ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:42 Uhr

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Autofahrer
Nach Tod von Ägypterin in Cottbus: Ermittlungen wegen Rassismus eingestellt

An der Haltestelle vor der Cottbuser Stadthalle hat sich der Unfall ereignet.
An der Haltestelle vor der Cottbuser Stadthalle hat sich der Unfall ereignet. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Vor einem Jahr wurde in Cottbus eine Ägypterin bei einem Unfall getötet. Gegen den Autofahrer wird nun Anklage erhoben. Das Thema rassistische Beleidigungen ist hingegen vom Tisch. Von Peggy Kompalla

Nach dem Unfalltod einer ägyptischen Studentin im Jahr 2017 in Cottbus hat die Staatsanwaltschaft nun gegen den Fahrer Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben. Darüber informiert der Cottbuser Amtsgerichtsdirektor Michael Höhr. Gleichzeitig sind die Ermittlungen wegen rassistischer Beleidigungen eingestellt worden, wie Oberstaatsanwalt Bernhard Brocher bestätigt.

Am frühen Morgen des Karsamstag 2017 kam es gegen 0.27 Uhr zu dem folgenschweren Unglück an der Haltestelle vor der Stadthalle. Dabei stieß das Auto mit einer Fußgängerin zusammen. Bei dem Aufprall erlitt die junge Frau schwere Kopfverletzungen, an denen sie drei Tage später verstarb. Der Angeschuldigte war mit seinem Auto zu schnell unterwegs. Einem Gutachten zufolge mit 50 km/h. In dem Bereich gilt allerdings eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass bei Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit die tödlichen Folgen für das Unfallopfer vermeidbar gewesen wären. Dabei stützt sich die Staatsanwaltschaft laut Anklageschrift auf vorliegende Gutachten des Brandenburgischen Landesinstitutes für Rechtsmedizin sowie eines Sachverständigen der Dekra.

Der Angeklagte war zum Unfallzeitpunkt 20 Jahre alt. Der Fall wird vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Cottbus verhandelt. Über die Eröffnung des Hauptverfahrens hat das Amtsgericht noch nicht entschieden, wie der Direktor mitteilt. In der Anklageschrift sind demnach neben den beiden Sachverständigen 19 Zeugen benannt. Über die Zulassung der Nebenklage durch die Eltern der Toten sei noch nicht entschieden.

Gleichzeitig hat die Staatsanwaltschaft Cottbus die Ermittlungen zu den rassistischen Beleidigungen des Unfallopfers eingestellt. „Die Beweislage gibt es nicht her“, sagt Oberstaatsanwalt Bernhard Brocher. Demnach sind sämtliche Unfallzeugen - darunter Notarzt, Sanitäter, Polizei und Feuerwehr - befragt worden. „Ohne jegliches Ergebnis“, betont der Oberstaatsanwalt. „Keiner kann zu den Vorwürfen etwas konkret sagen.“ Eine junge Zeugin hatte behauptet, dass der Beifahrer des Unfallautos die schwer verletzte ägyptische Studentin rassistisch beleidigt hat. „Aber in der Vernehmung stellte sich dann heraus, dass die Vorwürfe gar nicht aus eigenem Erleben gemacht wurden“, so Brocher.