Die Corona-Pandemie hat viele Bereiche des täglichen Lebens erschwert. Das gilt auch für die Kirchen und die Glaubenspraktiken der Christen. Gottesdienste wurden verboten und sind nach wie vor nur unter Hygienemaßnahmen und mit Einschränkungen möglich. „Auch das Leben in unseren Pfarreien und christlichen Gemeinschaften hat sich verändert. Bis hinein in unsere liturgischen Feiern ist die Krankheit präsent“, schreibt Wolfgang Ipolt, Bischof des katholischen Bistums Görlitz, zu dem fast alle Teile der Lausitz gehören.
Für Katholiken waren die anfänglichen Verbote und die nach wie vor geltenden Einschränkungen ein Problem, haben sie doch die Pflicht, am Sonntag einen Gottesdienst zu besuchen. „Wir Bischöfe haben am Beginn der Pandemie von der Pflicht, am Sonntag die Hl. Messe mitzufeiern, dispensiert, weil es gar nicht mehr möglich war, das Sonntagsgebot zu erfüllen beziehungsweise die staatlichen Regeln für Versammlungen dann eine sehr enge Begrenzung der Teilnehmerzahl vorsahen“, erklärt Bischof Ipolt. Katholiken waren also von diesem Gebot befreit.

Bischof hebt Dispens vom Sonntagsgottesdienst im Bistum Görlitz auf

Damit ist nun aber Schluss. Bischof Ipolt hat die Dispens aufgehoben. „Inzwischen hat sich in dieser Hinsicht manches gelockert und der Gottesdienstbesuch ist durchaus wieder möglich – natürlich unter Einhaltung der hygienischen Vorschriften. Darum halte ich eine Dispens vom Sonntagsgottesdienst jetzt nicht mehr für nötig, sondern ermutige Sie alle wieder zur Treue in der Mitfeier der sonntäglichen Eucharistie.“
„Ich bitte Sie auch, ängstliche und vielleicht besorgte Gemeindemitglieder zur Teilnahme am Sonntagsgottesdienst bewusst einzuladen“, wirbt der Bischof in seinem Hirtenbrief, der am Sonntag in allen Gemeinden des Bistums verlesen wurde. Sollte die Platzzahl in der Kirche vor Ort aufgrund der Hygienebestimmungen nicht ausreichen, sollen Gottesdienste in der Woche besucht werden. „Wir haben es alle in den letzten Monaten gemerkt: Die physische Anwesenheit bei der Eucharistiefeier ist doch etwas anderes, als eine Messe vor dem Fernsehen wirklich mitzufeiern“, so Ipolt.

Wallfahrt im Bistum Görlitz findet trotz Corona statt

Auch die Bistumswallfahrt nach Neuzelle, zu der Jahr für Jahr Hinderte Christen aus dem ganzen Bistum zusammenkommen, soll am 6. September stattfinden. Während andere Bistümer, wie etwa Erfurt, vergleichbare Wallfahrten absagen, soll in der Lausitz lediglich der Ort angepasst werden. „Die Wallfahrt findet in diesem Jahr auf dem Stiftsplatz statt – das gilt es vor allem zu beachten. So können wir den nötigen Abstand einhalten und doch miteinander feiern“, erläutert Bischof Ipolt.
Gleichzeitig wirbt der Bischof aber auch dafür, die Krise als Chance zu begreifen. „Auch die Kirche und das gemeindliche Leben wird – wie auch das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben – nach Corona anders sein – wir können nicht dort einfach weiter machen, wo wir im März aufgehört haben. Vielleicht müssen wir neue Formen des Miteinanders entwickeln und Brücken – auch mit Hilfe der sozialen Medien – noch fester bauen“, heißt es im Hirtenbrief, der ab sofort auch auf dem neuen Youtube-Kanal des Bistums zu sehen ist.

Youtube Hirtenwort in der Corona-Zeit von Bischof Wolfgang Ipolt

Görlitzer Bischof zeigt sich offen für neue Formen des Kirchenlebens

„Wir werden auch künftig unseren Gott in der Liturgie feiern, sein Evangelium verkünden und die Werke der Caritas tun. Nur wie und auf welche Weise, das wird die Zukunft zeigen und dazu braucht es weiterhin unsere Fantasie“, heißt es weiter im Hirtenbrief des Bischofs. Konkrete Erläuterungen, was er sich darunter vorstellt, bleiben allerdings aus. „Mich stimmt es zuversichtlich, dass Christen auch in vergangenen Zeiten ihren Glauben unter schwierigen und widrigen Umständen gelebt haben. Ich bin sicher, dass das auch unserer Generation gelingen kann.“