ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:52 Uhr

Theatertreff in Cottbus
„Das kann nur der Anfang sein“

Theatertreff in der Kammerbühne des Cottbuser Staatstheaters am Montagabend: Moderator Hellmuth Henneberg im Gespräch mit Ballettdirektor Dirk Neumann.
Theatertreff in der Kammerbühne des Cottbuser Staatstheaters am Montagabend: Moderator Hellmuth Henneberg im Gespräch mit Ballettdirektor Dirk Neumann. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Auch als Ballettdirektor muss sich Dirk Neumann für seine Sparte stark machen. Von Ida Kretzschmar

Seit diesem Sommer ist die Ballettkompagnie des Staatstheaters Cottbus wieder eine eigenständige Sparte. Auch der Förderverein hat sich für das einzige theatereigene Ballettensemble im Land beim Brandenburgischen Kulturministerium eingesetzt. Ein Grund mehr, Dirk Neumann, der sich nun Ballettdirektor nennen darf, einzuladen zum Theatertreff. Auf die Frage aus der Zuhörerschaft, ob er sich damit zufrieden geben wird, dass seine erstklassige Ballett-Truppe, die vordem formal zum Musiktheater gehört hatte, nun geadelt wurde, antwortet er Montagabend in der Cottbuser Kammerbühne unmissverständlich: „Das kann nur der Anfang sein. Wir nerven weiter!“

Eine Anzahl von acht Tänzern ist für die Sparte eines Staatstheater nicht eben eine angemessene Größe. Umso erstaunlicher, was diese kleine Kompagnie mit Dirk Neumann an der Spitze zuwege bringt, wie sie, gelegentlich mit einer Vielzahl von Gästen verstärkt,  mit Uraufführungen und meisterhaften Choreografien auf sich aufmerksam macht, stellt auch Helmuth Henneberg fest, der mit dem Ballettdirektor an diesem Abend über Werdegang und Tanzkunst plaudert. Der Moderator weiß von der sehr langen, wechselvollen Geschichte, in der das Cottbuser Ballett Höhepunkte erlebte und Tiefpunkte, die nicht der künstlerischen Qualität, sondern den Umständen geschuldet waren.

Die gegenwärtige Hoch-Zeit aber habe viel mit der Hartnäckigkeit und dem Drang nach künstlerischer Perfektion von Dirk Neumann zu tun.

Im Gespräch verrät dieser, dass seine Tanzleidenschaft durch den „Kessel Buntes“ geweckt wurde. „Ich habe diesen erstklassigen Showtanz immer bewundert. Dieses Fernseherlebnis hat mich dann auch ins Theater geführt“, erzählt er. Im Opernhaus Leipzig und in der Musikalischen Komödie, wo er dann später auch engagiert war, habe er dann richtig Appetit auf den Beruf bekommen. So hat er mit 14 eine fünfjährige Ausbildung an der Fachschule für Tanz in Leipzig begonnen. „Ich wusste, was ich wollte“, sagt er, wobei seinen Eltern, Mutter war OP-Schwester, Vater Sportlehrer, manches Aber dazu einfiel. Und es dauerte ein Weilchen, als er von ihnen hörte: „Aber schön!“

Sein erstes Engagement hatte er  beim Erich-Weinert-Ensemble bei der NVA: „Die Vielfalt der choreografischen Stile hat mich angezogen. Von Klassik über Show bis zur Folklore konnte ich zauberhaft viel lernen“, betont er und gibt dann eine Episode zum besten, wie er durch eine Rumänien-Tournee, die kurzerhand ins Wasser fiel, fast  um die ganze Grundausbildung herumkam. Gemeinsam mit dem Moderator plaudert er von „seligen Momenten“ auf den Leipziger Bühnen. Von den künstlerischen Impulsen, die von Meisterchoreografen wie Uwe Scholz kamen, gewinnen die Zuschauer hier selbst einen Eindruck, als legendäre Tanzbilder über die Leinwand flimmern. „Wie Synchronschwimmen“, assoziiert Henneberg.

Im September 2005 erhält Dirk Neumann ein Engagement als Tänzer am Staatstheater Cottbus. Ein Einjahresvertrag zunächst, erzählt er. Schon ein Jahr darauf ist er an diesem Haus Ballettmeister, der so hochkarätig zu arbeiten versteht, dass er nun zum Ballettdirektor gekürt wurde. „Hierarchien, wo Solisten mit Gruppentänzern nicht mal in der Kantine an einem Tisch sitzen“, lehnt Dirk Neumann ab: „Bei uns geht es um Motivation“, bekräftigt der Ballettdirektor, der  großartige Choreografen anzulocken vermag und selbst für Publikumsrenner zu sorgen versteht. Theaterabergläubisch  vertraut er auch auf sein Glück. Zum Beweis stülpt er seine Hosentasche um: „Ein Cent muss immer drin sein.“