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| 13:05 Uhr

Trend auf zwei Rädern
Lausitzer fahren nicht auf E-Scooter ab

 Die E-Scooter breiten sich weiter aus.
Die E-Scooter breiten sich weiter aus. FOTO: dpa / Oliver Berg
Cottbus. E-Scooter sind innerhalb weniger Wochen zum prägenden Bild in großen Städten geworden. In der Lausitz und im Elbe-Elster-Land bleibt der Hype dagegen aus. Von Angelika Brinkop

Knapp drei Monate nach der Zulassung der Elektro-Tretroller dominieren sie die Straßen in Großstädten. Trotz negativer Schlagzeilen, Unfallrisiken und der Stolpergefahr durch unsachgemäßes Abstellen der Gefährte steigt die Zahl der Roller-Fahrer rasant an.

In der Lausitz und im Elbe-Elster-Land bleibt der Hype dagegen aus.

Stadt Cottbus sieht noch offene Fragen

„Generell steht die Stadt Cottbus neuen Mobilitätsformen offen gegenüber“, sagt Stadtsprecher Jan Gloßmann. Die Entwicklungen in anderen Städten zeigten jedoch, dass es nicht nur positive Effekte gibt. Er verweist auf das erhöhte Unfallrisiko, insbesondere mit Fußgängern. Außerdem müssten Fragen geklärt werden, wo E-Scooter abgestellt und geladen werden dürfen. „Aus fachlicher Sicht werden E-Scooter wohl keine anderen Verkehrsmittel ersetzen. Sie sind ein zusätzliches Angebot, meist für diejenigen, die sowieso zu Fuß, mit dem Rad oder dem ÖPNV unterwegs sind. Einen wesentlicher Beitrag zur CO2-Reduktion wird damit nicht geleistet werden können“, erklärt Jan Gloßmann.

Einer der großen Verleiher, die in den Metropolen E-Scooter anbieten, ist die Firma Tier Mobility. „Grundsätzlich sind alle Städte ab 100 000 Einwohner wirtschaftlich interessant aus unserer Sicht“, sagt Unternehmenssprecher Bodo von Braunmühl auf Nachfrage der LAUSITZER WOCHE. Zu konkreten Städte-Starts will sich der Verleiher erst dann äußern, wenn es soweit ist.

Spreewald wenig geeignet

Der Media-Markt hat 15 Modelle von E-Scootern im Angebot, allerdings nur zur Vorbestellung. „Viele Modelle befinden sich noch im Zulassungsverfahren. Erst wenn dieses abgeschlossen ist, können wir die E-Scooter auch verkaufen“, sagt Unternehmenssprecherin Kristina Müller-Drensler. Es gebe auch einige E-Scooter ohne Straßenzulassung. Diese dürften nur auf Privat- oder Firmengelände genutzt werden.

Das Geschäft Fahrrad-Hübner in Cottbus-Gallinchen hatte zum Verkauf zwei Modelle im Angebot. „Die Nachfrage ist kaum vorhanden, wir haben sie wieder aus dem Programm genommen“, sagt Geschäftsführer Matthias Proft. Er glaubt nicht, dass sich die E-Scooter durchsetzen. „Für uns ist das Ganze auch eine Frage der Sicherheit. Wir möchten diesen Trend, der schon zu zahlreichen Unfällen und Verletzungen geführt hat, nicht unterstützen“, erklärt er.

Martin Köhler von der Verleihfirma Spreewald-Roller will die E-Scooter nicht in sein Programm mit aufnehmen. „Ich habe sie selbst schon ausprobiert. Es macht Spaß, ist aber auch gefährlich“, sagt er. Nachfragen von Touristen zu den Tretrollern gab es bei ihm noch nicht. Für Martin Köhler ist der Spreewald für diese Fortbewegungsmittel auch nicht geeignet. „Die Wege im Spreewald sind weit, die Radwege übervölkert“, gibt er zu bedenken. Er verleiht seit drei Jahren Motorroller und solche mit Elektroantrieb. „Der Vorteil ist, dass zwei Personen damit fahren können und auch ein Picknickkorb noch Platz hat“, wirbt er für sein Angebot.

Allerdings seien auch bei seinen Rollern die mit Elektroantrieb nicht so gefragt, da die Reichweite begrenzt ist.

Station an den IBA-Terassen möglich

Bei IBA-Aktiv Tours, die unter anderem Fahrräder und Tretmobile im Lausitzer Seenland verleihen, gibt es ebenfalls keine E-Scooter im Angebot. „Die Nachfrage ist sicher da“, sagt Geschäftsführer Eckhard Hoika. Erste Gedanken habe er sich schon dazu gemacht, aber noch seien viele Fragen offen, wie zum Beispiel die Versicherung.

„Ich kann mir vorstellen, vielleicht vier bis fünf E-Scooter in Großräschen an den IBA-Terassen zu stationieren. Auf jeden Fall müssten die Roller dann aber zur Verleihstation zurückgebracht werden. Da ich voll im Saisongeschäft eingespannt bin, hatte ich noch keine Zeit, mir weitere konkrete Gedanken zu machen“, sagt der Tourismusunternehmer.

Für Viola Kasprick, Geschäftsführerin von Lectric-Tandem Tours im Calauer Ortsteil Groß Mehßow sind E-Scooter kein Thema. „Wir sind nur ein kleiner Ort, da glauben wir nicht, dass es sich lohnt. Bisher hat auch noch niemand danach gefragt“, sagt sie. Ihre Firma hat sich auf die Ausleihe von E-Bike-Tandems spezialisiert. „Das ist unser Alleinstellungsmerkmal und kommt auch gut an“, sagt Viola Kasprick. In Bad Liebenwerda hat es ebenfalls noch keine Nachfragen gegeben. „Wir sind froh, dass die Gäste mittlerweile unsere E-Bikes annehmen“, sagt Kerstin Jahre, Leiterin der Touristinformation.

 E-Roller prägen das Bild in Großstädten. 
E-Roller prägen das Bild in Großstädten.  FOTO: Dmytro Zinkevych/Shutterstock.co
 E-Roller prägen das Bild in Großstädten. 
E-Roller prägen das Bild in Großstädten.  FOTO: Dmytro Zinkevych/Shutterstock.co