Kutzeburger Mühle, 16 Uhr an Heiligabend: Hunderte warten dick in Decken eingemummelt und mit Glühwein ausgestattet auf das tierische Krippenspiel. Um dieses „Szenario“ vorherzusehen, braucht man keine Zauberkugel. Dass aus einem kleinen Fest für Mitarbeiter und Freunde irgendwann ein Selbstläufer wird, damit hätte vor 17 Jahren niemand gerechnet.

60 Mitwirkende

„Viele gute Sachen gehen klein und unscheinbar los“, sagt Stefan Ehret und versucht sich an das erste tierische Krippenspiel in der Kutzeburger Mühle zu erinnern. 2002/03 muss es gewesen sein, als die Idee entstand. Einen Pfarrer gab es damals nicht und auch sonst war es eine Veranstaltung für den engsten Familien- und Freundeskreis. 17 Jahre später hat sich vieles verändert, nur eines ist stets gleich geblieben: „Es riecht immer noch nach Stall“, sagt Stefan Ehret.

Probe für das Krippenspiel in der Kutzeburger Mühle Am Heiligen Abend laden auch in diesem Jahr der Reit- und Fahrverein Cottbus, der Reiter- und Freizeithof Kutzeburger Mühle sowie die Herrnhuter Brüdergemeine zu ihrem traditionellen Krippenspiel mit vielen Tieren ein. Über der bestimmt erneut gut gefüllten Reithalle wird wieder der Stern von Bethlehem erstrahlen und die Mitwirkenden sowie die Besucher beim Krippenspiel mit Maria und Josef (in diesem Jahr gespielt von Anna und Luca) und der Geburt Jesu in einem Stall auf den Heiligen Abend einstimmen. Emil (8), Romeo (8), Moritz (10) (v.l.n.r.) spielen die Hirten.
© Foto: Michael Helbig

Kurz vor der großen Aufführung am 24. Dezember sind die Vorbereitungen beim RFV Cottbus in vollem Gang. Jeden Adventssonntag trafen sich Darsteller, Organisatoren und Tiere in der Reithalle, studierten die Texte, probten die Choreographie und den Ablauf. Am Montag vor Weihnachten kamen Technik und Kostüme dazu, einen Tag später dann die Aufführung. „Etwa 60 Leute wirken an dem Krippenspiel mit, 35 davon sind Kinder und Jugendliche zwischen drei und 20 Jahre“, zählt Ingo Gutsche auf.

Nur noch wenige gehen in die Kirche

Seit 2013 übernimmt der Pfarrer der Evangelischen Brüder-Unität „Haltestelle“ den Gottesdienst in der Kutzeburger Mühle. „Wir wollen die Weihnachtsgeschichte bildlich darstellen“, sagt er und betont, dass es dennoch ein Gottesdienst und kein Theaterstück ist, dass die Menschen dort auf die Beine stellen. Die Aufführung würde deswegen auch nicht mit dem Krippenspiel enden. Im Anschluss folgt nämlich noch ein Spendenaufruf, der den Beteiligten mindestens genau so wichtig ist. „Wir sammeln Geld für soziale Projekte. Letztes Jahr haben wir für ein Kind in Ruanda gesammelt, davor auch schon für eine Einrichtung in Georgien und für eine Elterninitiative für krebskranke Kinder in Cottbus“, erklärt Ingo Gutsche.

Tatsächlich ist ein Krippenspiel heutzutage eine schwierige Angelegenheit, wie der Pfarrer bestätigt. Denn über die Hälfte der Menschen, die sich das Krippenspiel am Heiligen Abend ansehen, würden nicht mehr zur Kirche gehen. „Die Leute können nicht mehr singen“, sagt Gutsche. Schon die einfachsten Kinderlieder würden den Besuchern oft schwerfallen. „Dabei gibt es Studien, die zeigen, dass Menschen, die singen, glücklicher sind“, betont der Pfarrer. Acht Lieder werden auch in diesem Jahr Teil des Krippenspiels sein. Ein Chor, der seit 2014 mit dabei ist, führt durch den Gesang.

