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Theaternative C: Turbulente Schlagerrevue-Premiere

Suzanne Kockat und Hauke Tesch ließen bei der Premiere viel "Sonne in ihr Herz".
Suzanne Kockat und Hauke Tesch ließen bei der Premiere viel "Sonne in ihr Herz". FOTO: Ulrich Littko/bwh1
Cottbus. Wohl kaum ein musikalisches Genre ist so vielseitig wie der Schlager. Manchmal verklärt er die Wirklichkeit etwas oder es werden Gefühle übertrieben besungen. Ulrich Littko

Einerseits soll er alle Gemütslagen beschreiben, andererseits verlangt man Tiefe und Aussagen, die das Leben betreffen. Schlager sind zuweilen auch lustig und alltagstauglich. Egal - es gab und gibt sie immer noch. Manchmal sind die Titel etwas kurzlebiger, manchmal bleiben einige Takte oder Zeilen noch nach Jahrzehnten im Gedächtnis: Das ist dann ein echter Schlager!

Wer die Premiere der Theaternative C "Lass die Sonne in dein Herz" am Freitag in der "Siedlerklause" im Cottbuser Osten miterlebte, wurde sofort in diese Welt versetzt. Das Mitsummen, -singen oder -pfeifen des Publikums, manchmal schon nach den ersten Takten, wie bei "Griechischer Wein" oder dem Evergreen "Marmor, Stein und Eisen bricht", deutete darauf hin, dass sich an diesem Abend eine wahre Schlager-Fangemeinschaft zusammengefunden hatte. Und diese Gemeinschaft kam voll auf ihre Kosten. Auf der Bühne agierte die seit 2003 zum Ensemble der Kleinen Komödie gehörende Suzanne Kockat routiniert und bühnensicher. Nicht nur bei den Solo-Songs wie "Über sieben Brücken musst du gehn", sondern auch im Duett mit Hauke Tesch - hatte sie die Ausstrahlung als Interpretin einer Zeit, die vielen im Publikum nachhaltig in Erinnerung geblieben war. Hauke Tesch, selbst unter anderem einige Jahre Chorist am Staatstheater und vor mehr als 27 Jahren schon einmal auf der Bühne der Kleinen Komödie zu erleben, gesellte sich professionell gesanglich und darstellerisch dazu. Herrlich sein "Himbeereis zum Frühstück" oder mit Suzanne Kockat "Du kannst nicht immer 17 sein"! Für diesen unterhaltsamen Abend mit Musik von Freddy Quinn bis Cliff Richard, Caterina Valente, Mireille Mathieu, den Prinzen und Udo Jürgens zeichnet er auch als Regisseur verantwortlich, sekundiert von Schauspieler Michael Becker. Im zweiten Teil des Programms, wenn die beiden Protagonisten kostümiert als Neandertaler, Putzfrau, Lilli-Fee oder Minnesänger von Liebe und Leid, Begehren und Betrügen, Lustigem und Lästigem singen, erzählen und spielen, wird dem Genre "Schlager" überzeugend Ausdruck verliehen.

Was wäre eine Schlagerrevue aber ohne musikalische Begleitung? Für die sorgte Pianist An dreas König - schwungvoll, stilsicher und mit viel Herzblut glitt er über die Tasten - perfekt ! Damit es auch eine richtige Revue wurde, hatte Peter Hartmann die Choreografien entworfen und damit der Premiere eine bunte Ausstrahlung verliehen. Das Publikum trat mit einem fröhlichen Schlager auf den Lippen den Heimweg an. Sie alle hatten "die Sonne in ihr Herz" gelassen - gut so!