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| 02:33 Uhr

Tiger-Teenager fühlen sich im Cottbuser Tierpark wohl

Masat und Tangse suchen die Nähe des anderen, sind besonders in den kühlen Morgen- und Abendstunden aktiv.
Masat und Tangse suchen die Nähe des anderen, sind besonders in den kühlen Morgen- und Abendstunden aktiv. FOTO: Helbig/mih1
Cottbus. Entspannt liegen sie im hohen Gras, nur ein leises Zucken des Schwanzes und das vorsichtige Spiel der Ohren verrät, dass Masat und Tangse sehr genau registrieren, was um sie herum geschieht. Ein kleiner Dackel am Zaun wird argwöhnisch beäugt, ein Schlüsselrasseln mit einer leichten Drehung des Kopfes beantwortet. Andrea Hilscher

Seit Mitte Mai leben die Zwillingsbrüder im Cottbuser Tierpark. "Die Tiger haben zwar vom ersten Tag an ihr Gehege erkundet, aber man hat ihnen dennoch eine gewisse Unsicherheit angemerkt", erzählt Tierparkchef Jens Kämmerling. Inzwischen haben sie sich mit den Geräuschen und Gerüchen ihrer neuen Umgebung vertraut gemacht, und auch die Besucher an allen Seiten des Außengeheges bringen sie nicht mehr aus der Ruhe. "Es ist schön, dass die beiden hier zu zweit in Ruhe erwachsen werden können", sagt Kämmerling.

Die Sumatratiger stammen aus einem Zoo im französischen Beauval, und dass sie nun in Cottbus leben, ist das Ergebnis einer komplizierten, letztlich aber glücklich endenden Geschichte. Ursprünglich, so erzählt der Tierparkchef, wollte er zwar gerne die kleinen, selten gehaltenen Sumatratiger nach Cottbus holen.

"Doch als uns vor drei Jahren die malaiischen Tigerkatzen Kara und Sita angeboten wurden, haben wir zugestimmt und gehofft, dass wir einen passenden Kater bekommen." Das aber stellte sich als schwierig heraus. Und lange konnte man bei den längste erwachsenen Katzen Kara und Sita auch nicht mehr warten, bis man mit der Zucht begann. "Außerdem haben sich die Damen schlichtweg nicht vertragen."

Kara wurde also kurzerhand nach Frankreich gebracht, dort mit einem aus Prag stammenden Kater zusammengeführt - und siehe da, die beiden verstehen sich prächtig und können bereits zusammen in den Auslauf. Das Experiment hat so gut geklappt, dass auch die zurückgebliebene Sita im Herbst nach Frankreich umzieht. "Und wir hoffen, dass sie oder Kara oder beide Katzen dann Nachwuchs bekommen."

Für Cottbus ist damit das Thema der Malaiischen Tiger abgeschlossen, im Kapitel der Sumatratiger wurde mit Masat und Tangse eine neue Seite aufgeschlagen. "Der Londoner Zoo, der das entsprechende Zuchtprogramm führt, hat sich bereits bei uns nach den Daten der Kater erkundigt", so Kämmerling. Europaweit werde nun nach einer passenden Katze gesucht, die das Duo in Cottbus ergänzen kann.

In einem oder eineinhalb Jahren wäre ein guter Zeitpunkt, die Kater zu verpaaren. "Durch unsere zwei Gehege können wir einen überzähligen Kater oder auch die Mutter mit den Jungtieren gut auseinandersperren", erzählt Kämmerling, der schon jetzt sichtlich stolz auf seine Neuzugänge ist. Noch haben sie das etwas flauschigere Jungtierfell, doch beim etwas dunkleren Masat entwickelt sich schon der für Sumatratiger typische Backenbart.

Die Teenager verbringen den ganzen Tag auf der großzügig gestalteten Außenanlage, liegen gern auf dem kleinen Hügel und beobachten, was sich im Tapirgehege so tut. Teile des frisch angepflanzten Schilfs haben sie schon wieder ausgebuddelt, trotzdem wirkt das Gelände abwechslungsreich und bietet ausreichend Verstecke für die Tiere. Bei Hitze verkriechen sie sich in den Schatten, liegen möglichst nah am Wasser. "Leider haben sie sich noch nicht in den Spreearm getraut", bedauert Kämmerling. "Sie hatten in Frankreich auch einen Teich, aber bei uns sind sie noch wasserscheu."

Abends, wenn die letzten Besucher gegangen sind, holt der Spätdienst im Revier die beiden Tiger wieder ins Raubtierhaus - mit ein paar Brocken Rindfleisch lassen sie sich mühelos anlocken. Gefressen wird inzwischen getrennt, damit jeder in Ruhe satt werden kann. Die Nacht dürfen die Jungs dann wieder zusammen schlafen - selbst mit 18 Monaten ist so ein Kater noch froh, wenn er im Dunkeln ein bisschen Gesellschaft hat.