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| 02:33 Uhr

Trabi und Jaguar im Gefängnishof

Mehr als 100 historische Fahrzeuge rollten zum Cottbuser Menschenrechtszentrum.
Mehr als 100 historische Fahrzeuge rollten zum Cottbuser Menschenrechtszentrum. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Mehr als 100 aufpolierte Oldtimer waren auf den Hof des früheren Zuchthauses Cottbus, dem heutigen Menschenrechtszentrum, aufgefahren. Zahlreichen Besucher staunten. Michael Helbig / mih1

Jede Menge Trabis und Wartburgs sind gekommen, kuglig geformte BMW Isetta, Jaguars, ein Opel aus dem Baujahr 1935, Jeeps der Sowjetarmee und ein original erhaltener Trabant Kübel der ehemaligen Grenztruppen der DDR.

Auch einen Barkas, der in der DDR als Gefangenentransporter genutzt worden war und heute zum Bestand des Menschenrechtszentrums gehört, konnte aus nächster Nähe betrachtet und bestiegen werden. "Alles einheitliche Lampen, die an der Decke des Transporters und auch außen montiert sind", so ein Besucher, nachdem er wieder herausgeklettert war. "Die Lampen gab es an Trabis, am Anhänger HP 280/11-1, am LKW ELO Robur. Je nach Funktion als Bremslicht oder als Blinklicht war die Form die gleiche und nur die Farben der Abdeckungen eben anders. Es gab ja nischt."

Es wurde viel gefachsimpelt beim historischen Fahrzeugtreffen auf dem ehemaligen Gefängnishof. Viele Besucher nutzten auch die Gelegenheit, sich den Führungen durch die Gedenkstätte anzuschließen. Edgar Eisenkräzer war einer derjenigen, die Besuchergruppen herumführten. Dabei erzählte er auch, wie er 1982 hier inhaftiert war und sich zusammen mit einem Mitgefangenen aus der Isolierzelle "herausgelöffelt" hatte. Mühevoll hatte er mit einem Alulöffel den Putz an den Gitterstäben herausgekratzt und die Ablenkung eines Wärters - es war gerade Fußball-Weltmeisterschaft - zur Flucht genutzt. Allerdings war er nur fünf Tage frei, dann musste er sich den Verfolgern stellen. "Ich wache noch heute in mancher Nacht schweißgebadet auf und durchlebe die Flucht erneut", erzählte Edgar Eisenkräzer den Besuchern.

Dass hier ein historisches Fahrzeugtreffen stattfindet, findet er trotzdem in Ordnung. "Auch das ist ja neuere deutsche Geschichte" fügte er hinzu. So sieht es auch Sylvia Wähling, die Leiterin des Cottbuser Menschenrechtszentrums. "Der Tag der Deutschen Einheit ist ja ein Tag der Freude. Und wenn die Besucher an solch einem Tag Freude an den historischen Fahrzeugen haben und bei dieser Gelegenheit auch noch etwas über uns erfahren und zum Nachdenken über Geschichte angeregt werden, ist das doch schön."