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Trachten stecken im Akkord

Vor fünf Jahren brachten die Sielower 117 Paare in Tracht auf. Dieses Jahr werden es mindestens 140.
Vor fünf Jahren brachten die Sielower 117 Paare in Tracht auf. Dieses Jahr werden es mindestens 140. FOTO: privat
Cottbus. Dirk Albrecht (50) hatte ein großes Ziel: Zur 160. Fastnacht in Sielow wollte er 160 Paare in sorbischer Tracht durch den Ort ziehen lassen. Andrea Hilscher

"So ganz werden wir es wahrscheinlich nicht schaffen", sagt der Sielower. Bisher haben sich 140 Paare bei ihm angemeldet. "Wenn jetzt noch die Tänzer des deutsch-sorbischen Ensembles dazukämen, könnten wir es knapp schaffen", schmunzelt Albrecht.

Gemogelt werden darf bei den Sielowern allerdings nicht: Paare, die hier aufmarschieren wollen, müssen mindestens zur Hälfte Sielower Wurzeln haben. "Dass wir unter diesen Bedingungen so viele Leute mobilisiert haben, ist schon eine stolze Leistung", freut sich Albrecht. Eine Familie wird sogar mit vier Generationen beim Umzug vertreten sein. "Und wenn sich dann alle Paare zum Gruppenfoto aufstellen, wird das schon ein tolles Bild."

Dabei sah es vor einigen Jahren gar nicht mehr so gut aus für die Sielower Fastnacht. Die sorbischen Feste waren zu geschlossenen Gesellschaften geworden, nicht einmal die Jugend durfte mit ins Festzelt zu den "Alten". Irgendwann ging der Nachwuchs auf die Barrikaden, forderte Einlass. Dirk Albrecht: "Ich hatte die jungen Leute dabei unterstützt. Als dann der alte Vorstand der Sielower Männerfastnacht hinwarf, musste ich übernehmen."

Seit 1999 organisiert er gemeinsam mit einem kleinen Festkomitee die Fastnacht. "Wir haben eine öffentliche Veranstaltung daraus gemacht, auf der jeder willkommen ist. Und es wurde tatsächlich von Jahr zu Jahr schöner und größer."

In diesem Jahr haben die Sielower extra ein 600 Quadratmeter großes Festzelt auf dem Sportplatz aufgebaut, anders wären die vielen Gäste nicht unterzubringen. "Es ist ohnehin ein riesiger Aufwand", erzählt Dirk Albrecht. Schon ein Jahr im Voraus hat er zwei Kapellen für den Umzug bestellt. "Musiker sind knapp. Und wenn wir mit so vielen Paaren marschieren, brauchen wir eine Kapelle am Anfang und eine in der Mitte des Zuges." Die freiwillige Feuerwehr wird den Zug begleiten, der am kommenden Sonntag ab etwa 13.30 durch den Ort zieht. Vorher gibt es einen Ehrentanz an der Sportlergaststätte und das traditionelle Gruppenfoto.

Immerhin: 140 bis 160 Paare müssen mit aufs Bild, allein schon das wird eine Herausforderung. Und dann erst die Trachten. "Die meisten Sielower haben ja ihre eigenen Trachten, manche Frauen leihen sie sich von Verwandten in anderen Dörfern", so Dirk Albrecht. Doch während die Männer ihren Anzug und den Fastnachtsstrauß allein hinbekommen, brauchen die Frauen Hilfe: Bereits ab acht Uhr morgens werden die ersten Anziehfrauen loslegen, damit alle Damen pünktlich fertig werden. Dann heißt es: Trachten stecken im Akkord.

Durchs Dorf ziehen die Paare in zwei Reihen: rechts die Verheirateten, links die Jugend. "Und sogar Hauben werden wir wieder dabeihaben, die Jugend will diese Tradition wiederbeleben", freut sich Albrecht.

Sonntagnachmittag wird auf jeden Fall halb Sielow auf den Beinen sein. Wer nicht in Tracht mitläuft, steht Spalier - und muss im Zweifel mit jedem Bekannten einen Schnaps trinken. "Am besten vorher einen doppelten Leinöl trinken, das hilft beim Durchhalten", weiß Dirk Albrecht aus Erfahrung. Und wenn nicht? "Wer nicht mehr laufen kann, wird im Bollerwagen nach Hause gefahren."

Zum Thema:
Am Samstag, 4. März, feiert die Jugend Fastnacht im Zelt auf dem Sportplatz. Beginn 20 Uhr, Ende gegen 2 Uhr nachts. Es spielt die Gruppe Jolly Jumper. Eintritt 8 Euro.Am Sonntag, 5. März, beginnt der Umzug gegen 13.30 Uhr. Er führt über die Sielower Chaussee bis zur Grenzstraße, weiter über die Cottbuser Straße bis zur Sielower Mittelstraße. Das Abendessen ist für 19.30 Uhr geplant, der Fastnachtstanz dauert bis etwa 1 Uhr nachts. Eintritt für Besucher 8 Euro, Trachtenpaare zahlen 45 Euro (Essen inbegriffen).