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| 01:29 Uhr

Tragischer (Ver)Fall eines Denkmals

Cottbus. Es war eines der letzten historischen Tuchmacherhäuser im Cottbuser Stadtzentrum. Dort wo es stand, klafft jetzt eine Baulücke. Von dem denkmalgeschützten Haus Nummer 8 in der Burgstraße ist außer den Kellergewölben nichts geblieben. Von Nicole Nocon

Eine Fabrikantenvilla und ein Fabrikgebäude am Ostrower Damm, die Gaststätte "An der Friedenseiche" in Branitz, das Tuchmacherhaus in der Burgstraße 8. All diese Gebäude waren geschützte Denkmale. Keines von ihnen steht heute noch. Sie wurden abgerissen, mit Genehmigung der Stadtverwaltung.

Insgesamt sind in den vergangenen zehn Jahren acht denkmalgeschützte Gebäude aus dem Stadtbild verschwunden. Für drei weitere wurde der Abriss genehmigt.

Das ehemalige Tuchmacherhaus in der Burgstraße 8 ist ein Beispiel dafür, dass der Denkmalstatus einem Bauwerk noch lange nicht den Erhalt sichert. In der Denkmaltopografie der Bundesrepublik Deutschland aus dem Jahr 2001 heißt es: "Mit seiner für das 18. Jahrhundert typischen Proportion und Grundgliederung sowie der zurückhaltenden Fassadengestaltung verkörpert das Kleinbürgerhaus als eines der letzten erhaltenen Beispiele in Cottbus einen Bautyp, der das Gesicht der Altstadt abseits vom Marktplatz einst mitprägte. Zudem ist es als eines der letzten Tuchmacherhäuser der Stadt ein wichtiges bau- wie wirtschaftsgeschichtliches Zeugnis mit erheblichem Dokumentationswert." 1997 wurde das Haus auf die Denkmalliste gesetzt. 2010 wurde es bis auf das Kellergewölbe abgerissen.

In den Jahren dazwischen beschäftigte das Gebäude die Gerichte, denn der Eigentümer, eine Cottbuser Bauherrengemeinschaft, legte Widerspruch gegen die Eintragung des Hauses in das Verzeichnis der Denkmale ein. Sowohl das Verwaltungs-, als auch das Oberverwaltungsgericht lehnten die Anträge ab.

Mit der Zeit verfiel das vorgeschädigte Denkmal immer mehr: "Bereits 1995 wurden Feuchteschäden im Dachbereich durch Witterungseinflüsse deutlich. Zum Zeitpunkt der Entscheidung über den Abbruch des Gebäudes war sein Zustand bereits so schlecht, dass nur noch der Gewölbekeller, die straßenseitige Fassade und der Kamin/Schornstein existent waren", sagt Gabriele Exler von der Unteren Denkmalbehörde im Rathaus.

"Den Abriss zu genehmigen, war eine pragmatische Entscheidung. Denn am Ende ging von dem baufälligen Gebäude eine Gefahr für die Öffentlichkeit aus", sagt Dietmar Kraußer vom Landesamt für Denkmalpflege, das mit seiner Stellungnahme zum Zustand des Gebäudes der Stadt Cottbus grünes Licht zur Erteilung der Abrissgenehmigung gegeben hat. "Es ist schade, dass wir dieses Denkmal aufgeben mussten. Denn obwohl der Eigentümer Auflagen zur Sicherung des Gebäudes erfüllt hat, wurde der Zustand immer dramatischer", sagt Kraußer. Auch die Rahmenbedingungen seien in der Burgstraße ungünstig gewesen, denn das barocke Tuchmacherhäuschen sei von der angrenzenden Bebauung weit überragt worden. Die Hausnummer 8 wirkte in dieser Nachbarschaft wie ein Fremdkörper.

"Manch ein Denkmal ist ein ungeliebtes Kind. Trotzdem muss nicht immer böser Wille dahinter stecken, wenn ein geschütztes Gebäude nicht gerettet wird. Leider ist es Realität, dass ein gewisser Prozentsatz unserer denkmalgeschützten Bauwerke trotz allem auf der Strecke bleibt", räumt Dietmar Kraußer ein.

Wenn Sie persönliche Erinnerungen an verschwundene Denkmale in Cottbus haben oder Fotos dieser Bauwerke besitzen, schreiben Sie uns: Lausitzer Rundschau, Straße der Jugend 54, 03050 Cottbus oder red.cottbus@lr-online.de.

Zum Thema:

Aufgegebene Denkmale: Fabrikantenvilla, Ostrower Damm 19 Fabrikgebäude, Ostrower Damm 17/18 Pavillons Stadtpromenade Burgstraße 8 Sandower Straße 13 Wernerstraße 46, Reithalle, Stall Wernerstraße 62 Straße der Jugend 5, Hofgebäude An der Friedenseiche, Gaststätte und Saal Lindenplatz 25 Schlichower Dorfstraße, Großviehstall