Engel stehen im Mittelpunkt

Beim Ausarbeiten der Weihnachtsgeschichte legt Pfarrer Gutsche Wert darauf, den Fokus in jedem Jahr auf eine aktuelle Thematik zu legen. Das sei nun mal seine Aufgabe als Pfarrer. Eine Predigt nach dem Krippenspiel wird es nicht geben, stattdessen wird diese im Stück mit verpackt. Etwa einen Tag braucht Ingo Gutsche, um das Krippenspiel zu schreiben – die Überlegungen zum Stück trägt er aber viele Wochen mit sich herum. „Das Krippenspiel an sich hat ja schon eine Botschaft. Aber in diesem Jahr stehen Engel im Mittelpunkt“, sagt er und verrät: Ein Engel begleitet unsichtbar Maria auf ihrem Weg, leitet sie und gibt ihr Rat. Die Botschaft: „Auch wir können Engel sein. Es ist das A und O für den anderen da zu sein und ihn zu unterstützen“, so der Pfarrer.

Schon vor dem ersten Advent werden dann die Texte und Rollen an die Kinder verteilt. „Wir hängen eine Liste aus, in der sich jeder eintragen kann, der mitmachen möchte“, erklärt Stefan Ehret. Die beliebtesten Rollen? „Ganz klar, die Könige. Die haben nämlich die schönsten Pferde“, sagt er lachend und Gutsche fügt hinzu: „Seltsamerweise ist es am schwierigsten, die Rollen für Maria und Josef zu besetzen.“

„Menschen erreichen, die man sonst nicht erreicht“

2019 schlüpfen der 20-jährige Luca Rademacher und die 19-jährige Anna Jabs in die Hauptrollen. „In diesem Jahr spiele ich den Josef. Vorher war ich schon der Wirt und der König. Ich freue mich schon auf unsere Aufführung am Heiligen Abend, und es ist schön, dass ich mit meiner besten Freundin Anna, die die Maria ist, zusammenspielen kann“, sagt Luca und Anna fügt hinzu: „Ein wenig aufgeregt sind wir schon. Aber wenn man zum vierten Mal dabei ist, ist auch ein wenig Routine dabei. Wir machen sehr gern mit, weil das Krippenspiel etwas Besonderes ist und eine schöne Atmosphäre in der Reithalle herrscht. Und weil wir alle mit unserem Spiel auch eine schöne Botschaft rüberbringen können und vielleicht auch Menschen erreichen, die man sonst nicht erreicht.“

Probe für das Krippenspiel in der Kutzeburger Mühle Am Heiligen Abend laden auch in diesem Jahr der Reit- und Fahrverein Cottbus, der Reiter- und Freizeithof Kutzeburger Mühle sowie die Herrnhuter Brüdergemeine zu ihrem traditionellen Krippenspiel mit vielen Tieren ein. Über der bestimmt erneut gut gefüllten Reithalle wird wieder der Stern von Bethlehem erstrahlen und die Mitwirkenden sowie die Besucher beim Krippenspiel mit Maria und Josef (in diesem Jahr gespielt von Anna und Luca) und der Geburt Jesu in einem Stall auf den Heiligen Abend einstimmen. Der neugierige Esel Josy
© Foto: Michael Helbig

Neben den Kindern gibt es natürlich noch andere Hauptdarsteller, die manchmal störrischer sind als die Jugendlichen: die Tiere. „Ach, wir hatten schon alle möglichen Tiere beim Krippenspiel. Schafe, Pferde, Ponys, Esel, Hund und Ziege“, zählt Ehret auf. Nicht jedes Tier sei dafür geeignet, vor so vielen Menschen aufzutreten, die immer auch eine gewisse Unruhe in die Halle bringen. Doch bisher habe fast immer alles geklappt. Aber nur fast: „Mit einem Tier gab es in einem Jahr Probleme. Ein Rind, das nicht so wollte, wie wir wollten.“

*In einer früheren Version dieses Artikels war noch 17 Uhr als Anfangszeit für das Krippenspiel angegeben. Das ist falsch. Die Veranstaltung beginnt bereits um 16 Uhr.

Krippenspiel


Das Krippenspiel in der Kutzeburger Mühle beginnt Heiligabend um 16 Uhr. Die Reithalle wird ab 15 Uhr geöffnet.