ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:17 Uhr

Ergebnis gab Anlass zur Diskussion
Test nimmt Cottbuser Fahrradklima unter die Lupe

Cottbus. Cottbus ist eine von 41 deutschen Städten die vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub getestet wurden. Welche Lehren aus den Ergebnis zu ziehen sind, wurde im Verkehrsausschuss diskutiert. Von Rene Wappler

Beim Komfort der Radwege liegt die Stadt Cottbus im Mittelfeld. Das geht aus einer Umfrage vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) hervor. Für das Ergebnis interessieren sich die Mitglieder des Cottbuser Verkehrsausschusses.

Laut des Fahrradklimatests vom ADFC erreicht Cottbus Platz 19 von 41 bundesdeutschen untersuchten Städten. Zu den Stärken der Stadt zählt demnach, dass die Einwohner gern mit dem Rad fahren, dass sie das Zentrum gut erreichen und viele Einbahnstraßen für sie in der Gegenrichtung geöffnet sind. Verärgert äußern sich viele Radfahrer hingegen über häufigen Diebstahl, schlechte Verkehrsführung an Baustellen und mangelnde Werbung für ihren Freizeitsport.

Dabei tragen sich die Mitglieder des Cottbuser Verkehrsausschusses schon mit Ideen für ein besseres Image des Radfahrens. Der Sozialdemokrat Denis Kettlitz schlug in der vergangenen Woche bei einer Konferenz im Stadthaus vor, eine Fahrradautobahn einzurichten, die vom Bahnhof bis zum Ostsee reicht. „Das klingt erst mal nach einem sehr ehrgeizigen Projekt“, merkte er an. Doch es gebe schließlich Städte wie Kopenhagen, in denen solche Langstrecken für Radfahrer bereits in Betrieb sind. Das könne als Vorbild für Cottbus dienen.

Kritik am Zustand der Radwege

Der Bündnisgrüne Martin Kühne nahm diese Idee gleich zum Anlass für eine Begriffsklärung. „Statt einer Fahrradautobahn wäre doch ein Fahrradschnellweg die richtige Bezeichnung“, sagte er. „Wir sehen daran, wie wir seit Jahrzehnten daran gewöhnt sind, in bestimmten Kategorien zu denken.“

Birgit Heine vom Ortsverband des ADFC stellte den Mitgliedern des Verkehrsausschusses die Ergebnisse der Studie vor. So präsentierte sie Kritik von Befragten: „Die Radwege sind in schlechtem Zustand“, befanden viele Einwohner. „An Baustellen werden Umleitungen für Radfahrende benötigt“, lautete eine weitere Aussage. Oder auch: „Auf der Nord-Süd-Achse im Stadtzentrum wird ein Radweg benötigt.“

Zwar gehen viele Radfahrer davon aus, dass die Stadtplaner ihre Wünsche nicht ernst nehmen, wie aus dem Test vom ADFC hervorgeht. Doch Sven Koritkowski vom Fachbereich für Stadtentwicklung im Rathaus gab im Gespräch nach der Präsentation zu bedenken: „Der Test zeigt uns, wo wir ungefähr stehen, und natürlich wollen wir besser werden.“ Noch im Jahr 2019 sehe der Plan vor, eine Strecke von 12,7 Kilometern der Radwege in der Stadt zu modernisieren. Seit dem Sommer arbeite Cottbus zudem in der Arbeitsgemeinschaft der fahrradfreundlichen Kommunen mit.

Zahl der Fahrradständer am Bahnhof nimmt zu

Das starke Interesse der Einwohner am Radfahren zeigt sich auch am Cottbuser Bahnhof. Auf der Nordseite stellte sich in Folge der Bauarbeiten heraus, dass die 120 geschaffenen Stellplätze nicht ausreichen. Von einer „unbefriedigenden Situation“ sprach Alice Kunze, die im städtischen Fachbereich für Grün- und Verkehrsflächen arbeitet. Am vergangenen Freitag wurden daraufhin 30 neue Fahrradständer an der Güterzufuhrstraße eingerichtet. Auf der Südseite des Bahnhofes wuchs die Zahl der Abstellplätze unterdessen von bisher 90 auf 280, wie die Pressestelle des Rathauses mitteilte.

Bereits im April dieses Jahres hatten Dutzende Einwohner von Cottbus im Stadthaus die Tische zusammengerückt, um in fünf Arbeitsgruppen miteinander über die Zukunft des Verkehrs zu sprechen. Manche Besucher plädierten dafür, die Autos ganz vom Altmarkt zu verbannen. Auch die fehlende Nord-Süd-Strecke durch das Stadtzentrum kam in den Diskussionsrunden zur Sprache. Markus Liebig von der Ingenieurgesellschaft Hoffmann-Leichter stellte das Resultat einer Umfrage mit 514 Teilnehmern aus Cottbus vor. Demnach wünschen sich viele Einwohner mehr Grün im Stadtzentrum, bessere Wegweiser und eine höhere Zahl von Radwegen.

Auch Birgit Heine vom ADFC stellte in der vergangenen Woche im Verkehrsausschuss fest: „Wichtig ist eine funktionierende Infrastruktur.“ Wenn dann auch noch ein Fahrradschnellweg vom Bahnhof zum Ostsee hinzukäme - „das wäre das Sahnehäubchen“.