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Trauer um verklärtes Bier

Jan Selmons
Jan Selmons FOTO: M. Behnke (DC)
Übrigens. Da sage noch einer, dass sich Investitionen in Bier nicht lohnen. Bier-Nostalgie lohnt sich oft sogar, wenn das Objekt der Erinnerung daran nicht den besten Leumund hat: Beim Cottbuser Bier zum Beispiel. Jan Selmons

Das galt zu früheren Zeiten nicht unbedingt als Hochgenuss sondern in weiten Landesteilen als schlicht ungenießbar. Doch die Erinnerung malt Manches süßer, als es wirklich war. Nur so ist es zu erklären, dass bei Online-Verkaufsportalen Devotionalien und Werbemittel der Vereinigten Cottbuser Braubetriebe so erstaunliche Preise erzielen. Bedruckte Biertulpen gibt es da für-festhalten-zehn Euro das Stück. Bei Ebay ging gerade ein Cottbuser Bierdeckel für 35 Euro über die Theke. Wer also jetzt noch in einer dunklen Kellerecke einen Kasten des fragwürdigen Cottbuser Gerstensaftes aus den 1980er Jahren finden sollte, darf nicht seinem natürlichen Instinkt folgen und das Gebräu vernichten. Ein Ausschank beim Stadtfest macht dank nostalgischer Gefühle der Menschen womöglich den Finder reich. Nur nicht den Magen verderben! Dank der Nostalgie darf man zumindest heute darüber trauern, dass das Bier heute nicht mehr so schmeckt, wie es früher nie geschmeckt hat.