Mit intensiven Suchen, verstärkter Bejagung und umfassenden Untersuchungen toter Wildschweine will sich Brandenburg gegen die Afrikanische Schweinepest wappnen. Auch über das Aufstellen von mobilen Wildschutzzäunen wird nachgedacht, wie Brandenburgs Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Dienstag in Potsdam mitteilte. Erste Zäune habe das Land bereits angeschafft. Über den Einsatz wolle man sich mit Polen, den daran angrenzenden Bundesländern und dem Bund abstimmen.

Wildschweine durchstreifen die Kommunen

Wie in anderen Kommunen des Landes auch, so durchstreifen Wildschweine ebenso Cottbuser Wohngebiete. Dabei verwüsten sie auf der Suche nach Nahrung Gärten und Friedhöfe und machen selbst vor Sportplätzen nicht Halt.

In der Nacht zum Donnerstag war im Brandenburger Ring im Cottbuser Stadtteil Gallinchen gegen 3 Uhr eine Rotte von mindestens sechs Tieren unterwegs. Dort durchwühlten sie das Laub unter den Eichen nach Fressbarem.

Autofahrer sollten also damit rechnen, dass sie mitten in der Stadt mit Wildschweinen rechnen müssen, die plötzlich die Straße überqueren.

Brandenburg noch ohne Pest-Fall

„Noch gibt es in Brandenburg keinen ASP-Fall. Wir sind aber für den Ernstfall gerüstet“, sagte Nonnemacher. Noch im Laufe dieser Woche will das Ministerium eine Anordnung zur verstärkten Bejagung in sieben Landkreisen entlang der Grenze zu Polen und den kreisfreien Städten Cottbus und Frankfurt (Oder) erlassen.

Außerdem soll innerhalb von 15 Kilometern bis zur polnischen Grenze in den Landkreisen Spree-Neiße und Oder-Spree sowie in Frankfurt (Oder) verstärkt nach totem Wild gesucht werden. Derzeit könne niemand sagen, in welche Richtung sich die Schweinepest weiter ausbreite, sagte Brandenburgs Landestierarzt Stephan Nickisch. „Das Risiko ist hoch“, sagte er. Täglich könne ein Fall eintreten.

Blutproben von verendeten Tieren

„Je früher ASP erkannt wird, desto größer sind die Chancen, einen möglichen Ausbruch der Seuche in unserem Schwarzwildbestand erfolgreich zu bekämpfen“, so Nonnemacher. Dazu beabsichtige das Ministerium, für jedes verendete Wildschwein in den grenznahen Landkreisen und kreisfreien Städten die Entnahme einer Blutprobe verpflichtend zu machen. Bislang sind die Entnahmen freiwillig.

Das Virus war am Dienstag vergangener Woche bei einem toten Wildschwein in der Nähe von Nowogrod Bobrzanski in der polnischen Woiwodschaft Lebus gefunden worden. Der Ort liegt rund 40 Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt. Polen hat inzwischen mehr als 100 Kilometer Schutzzäune aufgestellt, wie der polnische Landwirtschaftsminister Jan Krzysztof Ardanowski dem Politmagazin „Wprost“ sagte.

Polnische Soldaten als Wildschwein-Jäger

Im Kampf gegen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest will Polen seiner Armee und Polizei den Abschuss von Wildschweinen erlauben. Eine entsprechende Gesetzesänderung werde er bald ins Parlament einbringen, sagte Landwirtschaftsminister Jan Krzysztof Ardanowski am Mittwoch dem Radiosender Jedynka.

Polen habe ein großes Problem seit dem jüngsten Ausbruch der Schweinepest im Westen das Landes. „Ohne Abschuss schaffen wir es nicht.“ Derzeit gebe es aber keine Regelungen für den Einsatz der Armee für diese Aufgabe, auch sei der Abschuss von Wildschweinen durch die Polizei nicht vorgesehen.

(mit dpa)