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| 11:24 Uhr

Stadtpolitik
Tiefe Gräben in Saspow

Der Orstrundgang in Saspow offenbarte, vor welchen ungelösten Problemen der Ortsteil steht.
Der Orstrundgang in Saspow offenbarte, vor welchen ungelösten Problemen der Ortsteil steht. FOTO: LR / Hilscher Andrea
Cottbus. Langjährige Streitereien um Bauflächen für Eigenheime spalten den dörflichen Ortsteil. Von Andrea Hilscher

Strahlender Sonnenschein, das Wochenende in greifbarer Nähe. Der Oberbürgermeister und Vertreter der Verwaltung haben sich zum Ortsteilrundgang in Saspow angesagt. Und eigentlich hätte Bernd Kamenz, langjähriger Leiter des Heimat- und Trachtenvereins viel Positives zu berichten. Über das Grabensystem zum Beispiel, dass durch Pflegemaßnahmen deutlich verbessert wurde. Stattdessen spielen Gräben ganz anderer Art die Hauptrolle an diesem Nachmittag – die Gräben zwischen verschiedenen Lagern in dem kleinen dörflichen Ortsteil.

Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) nimmt kein Blatt vor dem Mund. „In keinem anderen Teil von Cottbus gibt es derart viel Streit wie hier in Saspow. Der Ortsteil wird auseinandergerissen, es haben sich tiefe Gräben aufgetan.“ Seit einigen Jahren wird in dem idyllischen Ort darum gerungen, wo genau künftig neue Wohnbebauung zugelassen wird. „Sicher kein unwichtiges Thema“, gibt Kelch zu. „Aber Ihr müsst Euch auch um ganz andere Sachen kümmern. Die Straßen sind in einem bescheidenen Zustand, Fuß- und Radwege sind marode.“

Die anwesenden Saspower wollen sich aber zunächst dennoch ihren  Frust von der Seele reden. Ortswehrführer Armin Thiel zum Beispiel hat Jahre dafür gekämpft, dass seine Tochter auf heimischem Grund in zweiter Reihe bauen durfte. Das wurde nicht genehmigt, als Kompromiss wurde dann der Abriss eines alten Hauses und der Neubau an gleicher Stelle erlaubt.

Jens Taschenberger ist erst seit eineinhalb Jahren Einwohner von Saspow, mit wunderschönem Blick ins Grüne. Er kämpft darum, dass dieser Blick erhalten bleibt und nicht durch neue Wohnbebauung beeinträchtigt wird. Horst Richart dagegen ist der festen Überzeugung, dass ein Zuzug der Gemeinde guttut. Der Grundstücksbesitzer ist dafür, Bauland im jetzigen Außenbereich auszuweisen. Eine Klage über den kniffligen Sachverhalt ist beim Verwaltungsgericht anhängig.

Denn: Seit 1968 liegt Saspow zu mehr als der Hälfte im Landschaftsschutzgebiet Spreeaue Cottbus-Nord. Das Schutzgebiet reicht von der Spree bis zur Saspower/Skadower Hauptstraße und teilt damit das Dorf. Anwohner der Straßen Saspower Waldrand und Zur Spreeaue fürchten, dass mit einer Aufweichung des Schutzstatus auch eine Bebauung im Außenbereich möglich wird. Eine verfahrene Lage.

„Ich biete Euch an, einen Mediator zu bezahlen, mit dem Ihr Euch zusammensetzen könnt“, sagt der OB und schlägt den Döbbricker Holger Thomas für diese Aufgabe vor. „Im nächsten Jahr könnt Ihr zum ersten Mal einen Orstbeirat wählen. Das bringt aber nur etwas, wenn Ihr Euch einig seid, was Ihr wirklich wollt“, so Kelch. Erst Murren, dann Nachdenken und vorsichtige Zustimmung. „Wir wollen reden“, sagt Armin Thiel und auch Karsten Gohr von der Initiativgruppe Ortsbeirat nimmt das Gesprächsangebot an. Horst Richart dagegen lehnt ab. „Wir warten auf das Urteil des Verwaltungsgerichts.“

Bei der Überlastung des Gerichtes ist es unwahrscheinlich, dass noch vor der wichtigen Ortsbeiratswahl eine Entscheidung fällt. Und so bringen die zerstrittenen Parteien schon jetzt mögliche Kandidaten in Stellung, um in dem Gremium möglichst viel Einfluss zu gewinnen.

Für die übrigen Sorgen der Saspower bleibt trotz aller Querelen noch Zeit. Es geht um schlechte Straßen, um Probleme mit dem Winterdienst, gefährliche Schulwege und unbeleuchtete Straßenverbindungen. Mit einem kleinen Ärgernis kann der OB dann auch noch aufräumen. Nach Klagen über Müll, den Flüchtlingen beim Grillen an der Spree hinterlassen haben sollen, hat er sich mehrfach aufs Rad gesetzt und nachgeschaut. „Die Flüchtlinge hatten Müllsäcke dabei und alles wieder aufgeräumt“, sagt er. Müll hätten nur Angler im Bereich der Spreewehrmühle hinterlassen. Deutsche Angler.