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| 02:34 Uhr

TheaterNative Cottbus: Schauspieler 18 Monate ohne Gage beschäftigt

Sebastian Thiele (r.) hätte als junger Knecht in "Der Watzmann ruft" auf der Bühne stehen sollen (Szene mit Peter Hartmann). Kurz vor der Premiere kam es zum Eklat.
Sebastian Thiele (r.) hätte als junger Knecht in "Der Watzmann ruft" auf der Bühne stehen sollen (Szene mit Peter Hartmann). Kurz vor der Premiere kam es zum Eklat. FOTO: Ufer/rur1
Cottbus. Eine abgesagte Vorstellung, eine verschobene Wiederaufnahmepremiere und ein eilends aus Berlin herbeigeholter neuer Darsteller – bereits in der vergangenen Woche rumorte es kräftig bei der TheaterNativeC. Wie schwerwiegend die Probleme hinter den Kulissen sind, zeigen jetzt Vorwürfe, die der junge Schauspieler Sebastian Thiele im RUNDSCHAU-Gespräch erhebt. Ulrike Elsner

Verzweifelt, aber dennoch ruhig und sachlich schildert Sebastian Thiele seine Situation. "Ich bin seit Dezember 2011 bei der TheaterNative C beschäftigt und habe seitdem noch kein Gehalt gesehen", sagt der ausgebildete Film- und Bühnenschauspieler. Klar könnten an einer so kleinen Bühne nicht die gleichen Gehälter wie am Staatstheater gezahlt werden. "Aber ich bin schlechter dran als jeder Hartz-IV-Empfänger", so Thiele. In einer Aussprache mit Theaterchef Gerhard Printschitsch habe er deshalb erklärt: "Wenn ich nicht bezahlt werde, stelle ich die Arbeit ein."

Wer den 29-jährigen Cottbuser kennt, weiß, dass ihm das nicht leicht gefallen ist. Er selbst sagt über sich: "Ich will spielen. Ich liebe diesen Job. Ich will auf der Bühne stehen, aber ich will auch dafür bezahlt werden."

Das kann der Landtagsabgeordnete Jürgen Maresch (Die Linke) gut verstehen. Auch ihm hat der junge Schauspieler sein Herz ausgeschüttet. Und Maresch ist ein Mann der Tat. Bereits am Montag hat er Anzeige erstattet. Das Schicksal des Schauspielers sei kein Einzelfall. Andere Schauspieler hätten ihn über ähnliche Vorfälle am Theater informiert. Jürgen Maresch: "Diesbezügliche Beweise liegen mir vor. (…) Auch in sonstigen Dingen scheint das Geschäftsgebaren in diesem Theater sehr umstritten." Weil ihm damit seiner Meinung nach "kriminelles Handeln bekannt gemacht wurde", so der Ex-Polizist, "habe ich mich entschlossen, Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Cottbus gegen Unbekannt wegen Betrugs, Vorhalt von Arbeitsentgelt und anderem zu stellen."

Weil die TheaterNative unbedingt zu Cottbus gehöre und auch mit Geld der Stadt Cottbus unterstützt werde, müssten "die massiven Vorwürfe von mehreren Schauspielern rückhaltlos aufgeklärt" werden. Dabei gehe es um den Erhalt eines wichtigen Kleinodes in der Stadt.

Oberstaatsanwältin Petra Hertwig bestätigt den Eingang der Anzeige. Die Vorwürfe würden jetzt geprüft. Als Anlage habe sie ein Kündigungsschreiben eines weiteren TheaterNative-Schauspielers enthalten, der offenbar drei Jahre lang keine Gage bekommen hat und für den während dieser Zeit auch keine Sozialabgaben überwiesen wurden.

Auch im Rathaus ist der Fall TheaterNative C angekommen. "Gerhard Printschitsch hat uns seine Position erklärt und uns darüber informiert, dass er sich von einem Anwalt vertreten lässt", so Kulturamtsleiter Bernd Warchold. Mehr wolle und könne er angesichts des laufenden Verfahrens nicht sagen. Die Stadt Cottbus fördert die Spielstätte in der Petersilienstraße und den Cottbuser Theatersommer jährlich mit insgesamt 50 000 Euro.

Der Theaterchef verwahrt sich gegenüber der RUNDSCHAU gegen den Vorwurf, Sebastian Thiele widerrechtlich Gage vorenthalten zu haben. Gerhard Printschitsch: "Er hat geradezu darum gebettelt, mitspielen zu dürfen. Der Vorstand wusste, dass er kein Geld bekommt. Er wollte auch kein Geld haben, weil es ihm, wie er sagte, ohnehin von Gläubigern weggenommen würde."

Sebastian Thiele kann sich über eine solche Aussage nur wundern. "Ich habe von Beginn an darum gebeten, die Frage der Bezahlung zu klären", sagt er, "bin aber immer wieder hingehalten worden."

Weshalb, darauf kann sich der Schauspieler selbst keinen Reim machen. An seiner Leistung im Ensemble kann es jedenfalls nicht liegen. "Ich kenne Sebastian als fleißigen, engagierten und freundlichen Kollegen", berichtet Annett Wohlgethan, die mit dem 29-Jährigen oft zusammen auf der Bühne gestanden hat. "Er hat viele große Rollen gespielt und ist ein Zugpferd der TheaterNative." Deren Spielbetrieb läuft übrigens weiter. Darauf hinzuweisen, legt Gerhard Printschitsch Wert.