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Unansehnliche Betonrinne
Tranitz soll in Merzdorf Natur werden

Die verlegte Tranitz ist ein Betonkanal. Der soll teilweise zurückgebaut werden. Für das alte Tranitzfließ, das zwischen den be
iden Tagebauen Cottbus-Nord und
Jänschwalde  zu  den  Bärenbrücker  Teichen  führt,  ist  eine  Renaturierung  geplant.  Dafür  liegt  bereits  ein  Konzept  des  Energiekonze
rns  Leag  vor.
Die verlegte Tranitz ist ein Betonkanal. Der soll teilweise zurückgebaut werden. Für das alte Tranitzfließ, das zwischen den be iden Tagebauen Cottbus-Nord und Jänschwalde zu den Bärenbrücker Teichen führt, ist eine Renaturierung geplant. Dafür liegt bereits ein Konzept des Energiekonze rns Leag vor. FOTO: Janetzko / LAUSITZER RUNDSCHAU
Cottbus. Wie ein Fluss oder Fließ sieht die Tranitz in Merzdorf nicht gerade aus. Sie gleicht vielmehr einem Rinnsal, das noch dazu durch eine unansehnliche Betonrinne fließt. Peggy Kompalla

Ein natürliches Flussbett? Fehlanzeige. Das liegt auch in der Natur der Sache. Denn die Tranitz - die von Kathlow aus an Schlichow, Dissenchen und Merzdorf vorbeifließt und schließlich in die Spree mündet - ist vor Jahrzehnten verlegt worden, damit der Tagebau Cottbus-Nord eröffnet werden konnte, der von 1981 bis 2015 Kohle lieferte. Doch Bergbau gibt es dort nicht mehr, dafür wird am Ostsee gearbeitet. Das Wasser soll ab November 2018 fließen. Die Merzdorfer haben deshalb ihre eigenen Ideen für die Betonrinne entwickelt. Doch so einfach wird das nicht. Das zeigt die Antwort auf eine Anfrage der CDU im Stadtparlament.

Ortsvorsteherin Christiane Grandtke sagt klipp und klar: "Für Merzdorf hat der Betonkanal gar keinen Nutzen." Dafür könnten sich die Merzdorfer gut vorstellen, dass die Trasse in einen Geh- und Radweg umgewandelt wird. Der bietet gleich zwei Chancen. Zum einen gebe es damit endlich einen sicheren Weg zur Dissenchener Grundschule für die Kinder. "Das hat oberste Priorität", betont die Ortsvorsteherin.

Umweltdezernent Thomas Bergner (CDU) berichtet, dass die verlegte Tranitz im wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahren für den Ostsee betrachtet wurde. "Dazu wurden mehrere Gutachten erstellt", erklärt Bergner. "Im Ergebnis wurde festgestellt, dass der Abschnitt ab der Einmündung des Branitz-Dissenchener Grenzgrabens bis zur Spree aus wasserwirtschaftlicher Sicht erhalten bleiben muss." Das ist genau der Teil, der durch Merzdorf führt (siehe Grafik). Für den Teil ist demnach eine Renaturierung geplant. Genauere Angaben konnte der Umweltdezernent noch nicht machen. Trotzdem kommt das einer Absage an die Idee der Merzdorfer für einen kombinierten Geh- und Radweg gleich.

Die Betonrinne ist dafür an anderer Stelle entbehrlich, wie Thomas Bergner ergänzt. Nördlich von Haasow sollen der Koppatz-Kahren-Haasower Landgraben und der Frauendorf-Kahren-Haasower Landgraben zusammengeführt und in den Ostsee geleitet werden. "Ab dieser Einmündung bis zum Branitz-Dissenchener Grenzgraben ist das Gerinne entbehrlich und könnte zurückgebaut werden", erklärt er und fährt fort: "Die Leag beabsichtigt, die verlegte Tranitz ab dem Kathlower Wehr bis zum künftigen Zusammenfluss der beiden Landgräben zu erhalten und die verlegte Tranitz ebenfalls in den Ostsee einzuleiten." Das Gewässer diene dann der Hochwasserableitung aus dem Oberlauf der Tranitz.

Wann die verlegte Tranitz tatsächlich angefasst wird, ist offen. Derzeit ist noch nicht einmal klar, in wessen Verantwortungsbereich das Gewässer fallen wird. Das werde vom Landesbergamt geprüft. Bergner zufolge wird voraussichtlich der Bergbausanierer LMBV die Hoheit über das Fließ übernehmen, in dessen Hand der östliche Teil des künstlichen Sees liegt. "Herrscht abschließend Klarheit über die Zuständigkeit, können die erforderlichen Maßnahmen - wie Renaturierung und der Rückbau von Bauwerken und der Grabentrasse - begonnen werden."

Die Merzdorfer wissen, dass sie einen langen Atem brauchen. Auch wenn es für den Geh-Radweg eine Abfuhr gibt, enthält die Antwort des Umweltdezernenten auch eine gute Nachricht. Ortsvorsteherin Christiane Grandtke: "Alles ist besser als der Betonkanal. Die Renaturierung bietet auch Chancen." Etwa zur Erschließung des Ostsee-Hinterlandes.