollfeld für mich frei?“ Peter Rocha lässt ihn über schorfbraunen Wunden suchen und in Kraftwerks-Türmen gen Himmel gerichtete Kanonen erkennen. Unter ihm klettert Otto Rindt an der Tagebaukante. Der Landschaftsarchitekt erzählt vom Weltmuseum der Findlinge, von der Seenplatte und winkt mit einem alternativen Energiekonzept.
Die Zuschauer im Hornower Schloss folgen still den DDR-Bildern. Einige lachen über die Idee, dass ihnen ein nackter Adonis die schlechten Umkleideräume und Duschen der Kumpel zeigt. Die Wohnblöcke, vor denen Paare in sorbischen Trachten tanzen, der Baustellenstaub an der „Kaufhalle am Fließ“ in Cottbus und sogar die Raucherpause am Kraftwerk Trattendorf deprimieren. Die Hornower überlegen: Wie viel haben die Folgen einer verfehlten DDR-Energiepolitik mit ihrer Situation übermorgen am Tagebau Bagenz-Ost zu tun? Klingt der Tagebau noch so, wenn ab 2040 die Kohle vor ihrer Tür gefördert wird? Peter Rochas wunderbare Komposition erinnert.