"Warten Sie noch ganz kurz, wir haben sogar schon Wasser!" Frank Sidon vom Bürgerverein Schlichow eilte mit ausladenden Schritten voraus. Die zwei Dutzend Leute im Schlepptau reckten die Hälse oder kramten in ihren Taschen, um schon mal die Fotoapparate herauszuholen. Dann war er plötzlich da. Der Ostsee. Oder besser die Grube, die einmal zum größten Gewässer des Landes Brandenburg werden soll. Und der See, an den sich viele Hoffnungen knüpfen.

"Wir wollen unseren dörflichen Charakter erhalten und einen gemütlichen Tourismus entwickeln", erklärte Ortsvorsteher Roland Hoffmann. "Was für uns nicht vorstellbar ist, dass sind 200 Neubauten, die aus dem Boden gestampft werden", ergänzte Frank Sidon.

Schlichow, einst auf der Kohle-Abrissliste, will nun vom sich verabschiedenden Tagebau profitieren. Der Ort hat nach der Wende einen Neustart hingelegt. Junge Leute sind gekommen. Feuerwehr, Sportverein, Bürgerverein - alle bringen sich ein. Was das Besondere im Ort sei, wollte Tobias Wienand von der Landesjury wissen? Der Zusammenhalt, betonte Frank Sidon. Dass die verschiedenen Generationen so gut miteinander klarkommen, ergänzte Christine Sidon.

Das würde auch die Willmersdorfer Ortsvorsteherin Anke Schulz sofort unterschreiben. Ortschronist Peter Kühn hatte seinen Oldtimer-Postbus aus der Garage geholt. Im offenen Fahrzeug ging es durch den Ort. Ein Ziel war auch hier der künftige Ostsee. Willmersdorf hat allerdings im Gegensatz zu Schlichow ein Problem. Die Bundesstraße trennt den Ort von dem künftigen touristischen Anziehungspunkt. Dabei sind es nur 400 Meter Luftlinie bis ans Gewässer. Eine Brücke soll deshalb zumindest für Fußgänger kommen. Auch die Fahrradrouten, die bislang alle am Ort vorbeiführen, sollen nach Willmersdorf reingeführt werden, sagte Ortsvorsteherin Anke Schulz. Das schmucke Gotteshaus im Ort könnte eine Fahrradkirche werden. Und für den kleinen Weg zum Ufer gibt es auch schon einen Namen, verriet Hubertus Mader: Marillen-Allee. Gedankenspiele über Namen gibt es in Schlichow ebenso. "Unsere Vision ist es, dass wir einmal Ostseebad Schlichow heißen", sagte Frank Sidon.

Kommentar: Zwei Ortsteile mit Zukunft