| 02:33 Uhr

Teure Touren mit dem Fahrrad

RUNDSCHAU-Volontärin Jenny Theiler war in dieser Woche mit der Fahrradstreife der Polizei in Cottbus unterwegs.
RUNDSCHAU-Volontärin Jenny Theiler war in dieser Woche mit der Fahrradstreife der Polizei in Cottbus unterwegs. FOTO: Pauline Klitzsch
Cottbus. Donnerstag, 10.17 Uhr am Cottbuser Bonnaskenplatz. Für Revierpolizist Thomas Hempel hat der Dienst bereits um sieben Uhr begonnen. Jetzt begibt sich der Beamte auf Streife durch das Revier Ost in Cottbus-Sandow – mit dem Fahrrad. Jenny Theiler / the

Seit ein paar Wochen sind in Cottbus wieder vermehrt Fahrradpolizisten unterwegs, um Verkehrssünder, zur Ordnung zu rufen. An die Fahrradprüfung aus der Grundschule scheinen viele Cottbuser nur noch sehr vage Erinnerungen zu haben. Dass nämlich auch das Radeln im Straßenverkehr verschiedenen Regeln unterliegt, ist vor allem den älteren Bürgern nicht immer klar.

"Sandow ist mit Fahrradwegen eigentlich sehr gut aufgestellt", erklärt Thomas Hempel. Dennoch gibt es viele Beschwerden, insbesondere im Bereich der Sandower Hauptstraße. Durch die Straße ziehen sich viele Geschäfte, die den ganzen Tag von zahlreichen Fußgängern anvisiert werden. Gegenüber der Haltestelle am Doll postiert sich der Fahrradpolizist und beobachtet das Verkehrsgeschehen. Fahrrad fahren ist auf dem Gehweg nicht erlaubt. Es dauert auch nicht lange, bis die ersten Radfahrer versuchen an Thomas Hempel vorbeizubrausen. "Die Verkehrsordnung besagt, dass das Radfahren auf Gehwegen nur mit ausdrücklicher Beschilderung gestattet ist", erklärt der Polizist einer älteren Dame. Es seien vor allem viele ältere Bürger, die sich ständig über das Verhalten der Jugend im Straßenverkehr beschweren würden, so Thomas Hempel. "Dabei sind es die Älteren, die gegenüber Kindern und Jugendlichen eine Vorbildfunktion haben und diese sehr oft vernachlässigen", erklärt der Polizist der älteren Dame, die sich einsichtig zeigt. Es bleibt bei einer Belehrung. Beim nächsten Mal würde ein Verwarnungsgeld auf die eiligen Radler zukommen.

Von einem unübersichtlichen Schilderwald kann man in Sandow nicht sprechen. Deswegen argumentieren viele Cottbuser mit fehlender oder unzureichender Beschilderung. "Wieso ist das ein Gehweg? Da steht doch nirgends ein Schild", beschwert sich eine Radfahrerin, die ebenfalls auf dem Fußweg der Sandower Hauptstraße unterwegs ist. Das kreisförmige, blaue Schild mit dem Fußgängerpiktogramm fehlt aus Richtung der Sandower Brücke tatsächlich. Dennoch würde die bauliche Beschaffenheit des Gehweges eindeutig zeigen, dass ein Sonderstreifen für Radfahrer nicht vorgesehen ist, erklärt Thomas Hempel. Der Revierpolizist räumt ein, dass solche schwammigen Richtlinien verkehrstechnisch nicht immer einleuchtend sind und deswegen von vielen Bürgern auch nicht erkannt werden.

Es geht weiter in Richtung Carl-Blechen-Grundschule. Die Franz-Mehring-Straße verfügt über einen sauber getrennten Geh- und Radweg in beide Richtungen, der auch als solcher ausgeschildert ist. Dennoch fahren hier viele Radfahrer auf der falschen Seite. Diese Nachlässigkeit kann in der Schulzeit gefährlich werden. Zwei junge Radler sehen ihr Fehlverhalten ein und biegen in die Thomas-Münzer-Straße ab. Nicht immer zeigen sich die Verkehrssünder so einsichtig. "Man hat schon sehr oft mit verschiedenen Charakteren zu tun, auf die man unterschiedlich eingehen muss", betont Thomas Hempel. Ein Rentner erklärt, dass ihm das Gehen Schmerzen bereitet, weswegen er Fahrradfahren müsse. Da seine Frau mit einer Gehhilfe den Fußgängerweg benutzen darf, begleitet er sie in Schrittgeschwindigkeit und glaubt das auch in entgegengesetzte Richtung zu dürfen. Dass sich ältere Bürger oftmals mit ihrem Gesundheitszustand rechtfertigen, würde sehr häufig passieren, erzählt Thomas Hempel. In solchen Fällen rät der erfahrene Polizist zu einem ärztlichen Attest.

Innerhalb einer Stunde hat Thomas Hempel neun Radfahrer an zwei verschiedenen Standorten belehrt. "Das Verhalten im Straßenverkehr orientiert sich sehr oft an der Allgemeinheit", weiß Thomas Hempel. Nicht selten hört der Polizist die Ausrede: "Es machen doch alle so."

Dass Unwissenheit nicht vor Strafe schützt, bekommt eine junge Radfahrerin zu spüren, die Thomas Hempel am Brandenburger Platz mit dem Handy am Ohr erwischt. "Was hab ich denn falsch gemacht", fragt die 23-Jährige. Bei einer Belehrung bleibt es diesmal nicht. Diese unkonzentrierte Fahrradtour kostet die junge Frau 25 Euro.

Als besonders heißes Pflaster gilt die Sprem. In der einzigen Cottbuser Fußgängerzone, in der man tagsüber nicht Rad fahren darf, ist am Donnerstag Markt. Auch wenn die meisten Radfahrer vorbildlich schieben, überrascht Thomas Hempel den ein oder anderen Träumer. "Ich wusste gar nicht, dass das eine Fußgängerzone ist", erklärt ein Radfahrer aus Lübbenau. Thomas Hempel zeigt sich kulant und zückt auch diesmal nicht den Zahlschein, sondern nur eine Infobroschüre für Radfahrer. Im Regelfall kostet einmal Radfahren durch die Sprem 15 Euro.

Der Revierpolizist ist mit den Radfahrern in der Innenstadt zufrieden. "Vor ein paar Wochen hat das noch ganz anders ausgesehen", erinnert sich Thomas Hempel.

Zum Thema:
Wer das Rechtsfahrgebot missachtet oder eine nicht freigegebene Fußgängerzone befährt, muss mit einem Bußgeld von 15 Euro rechnen. Das Missachten einer Einbahnstraße, Fahren ohne Licht oder das Befahren eines Radweges in entgegengesetzte Richtung kostet 20 Euro. Albernheiten wie freihändig, oder auf dem Gepäckträger mitfahren wird mit immerhin fünf Euro geahndet. Ein durch Kopfhörer beeinträchtigtes Gehör ist 10 Euro Verwarnungsgeld wert, ebenso wie das Führen eines nicht verkehrssicheren Fahrrades oder ein fehlendes Handzeichen beim Abbiegen. Das Missachten einer roten Ampel, die länger als eine Sekunde auf Rot steht, kostet ganze 100 Euro. (the)