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| 18:42 Uhr

Cottbuser Tierpark
Artenschutz zwischen Erholung und Bildung

Sumatratiger, wie hier Masat und Tangse aus dem Cottbuser Tierpark, sind vom Aussterben bedroht.
Sumatratiger, wie hier Masat und Tangse aus dem Cottbuser Tierpark, sind vom Aussterben bedroht. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Im Tierpark Cottbus spielt Artenschutz eine wichtige Rolle. Von Josephine Japke

50 000. So viele beschriebene Tierarten gibt es allein in Deutschland. „Wir brauchen nicht bis in den Regenwald zu schauen: Auch hier gibt es Artenvielfalt und auch hier verschwinden jedes Jahr Arten durch Flutungen, Rodungen und andere Eingriffe in die Natur“, stellt Dr. Jens Kämmerling, Direktor des Cottbuser Tierparks, klar. Dem entgegen zu wirken, ist eine der wichtigsten Aufgaben von Zoos und Tierparks.

Über 1200 Tiere in 170 Arten und Gattungen können im Cottbuser Tierpark beobachtet werden. Etwa zehn Prozent davon gelten als gefährdet oder sind Teil von Zuchtprogrammen.

Tierparks und Zoos haben eine besondere Rolle im Natur- und Artenschutz. Zu ihren Aufgaben zählen nicht nur der Schutz von Tieren und Natur, sondern auch Forschung, Bildung und Erholung. Alles zu vereinbaren, ist kein leichtes Unterfangen. „Wir brauchen uns nichts vormachen: Die meisten Menschen wollen auf ihrem sonntäglichen Spaziergang durch den Tierpark nicht gebildet oder bekehrt werden. Sie suchen schlicht und ergreifend Erholung“, sagt Jens Kämmerling bestimmt.

Auf das Schicksal bestimmter Arten könne man nur mittels Emotionen aufmerksam machen. Infotafeln und Gehegeschilder, auf denen das bedrohte Leben der Tiere in freier Wildbahn oder die immer drastischer sinkende Population veranschaulicht wird, würden Besucher in Cottbus zum Nachdenken anregen. Die neusten Schilder im Tierpark Cottbus zeigen zudem die Gefährdungsstufe des Tieres. Trotzdem kommt immer wieder die Frage auf, warum man eine Tierart schützen sollte. Was macht es für einen Unterschied, ob es Breitmausnashörner, Sumatratiger oder Oran Utans gibt oder nicht?

„Das ist ein egoistisches Denken, denn es geht nicht nur darum, welchen Nutzen die Tiere für uns Menschen haben, sondern um ihr jeweiliges Ökosystem“, versucht Jens Kämmerling die schwierige Frage zu beantworten. Schlussendlich reden wir von Lebewesen - und jedes Lebewesen ist schützenswert.

Der Tierpark Cottbus hat schon an diversen Programmen zum Artenschutz teilgenommen. In der Aktion Zwerggans sollte den zutraulichen Cottbuser Vögeln eine neue Flugroute vom Lappland zum Niederrhein gezeigt werden. Auch Moorenten gibt es im städtischen Tierpark so viele, dass sie nach ganz Europa geschickt werden, um sie andernorts wieder neu anzusiedeln.

Tiere, die laut Internationaler Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen (IUCN) gefährdet sind, findet man auch im Tierpark Cottbus. Wildpferde, Java-Bantengs (Ochsen-Art) oder chinesische Leoparden, zum Beispiel. Hinzu kommen Hawaiigänse, Löwenäffchen und Afrikanische Marabus.

All diese Tiere werden keineswegs in freier Wildbahn gefangen und dann in Zoos eingesperrt. Die meisten Tiere im Tierpark Cottbus und auf der ganzen Welt wurden in Gehegen geboren. „Trotzdem sind es immer noch Wildtiere, das darf man nicht vergessen“, sagt Jens Kämmerling. Diese Tiere könnten zwar auch in der freien Wildbahn überleben, der Prozess des Auswilderns würde allerdings Jahrzehnte dauern. Sinnvoll oder nötig sei das häufig allerdings nicht. „Das ist zwar extrem medienwirksam, trägt zum Artenschutz aber nur selten etwas bei“, erklärt der Fachmann. Vor Jagdfang, Wilderei und zerstörten Lebensräumen könne man die Tiere so nicht bewahren. Möglich sei das häufig nur in Zoos oder Tierparks.

Aktuell wird geprüft, ob ein China-Leopard nach Cottbus kommen könnte. Ein Wunsch von Jens Kämmerling sind auch Riesenotter, die bedroht sind, für die es Zuchtprogramme gibt und die gut in die Cottbuser Parklandschaft passen würden. Solche „Anschaffungen“ sind allerdings mit Planung verbunden. „Transport, Haltung, Fütterung und Pflege sowie der Bau eines geeigneten Geheges müssen überdacht und finanziert werden“, erklärt der Tierpark-Direktor. Erst kürzlich legte Jens Kämmerling dem Bildungsausschuss einen Zehn-Jahres Plan vor, der aufzeigt, dass für Sanierungen und Investitionen etwa 14 Millionen Euro benötigt werden. Auf Riesenotter werden die Cottbuser also noch eine Weile warten müssen. 

Blick in der "Kinderstube" des Cottbuser Tierparks - hier sind derzeit zahlreiche Jungtiere zu bewundern.Nachwuchs bei den Java Bantengs - den asiatischen Wildrindern.
Blick in der "Kinderstube" des Cottbuser Tierparks - hier sind derzeit zahlreiche Jungtiere zu bewundern.Nachwuchs bei den Java Bantengs - den asiatischen Wildrindern. FOTO: Michael Helbig